Die Sanierung des alten Gasthofs „Stern“ ist in vollem Gange. Rechts  wächst der Neubau des Pflegeheims in die Höhe. Foto: Staufenpress

Eines der ältesten Gasthäuser Göppingens dümpelte schon in Richtung Baufälligkeit. Jetzt soll es im Zusammenhang mit einem Pflegeheimbau wieder zur angesagten Adresse werden. Der künftige Name steht noch nicht fest.

Göppingen - Der Stern ist eine Göppinger Institution. Und zwar nicht nur, weil das Lokal eine jahrhundertelange Tradition hat und als Gasthof als einer der ältesten der Stadt gilt. Auch in den vergangenen Jahrzehnten war die Lokalität Anlaufstelle für ganze Generationen von jungen Leuten. In den 1990er-Jahren war das „Paul’s“ ein Magnet, danach das  „Moloko“ und zuletzt, an den Wochenenden,  das „Parker Jones“. Das Gebäude, das der meistbefahrenen Kreuzung der Stadt den Namen gab, war lange Zeit ein Kristallisationspunkt der Ausgeh­szene. Und genau das soll es auch wieder werden, wenn es nach Serkan Esmer und dem Göppinger Architekten Uwe Flaig geht.

Das Fachwerk ist besser erhalten als befürchtet

Lange Zeit sah es danach nicht aus. Denn nach den goldenen Jahren begann der Stern zu sinken. Viele unkten vor fünf Jahren schon vom Abriss. Der ist längst vom Tisch. Der ehemalige Baubürgermeister Helmut Renftle gab den Anstoß zum Erhalt. „Wir haben den Ball aufgegriffen“, sagt Architekt Uwe Flaig, dessen Firma das ganze Stern-Areal neu bebaut: „Ich habe das Anliegen verstanden.“ In einem städtebaulichen Vertrag ist geregelt, dass der Investor ein städtisches Grundstück dazu bekam und ein groß dimensioniertes, bis zu sechs Geschosse hohes Pflegeheim bauen darf. Dafür hat er sich verpflichtet, den alten Stern neu strahlen zu lassen. Dass das nicht ganz billig wird und sich nur in Zusammenhang mit dem Neubau wirtschaftlich vertreten lässt, daraus macht Uwe Flaig kein Geheimnis. Er sagt aber auch. „Die Kernsubstanz des Fachwerks erwies sich als viel besser als befürchtet.“ Die alten Außenmauern sind noch erhalten. Im Inneren steht derzeit nur noch eben jenes Fachwerk. Davon soll so viel wie möglich erhalten bleiben. „Die Balken wurden aufwendig abgebürstet, damit sie künftig sichtbar bleiben können“, erzählt Flaig. Das Dach wird derzeit über den alten Balken neu gerichtet und mit Biberschwanz-Ziegeln gedeckt, so wie das ebenfalls prägende Gebäude „Rosa Fichtel“ gegenüber.

Platz für Außengastronomie

Ansonsten ist für die inneren Werte der neuen Lokalität der Stuttgarter Architekt Steffen Haas verantwortlich, darauf sind Flaig und Esmer stolz. Denn der hat auch schon die Schorndofer „Taos Bar“, das neue „Five“ in Stuttgart und das „Silikus“ in Uhingen gestaltet. Das Interieur werde spektakulär. Man werde durch die Balken in den einzelnen Geschossen Emporen aus Sichtbeton einbauen, aber alles sehr offen und transparent halten. Im Dachbereich ist ein gläsernes Lager geplant. Und das Konzept soll „gemütliches Sitzen“ ermöglichen und an die Vorgänger „Paul’s“ und „Moloko“ anknüpfen, so Serkan Esmer. In Göppingen herrsche da mittlerweile eine Lücke, deshalb seien ja viele junge Göppinger zum Ausgehen ins Umland oder gar nach Stuttgart abgewandert.

Künftig wird man die Bar von hinten her betreten. Der Eingangsbereich wird im Zwischenbau Richtung Pflegeheim sein, wo auch ein tagsüber geöffnetes Bäckerei-Café angesiedelt wird. Auf der Freifläche Richtung Pflegeheim wird es einen neu gestalteten Platz geben, der für Außengastronomie genutzt werden kann. Aber auch vor dem Gebäude an der Stuttgarter Straße  könnte sich Serkan Esmer Sitzmöglichkeiten vorstellen.

Seniorenheim erhält einen Schallschutz

Auf einen Eröffnungstermin der neuen Bar wollen sich Bauherr und künftiger Betreiber nicht festlegen. Dafür gebe es noch zu viele Unsicherheiten, beispielsweise die Gestaltung des Außenbereichs an der Kreuzung, der in Verantwortung der Stadt liegt.

Und wie verträgt sich eine viel frequentierte Bar unmittelbar neben einem Pflegeheim mit dem Ruhebedürfnis alter Menschen? Esmer und Flaig sind entspannt: Das neue Lokal werde ja „kein Partyschuppen, in dem bis in die Morgenstunden gefeiert wird“, erklärt Betreiber Esmer, sondern eher eine gediegene Bar. Und Bauherr Flaig erklärt, dass die Schallschutzauflagen für das Seniorenzentrum wegen der Lage an der viel befahrenen Straße ohnehin ungewöhnlich hoch seien. Auch auf einen Namen für die neue Bar will sich der künftige Betreiber noch nicht festlegen: „Vielleicht sogar einfach Stern“, sagt Serkan Esmer.

Der „Stern“ lag einst vor den Toren der Stadt

Alter
 Das Baujahr des Gebäudes an der Stuttgarter Straße ist nach Meinung der Historiker nicht mehr genau feststellbar. Doch es muss dort bereits früh eine Herberge bestanden haben, die die nach Schließung der Stadttore ankommenden Reisenden aufnahm. Das Haus überstand deshalb den Stadtbrand von 1782.

Bedeutung
In den vergangenen Jahrhunderten waren der „Stern“, sein Saal im Obergeschoss und der Sterngarten beliebte Anlaufstellen. Nach dem Krieg gab es viele Pächterwechsel, bevor 1989 das „Paul’s“ einzog und fortan ein junges Publikum dort verkehrte.

Bauprojekt
 In dem Quartier mit 9300 Quadratmetern Fläche zwischen Schulerburg- und Stuttgarter Straße baut Uwe Flaig derzeit ein Pflegeheim mit 90 Plätzen sowie  43 Seniorenwohnungen, eine Tagespflege und eine Sozialstation. Betreiber wird der Arbeitersamariterbund (ASB) sein. Bis Ende 2022 soll es fertig sein.