Noch ist der Marienplatz für seine Verhältnisse verschlafen – ab Montag könnte sich das wieder ändern. (Archivbild) Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Ab Montag gelten im Land gelockerte Regelungen für die Gastro. Das Wetter soll gut werden, Gastronomen werben mit Angeboten und locken die Menschen wieder an die urbanen Plätze. Verwaltung und Polizei wollen ein Auge auf das Treiben haben.

Stuttgart - Über 20 Grad und Sonnenschein – unter normalen Umständen ein Garant für eine rammelvolle Innenstadt in Stuttgart. Am Montag weiß noch keiner so ganz genau, was passieren wird. Einerseits greifen da die Lockerungen für Gastronomiebetriebe, die das Land zumindest für Speiselokale veranlasste, nachdem der Bund die Zügel hier gelockert und die Angelegenheit den Ländern überlassen hatte. Gastronomen rühren in sozialen Netzwerken bereits die Werbetrommel.

Andererseits bedeutet die Lockerung aber auch, dass die Vernunft der Menschen ab Montag auf dem Prüfstand steht. In Stuttgart wollen die Polizei und Stadt genau beobachten, wie die Bürger mit der wiedergewonnen Freiheit umgehen, sich auf ein Feierabendbier oder den gemeinsamen Verzehr von Speisen in der Öffentlichkeit zu treffen.

Zum Beispiel im Café Galao nahe des Marienplatzes an der Tübinger Straße. Statt Mitnehmartikel wird es dort ab dem 18. Mai „Verzehr von Speisen und Getränken bei uns vor Ort“ geben, wie das Galao auf seiner Facebook-Seite schreibt. Auflagen wie 1,50 Meter Abstand zwischen den Gästen, Maskenpflicht bei den Bestellungen und dem Toilettengang und Dokumentation der Personalien würden eingehalten, versprechen die Betreiber. Falls es zu voll wird, verweist das Galao auf den Marienplatz, wo man Speisen und Getränke auch konsumieren könne. Andere Gastronomen bewerben ihr Angebot ähnlich.

Die Polizei ist guter Dinge

Zu Beginn der Corona-Verordnungen hatten Szenen für Empörung gesorgt, als Besucher des beliebten Marienplatzes. die Auflagen eng an eng gedrängt ignorierten, bis die Polizei einschreiten musste. Wiederholen sich die Bilder?

Die Polizei ist prinzipiell guter Dinge, dass ab Montag nicht das große Chaos ausbrechen wird, obwohl Außengastronomien wieder belebt sein werden. „Wir sind da, unterwegs, wenn etwas auffällt, schreiten wir ein“, sagt Polizeisprecherin Monika Ackermann. Aktuell beobachteten die Beamten aber, dass sich die meisten an die Kontaktbeschränkungen halten. Die Polizei geht davon aus, dass sich daran auch am Montag nichts ändert. „Darum wird es am Montag, Stand jetzt, auch keine gezielten Kontrollen geben“, sagt Ackermann.

Unklarheit bei Bars und Kneipen mit Speisekonzession

Die Stadtverwaltung richtet sich auf Basis der aktuellen Auslegungshilfen des Landes nach den zugrunde liegenden Konzessionen der Gastronomen, wie es aus dem Ordnungsamt heißt. „Ob und inwieweit davon auch Bars und Kneipen umfasst sind, muss bis Montag seitens des Landes geklärt werden“, sagt Jasmin Bühler, eine Sprecherin der Stadt. Das Problem hierbei sei, dass viele Bars neben der Schankkonzession auch eine Speisekonzession hätten.

Generell sei es Aufgabe des Betreibers – und nicht die der Stadt –, den Infektionsschutz sicher zu stellen. „Vereinfacht gesagt: Kann er dies nicht, dann kann er nicht öffnen“, sagt Bühler. Was die erweiterte Außenbewirtschaftung anbelangt, werde die Stadt die Pläne der Betreiber wohlwollend und vereinfacht prüfen. Allerdings müssten die Betreiber ein Konzept vorlegen.

„Bislang liegen der Stadt hierzu 20 Anfragen von Betreibern vor, die entsprechende Pläne zur erweiterten Außengastronomie einreichen wollen“, sagt Bühler. Was nicht gehe, sei, dass Gastronomen ohne eine Prüfung Tische und Stühle rausstellten, „schon gar nicht dann, wenn sie bisher gar keine Außenbewirtschaftung betreiben durften.“

Stadträte wollen Gastronomen entlasten

Auch die Kommunalpolitik hat den Montag mit großem Interesse im Blick. Martin Körner, SPD-Fraktionschef im Rathaus und außerdem OB-Kandidat, freut sich über die anstehenden Lockerungen: „Es tut der Stadt gut, wenn wir alle wieder in ein Restaurant gehen können“, sagt er. Die Gastronomen brauchten trotz Öffnung Hilfe, um zu überleben, weil die Umsätze noch eine Weile niedrig bleiben würden. „Wir als Stadt sollten deshalb über Essensgutscheine nachdenken und Gebühren zum Beispiel für die Außengastronomie erlassen“, sagt Körner.

Ähnlich sieht es der CDU-Stadtrat Maximilian Mörseburg. „Wir wollen, dass die Gastronomie bestmöglich von der Stadt unterstützt wird“, sagt er. Es solle „schnell und unkompliziert“ möglich sein, die Außenflächen zu erweitern. „Zudem wollen wir, dass die Gebühren für die Flächen für zwei Jahre ausgesetzt werden“, sagt auch Mörseburg. Auch andere Ratsfraktionen hatten sich für Entlastungen von Gastronomen ausgesprochen.

Der Gaststättenverband Dehoga pocht derweil darauf, dass Gäste und Gastronomen die Verordnungen einhalten, damit die stufenweise Wiederaufnahme des Gastronomiebetriebs geräuschlos über die Bühne gehen kann. „Unsere Branche nimmt die Hygienemaßnahmen ernst. Wir tun alles, damit die Wiedereröffnung unter den gegebenen Bedingungen optimal verläuft“, sagt der Dehoga-Vorsitzende Fritz Engelhardt.

Wer ab Montag alles von der Lockerung und daraus resultierenden Möglichkeiten profitiert, bleibt also unklar, bis die Landesregierung hier eine klare Ansage macht. Die Bundesregierung hatte allerdings unmissverständlich gesagt, dass ihre Empfehlung ist, die Beschränkungen zumindest für Kneipen und Clubs noch nicht zu aufzuheben – zu groß sei die Ansteckungsgefahr auf engem Raum in Verbindung mit viel Alkohol.

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