Erst vor drei Jahren haben die Kieningers aus Stuttgart-Weilimdorf eine neue Gasheizung einbauen lassen. Nun stehen sie vor der Entscheidung, ob sie doch gleich auf Wärmepumpe wechseln.
Man merkt Christel und Bruno Kieninger deutlich an, wie hin- und hergerissen sie sind. Sie stehen vor einer komplizierten Entscheidung, was ihre Heizung betrifft, und sie sagen Stand heute: Sie haben noch keine Ahnung, wie es ausgehen wird.
Die Kieningers wohnen in einem Reiheneckhaus in Stuttgart-Weilimdorf, 135 Quadratmeter, 1991 gebaut. Im Herbst 2020 hat die fast 30-jährige Gasheizung erste Mucken gemacht, daher haben sie sie im Februar 2021 durch eine neue ersetzt.
Vor der Energiekrise und vor dem Klimabeschluss
Das war vor Putins Angriff auf die Ukraine, vor der Energiekrise und auch vor dem Beschluss des Stuttgarter Gemeinderats, dass die Stadt bereits bis 2035 klimaneutral werden soll. Was ja in der Konsequenz auch bedeuten würde, dass hier in zehn Jahren nicht mehr mit fossilen Energieträgern geheizt wird. „Man nimmt wahr, dass das mit dem Gas nicht ewig geht“, sagt Christel Kieninger. Ihre Entscheidung für eine neue Gasheizung war auch vor dem Beschluss der Wärmeplanung Ende 2023 für Stuttgart; und die sagt: Fernwärme ist bei ihnen in der Siedlung nicht vorgesehen.
Der Bruch der Ampel-Regierung in Berlin und die vorgezogene Bundestagswahl am 23. Februar haben zur Folge, dass die Kieningers in ihrem Reiheneckhaus in Weilimdorf nicht wissen, was sie jetzt tun sollen. „Sollen wir doch schnell eine Wärmepumpe einbauen?“, fragt Bruno Kieninger. Eine drei Jahre alte Gasheizung ausmustern? „Man hätte es damals 2021 anders machen können“, sagt er. „Aber damals haben wir gar nicht drüber nachgedacht“, sagt seine Frau.
Neben den Kieningers wohnt Karlheinz Härtel. Er hat das baugleiche Reiheneckhaus in der Siedlung, und er heizt seit Mai 2023 mit einer Wärmepumpe. Seine Investitionskosten lagen bei 47 000 Euro; die Förderungen des Bundes und der Stadt Stuttgart abgezogen, habe er selbst noch 26 000 Euro investiert.
Zum Vergleich: Die neue Gastherme der Kieningers hat sie 15 000 Euro gekostet. Zwar verbraucht ihr Nachbar Härtel weniger als ein Drittel an Energie für Heizen und Warmwasser, zahlt aber im Jahr durch den höheren Strompreis für Wärmepumpen fast genau so viel wie die Kieningers. „Unter diesem Aspekt muss der Idealismus für die Umwelt zur Rechtfertigung der Investitionskosten schon stark in die Waagschale gelegt werden“, sagt Bruno Kieninger.
Noch gibt es eine Förderung für den Heizungstausch
Und das täten sie, versichern Christel und Bruno Kieninger. „Leben heißt, sich der Veränderung zu stellen“, sagt er. Ihre Fenster sind seit 2022 dreifach verglast, auf dem Dach ist eine Solaranlage, im Keller ein Speicher, ihr E-Auto laden sie an der Wallbox. Fehlt eigentlich nur noch die Wärmepumpe. „Ich bin auch technisch neugierig“, sagt der Rentner. Zudem gibt es aktuell die Förderung für den Heizungstausch. „Der Anreiz ist enorm.“ Wer weiß, was nach der Bundestagswahl ist? All das führt zu dem Dilemma, in dem sich die Kieningers sehen. In den nächsten Tagen kommt ein Energieberater vorbei.
Womöglich sagt er ihnen Ähnliches wie Andreas Köhler, ein Energieberater für die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Eine so junge Gasheizung rauszunehmen, das wäre recht krass.“ In der Regel könne man nach 15 Jahren darüber nachdenken, „ich sage aber immer: Ab 20 Jahren ist ein guter Zeitpunkt“.
Dass in zehn Jahren in Stuttgart womöglich kein Gas mehr fließt, findet Köhler „ein weiches Argument“. Denn bis dahin könne die Gasheizung ja noch 13 Jahre alt werden. „Übrigens sind unser Problem nicht die jungen Gasheizungen, sondern die 30, 40 Jahre alten.“ Einen eindeutigen Rat will er aber nicht geben. „Es gibt keine richtig gute Aussage dazu.“