In Murrhardt steht der Gasthof Zum Engel vor dem Neustart: Sanjeevan Arumaithurai will das Traditionshaus mit Rostbraten, Wurstsalat und indischen Spezialitäten wiederbeleben.
Es war lange still an der Hauptstraße 15, direkt am Marktplatz in Murrhardt (Rems-Murr-Kreis). Rund zwei Jahre blieb die Tür des Gasthofs Zum Engel geschlossen – nun soll wieder gekocht, serviert und gefeiert werden. Seit August 2025 hat Sanjeevan Arumaithurai (41) das Traditionshaus von Eigentümerin Helene Bunk gepachtet. Der Hotelbetrieb läuft bereits, Ende März soll auch das Restaurant öffnen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest – der Start ist möglichst bei besserem Wetter geplant, um die Außengastronomie gleich mitnehmen zu können.
„Es war mein Traum, in die Gastronomie einzusteigen“, sagt Arumaithurai. Mehrere Objekte habe er sich angeschaut, schließlich habe er sich für Murrhardt entschieden. „Ich hatte ein gutes Bauchgefühl.“ Wichtig sei ihm gewesen, keinen Imbiss zu eröffnen, sondern ein klassisches Gasthaus. „Wir wollen die Tradition bewahren.“
Historisches Erbe: Gasthof Engel seit 1553 in Familienhand
Im Jahr 1553 hatte die Familie Bunk das Gebäude erworben, das zuvor im Besitz des Klosters gewesen war. Über rund 460 Jahre blieb das Haus in Familienhand. In dieser Zeit war es unter anderem Bäckerei, Metzgerei, Weinhandlung und Gaststube. Auch als Geburtshaus des Malers Reinhold Nägele ist es bekannt.
Der langjährige Koch und Eigentümer Wolfgang Bunk, der den Engel über Jahre geprägt hatte, starb 2024 im Alter von 80 Jahren. Mit seinem Tod endete eine Ära. Nun soll ein neues Kapitel beginnen – ohne bauliche Veränderungen. Der Charakter der Traditionsgaststätte solle erhalten bleiben, erklärt der neue Pächter.
Berufserfahrung aus Neu-Delhi und Berlin mitgebracht
In der Küche steht Mithun Panniyora (36). Der Koch bringt rund 15 Jahre Berufserfahrung mit, zuletzt war er in Neu-Delhi tätig. Seit anderthalb Jahren lebt er in Deutschland. Zum Start unterstützt zudem ein Onkel Arumaithurais aus Frankfurt am Main. „Er arbeitet schon seit Jahren als Koch in Deutschland und kennt sich aus mit den Spezialitäten“, sagt der Pächter.
Auch seine Schwester Sangeetha Mugunthan (43) hilft mit. Sie lebt in Stuttgart und war zehn Jahre in der Gastronomie in Berlin tätig. Insgesamt sollen anfangs drei bis vier Personen den Betrieb organisieren.
Vermittelt wurde der Kontakt nach Murrhardt durch Peter Tchoryk, der bei Haller Löwenbräu arbeitet. „Er ist ein guter Freund von mir und unterstützt mich bei dem Projekt“, sagt Arumaithurais.
Kulinarisch setzt der Engel bewusst auf deutsche und schwäbische Klassiker. Rostbraten, Schweinemedaillons, Schnitzel und Wurstsalat sollen vor allem die bisherigen Stammgäste ansprechen. „Das erwarten die Menschen in einem Traditionsgasthaus“, sagt Arumaithurai.
Gleichzeitig will er jüngere Gäste erreichen. Auf der Karte stehen deshalb auch Salate, ein Burger – auch in vegetarischer Variante – sowie ein veganes Gericht.
Indische Spezialitäten und regionale Küche im Gasthof Engel
Ergänzt wird das Angebot um einzelne indische Speisen wie Süßkartoffel-Curry, Lamm-Curry und Butter Chicken. Die endgültige Karte sei noch in Arbeit. Fest steht: Die Küche soll regional und saisonal arbeiten, ergänzt durch eine wechselnde Wochenkarte. Preislich sieht sich der Engel im Mittelfeld. Und was die Zutaten angeht, sei er noch auf der Suche nach regionalen Anbietern.
Im Erdgeschoss stehen zwei Gasträume mit rund 40 Plätzen zur Verfügung. Im ersten Obergeschoss befindet sich ein Saal mit Bühne und 80 bis 90 Plätzen – geeignet für Feste und Veranstaltungen.
Ein Antrag auf Außenbewirtung läuft. Nach Angaben des Pächters gibt es positive Signale von Bürgermeister Armin Mößner. Geplant ist eine Bewirtung an zwei Seiten des Hauses mit mehreren Dutzend Sitzplätzen.
Das Hotel ist bereits geöffnet
Das Hotel ist bereits in Betrieb. Angeboten werden vier Doppelzimmer zu je 95 Euro sowie zwei Einzelzimmer zu 60 Euro – jeweils inklusive Frühstück. Die Gäste sind überwiegend Handwerker und Touristen.
Geöffnet werden soll das Restaurant von Dienstag bis Sonntag jeweils von 16 bis 22 Uhr, montags ist Ruhetag.
„Ich bin aufgeregt und positiv gestimmt“, sagt Sanjeevan Arumaithurai. Nach dem langen Stillstand soll der Engel wieder ein verlässlicher Anlaufpunkt am Marktplatz werden – für langjährige Stammgäste ebenso wie für eine jüngere Generation.