Das Gasthaus Lamm in Waldenbuch steht derzeit leer. Foto: Claudia Barner

Prominente Gäste, eine lange, bewegte Geschichte – das Gasthaus Lamm in der Waldenbucher Altstadt ist ein historisches Kleinod, deshalb hat sich nun auch die Stadt in die Verkaufsgespräche eingeklinkt.

Waldenbuch - Das Waldenbucher Gasthaus Lamm steht zum Verkauf. Für die Schönbuchstadt ist das eine Zäsur. Denn die traditionsreiche Herberge an der Aich ist eng mit der Geschichte der Kommune verknüpft und prägend für das Gesicht der historischen Altstadt. Der Gemeinderat steckt nun in der Zwickmühle. Erst kürzlich hatten die Räte einen bereits unterschriftsreifen Mietvertrag mit den Eigentümern abgelehnt. Jetzt muss sich das Gremium Gedanken darüber machen, ob die Kommune die Immobilie erwirbt und über die Gestaltung des sensiblen Bereichs in Zukunft mitbestimmt.

Die Eigentümer des Gasthofs an der Krone-Brücke haben in den vergangenen Wochen ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Der letzte Pächter hatte aufgegeben. Eine Nachfolgeregelung war wegen Corona nicht in Sicht. Da kam das Angebot aus dem Waldenbucher Rathaus gerade recht: Der Bürgermeister Michael Lutz hatte die Idee, den Gebäudekomplex mit den zugehörigen 20 Zimmern vorübergehend als zusätzliche Flüchtlingsunterkunft der Stadt anzumieten.

Im Internet für 1,2 Millionen Euro angeboten

Alles war vorbereitet – doch der Gemeinderat stimmte dagegen. Der Standort im Herzen der Altstadt erschien dem Gros der Stadträte als ungeeignet. Ende Februar wurde das Projekt eingestellt. Kurz nach dem Ratsbeschluss ging die Anzeige der beiden Eigentümer online: Im Internet wird der historische Gasthof aktuell für 1,2 Millionen Euro angeboten – und Waldenbuch hat ein Gesprächsthema.

Mit Interesse verfolgen die Bewohner der Schönbuchstadt, wie es mit der Immobilie weitergeht. Denn das Lamm ist ein Kleinod mit historischer Bedeutung. In dem Gasthof logierten einst die Gäste der herzoglichen Jagdgesellschaften, hier war von 1852 bis 1968 der Sitz der traditionsreichen Lamm-Brauerei, hier nächtigte im April 1960 auf der Durchreise der SPD-Politiker und spätere Bundeskanzler Willy Brandt. Der Heimatforscher Wolfgang Härtel hat diese und andere Geschichten 2020 in einer Dokumentation zusammengetragen, die unter www.alt-waldenbuch.de erschienen ist.

Stadt will zunächst die Lage sondieren

Vor diesem Hintergrund ist der Gemeinderat jetzt wieder aktiv geworden. „Das Gremium hat uns beauftragt, Gespräche mit den Eigentümern aufzunehmen“, bestätigt der Waldenbucher Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr. Es sei üblich, dass sich die Stadt ins Verfahren einklinke, wenn in der Altstadt an prominenter Stelle Grundstücke oder Immobilien zum Verkauf stünden. „Wir wollen zunächst die Lage sondieren. Es gibt im Moment keine fundierten Überlegungen oder Nutzungsabsichten zu dem Areal“, betont er. Wichtigstes Ziel der Stadt sei es im Moment, ins Verfahren involviert zu bleiben.

Dazu könnte auch die Vermittlung von potenziellen Interessenten gehören. „Wir haben bei der Vermarktung der Grundstücke im Gewerbegebiet immer wieder Anfragen aus den Bereichen Gastronomie und Übernachtung“, erzählt der Hauptamtsleiter. Er betont: „Die beste Lösung wäre, wenn sich jemand findet, der den Hotel- und Gastronomiebetrieb wiederbelebt. Das Gebäude ist dafür geschaffen und die Stadt kann das nicht leisten.“ Ein Ankauf durch die Kommune sei deshalb nur die letzte Option. Dranbleiben wolle man aber auf jeden Fall. „Wir gehen jetzt in die Gespräche mit den Eigentümern, berichten an den Gemeinderat und dann ziehen wir Bilanz“, sagt Ralph Hintersehr.

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