Am LNG-Terminal in Wilhelmshaven können Gas-Tanker entladen werden. Foto: dpa

Die EU bezieht noch immer ein Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland. Das muss sich dringend ändern – und es gibt eine in doppelter Hinsicht sinnvolle Alternative, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.

Es ist ein Skandal, der in Europa kaum jemanden interessiert. Mehr als drei Jahre nach dem Überfall Moskaus auf die Ukraine, bezieht die Europäische Union noch immer rund ein Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen macht immer wieder darauf aufmerksam, doch passiert ist nichts. Frankreich, dessen Präsident Emmanuel Macron sich bei jeder Gelegenheit als Unterstützer der Ukraine profiliert, hat seine Einfuhren im vergangenen Jahr gar noch deutlich gesteigert. EU-Energiekommissar Dan Jörgensen hat Recht, wenn er diesen Zustand als sicherheitspolitisch und auch moralisch untragbar geißelt.

 

Die EU könnte mehr aus den USA importieren

Dabei sind Alternativen verfügbar. So könnte die EU wesentlich mehr Flüssiggas aus den USA importieren. Damit würde sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen würde weniger Geld in die russische Kriegskasse fließen. Zum anderen könnte der Ausbau der Einfuhren nach Europa dem US-Präsidenten Donald Trump als Deal im Zollstreit mit der Union angeboten werden.

Doch auch wenn die russischen Einfuhren durch US-Gas ersetzt werden sollten, darf das langfristige Ziel nicht aus den Augen verloren werden. Europa muss möglichst unabhängig von Energieimporten werden. Das kann nur über den konsequenten Ausbau von alternativen und sauberen Energiequellen auf dem eigenen Kontinent erreicht werden. Dies ist nicht nur notwendig im Kampf gegen den Klimawandel. Angesichts einer zunehmend schwierigen politischen Weltlage ist es auch eine sicherheitspolitische Notwendigkeit.