Silvia Forlano ist seit 1988 im Anker in Bernhausen tätig. Das Lokal öffnet seit Jahr und Tag an Heiligabend – so auch wieder dieses Jahr. Es gibt Saitenwürstle und Kartoffelsalat. Foto: Caroline Holowiecki

Nicht jeder kann oder will am 24. Dezember ein Festtagsmenü kochen. Auf der Filderebene haben ein paar Lokale geöffnet.

Heiligabend ausspannen, daheim mit der Familie sitzen, vielleicht einen Klassiker im TV anschauen – so verbringen viele Menschen den 24. Dezember. Silvia Forlano wird indes das tun, was sie immer tut. Arbeiten. Sie ist die Betreiberin der Gaststätte Anker in Bernhausen, und sie ist eines der ganz wenigen Lokale, die an Heiligabend öffnen.

 

Hier finden etliche Menschen, die sonst den Festabend einsam verbringen würden, eine Anlaufstelle. „Es kommen viele alleinstehende Menschen, die Gesellschaft wollen“, sagt sie. Im Gastronomiebetrieb ist Silvia Forlano seit 1988 tätig, und „schon immer“ öffnet der Mix aus Restaurant und Kneipe am 24. Dezember am späten Nachmittag die Tür. „Es ist eine Tradition.“ Auf der Speisekarte: Saitenwürstle mit Kartoffelsalat. Damit sind alle zufrieden. Das kleine Lokal mit seinen nur 34 Plätzen ist mitunter gut gefüllt.

Bis zum Nachmittag haben auf den Fildern mehrere Lokale offen

Groß ist das Gastroangebot an Heiligabend auf der Filderebene allerdings nicht. Offenbar schon Tradition hat das Frühstücksbüfett im Café del Sol am Rand von Bernhausen. Von 9 bis 14 Uhr kann man hier kulinarisch in den Tag starten, an den beiden Feiertagen ist sogar durchgehend von 9 bis 23 Uhr geöffnet. Den heiligen Vormittag feiert man am 24. Dezember beispielsweise auch im Schwanen in der Fußgängerzone von Bernhausen. Das Lokal ist zwischen 11 und 14 Uhr geöffnet und verspricht online einen „Weihnachtszauber“ in einem „ganz neuen Format“.

Abends etwas zu essen zu bekommen, ist schon schwieriger. Fündig wird man im Restaurant China City in Echterdingen. Dort wird den Gästen am 24. Dezember zwischen 17 und 23 Uhr Fernöstliches vom Büfett serviert. An den beiden Weihnachtsfeiertagen ist das Team zusätzlich über den Mittag da. „Zurzeit haben wir noch Plätze frei, empfehlen aber eine Reservierung, da der Abend erfahrungsgemäß gut besucht ist“, heißt es auf Anfrage.

Grundsätzlich ist das jedoch die Ausnahme. Von Daniel Ohl, dem Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands, war bereits in einem früheren Gespräch mit unserer Zeitung zu erfahren: „Viele schließen mit Rücksicht auf Familien und Mitarbeiter.“ Die meisten würden sich an den Feiertagen eine Auszeit gönnen. Zwar gebe es durchaus Wirtshäuser, in denen eine Heiligabend-Tradition gepflegt werde, „und die finden auch ihre Gäste“, grundsätzlich aber glaubte er, dass die Angebotsmenge die Nachfrage am Markt reflektiere.

In Echterdingen wird vorgekocht

Einen guten Mittelweg hat das Restaurant Ratsstuben in Echterdingen gefunden. Es öffnet an Heiligabend zwar nicht, doch es kocht für die Kundschaft vor. Wer sich und seinen Gästen daheim Ragout vom Rehwild, Gans oder doch lieber etwas Fleischloses in Restaurantqualität servieren möchte, kann diverse Gerichte vakuumiert bis zum 18. Dezember vorbestellen. Zum dritten Mal bieten die Ratsstuben bereits diesen Service, und „es kommt gut an“, sagt Marlen Hillenbrand aus der Geschäftsführung. Auf die Idee zum Do-it-yourself-Dinner sei das Gastroteam durch den Andrang an den beiden Weihnachtsfeiertagen gekommen. „Wir sind seit Oktober ausgebucht“, sagt Marlen Hillenbrand, „viele Leute wollen aber trotzdem das Essen von uns.“ Dafür hat das Ratsstuben-Team an Heiligabend und an Neujahr, den einzigen beiden Schließtagen, frei. Marlen Hillenbrand sagt: „Wir haben alle Familien. Den Luxus gönnen wir uns.“

Auch Silvia Forlano hat ihrem Team für den 24. Dezember freigegeben und wird den Abend im Anker allein wuppen. Ihre Familie wird ebenfalls ins Lokal kommen. Warum sie das auf sich nimmt? „Es gehört sich einfach“, sagt sie achselzuckend. Es mache ihr nichts aus, an Heiligabend zu arbeiten, und „wo sollen die Gäste denn hin?“. Die Tradition werde sie jedenfalls auch in den kommenden Jahren beibehalten. Und Spaß mache es schon auch, „sonst würde ich zumachen“.