Weltmeister Jürgen Klinsmann hat nicht nur Fußball im Kopf. Foto: dpa

Vor der Leichtathletik-EM in Berlin berichtet Jürgen Klinsmann von seinen früheren Problemen beim Sprinten und seiner Liebe zur Hauptstadt. Der Ex-Star des VfB Stuttgart verrät in seinem Gastbeitrag auch, welche Fahne er beim Besuch seines ersten Bundesligaspiels schwenkte.

Stuttgart - Von Berlin nach Los Angeles sind es 9300 Kilometer – und trotzdem bin ich irgendwie in die Leichtathletik-Europameisterschaften involviert. Denn sowohl die Leichtathletik als auch die Stadt Berlin haben im Leben unserer Familie eine große Rolle gespielt.

Sport ist Sport – völlig unabhängig von der jeweiligen Disziplin und der jeweiligen Sportart. Das war bei uns in der Familie immer so.

Erste sportliche Schritte beim Kinderturnen – unter Anleitung von Vater Siegfried

Als ich noch ganz jung war, leitete mein Vater Siegfried beim TB Gingen das Kinderturnen. Deshalb habe ich meine ersten sportlichen Schritte natürlich auch beim Kinderturnen gemacht, und diese grundsportliche Ausbildung hat mir geholfen, als ich später zu den Fußballern wechselte.

Mein Bruder Horst hingegen wechselte zu den Leichtathleten, und als ich bereits Fußballprofi beim VfB Stuttgart war, kritisierte er immer wieder meinen Laufstil. Für uns war völlig logisch, dass ein Trainer, der auf den Sprint spezialisiert ist, mit seinem Wissen, seinem Ansatz und seinen Trainingsmethoden noch etwas an meinen Lauffähigkeiten herausholen könnte.

Sprinttraining bei einem Leichtathletiktrainer

Deshalb haben wir auch gehandelt: Auf Vermittlung meines Bruders trainierte ich fortan bei Horst Allmann, einem Leichtathletiktrainer und Sportwissenschaftler, an meinen Sprintfähigkeiten über einen langen Zeitraum. Ein- bis zweimal trainierten wir pro Woche – und auch nach meinem Wechsel 1989 ins Ausland übte ich noch nach seinen Anweisungen. Und dies zu einer Zeit, als es im Fußball noch keine Spezialisierung, sondern maximal einen Trainer und einen Co-Trainer gab. Meistens noch nicht einmal einen Torwarttrainer.

Ich bin auch heute noch der Auffassung, dass man von anderen Sportarten lernen kann. Die Sportarten sind so komplex, dass man als Trainer geradezu verpflichtet ist, neue Wege zu suchen – und warum sollen diese nicht in anderen Sportarten gefunden werden?

Sein Sohn Jonathan ist Torhüter bei Hertha BSC

Mit Berlin hat diese Europameisterschaft einen ganz besonderen Austragungsort, der für uns eine besondere Beziehung hat. Mein Vater ist in Hohenwutzen bei Frankfurt (Oder) geboren und war glühender Hertha-Fan. Mein erstes Bundesliga-Spiel, das ich im Stadion gesehen habe, war VfB Stuttgart gegen Hertha BSC – ich mit der Hertha-Fahne. Ich selbst bin seit 2004 Mitglied bei Hertha BSC, und dass mein Sohn Jonathan seit einem Jahr als Torhüter bei der Hertha spielt, rundet das Hertha-Bild der Familie ab.

Jetzt wünsche ich allen viel Spaß im Stadion und in Berlin – oder auch vor dem Fernseher. Genießt die Zeit!

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