Gartentipps vom Experten Weg mit Quecke, Giersch und Vogelmiere

Von Regine Warth 

Im heimischen Garten sprießt munter das Grün – nicht alles zur Freude der Besitzer. Harald Schäfer vom Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg erklärt, wie man lästige Gartenbewohner auch ohne umstrittene Mittel los wird.

Giersch

Wer den Giersch im Garten hat, darf sich freuen, sagt Harald Schäfer vom Landesverband der Gartenfreunde Baden-Württemberg, denn er hat einen humus- und nährstoffreichen Boden, der leicht feucht und krümelig ist. Optimale Erde also – in der aber anderes wachsen sollte statt der wuchernden Bachuferpflanze. Zumindest empfinden das viele Hobbygärtner so. Diese sollten dann schleunigst ihre Hacke holen und alles Grün vom Giersch regelmäßig abhacken. „Der Erdspross erhält ja über das Laub der Pflanze seine Nährstoffe“, sagt Schäfer. Wer die Blätter vernichtet, hungert die Wurzel langsam aus. „Wer anfangs konsequent ein- bis zweimal die Woche hackt und dann alle drei bis vier Wochen einmal, wird den Giersch zwar nicht vollständig los – aber man bekommt ihn auf ein erträgliches Maß klein. „Ganz vertreiben wäre auch schade“, so der Experte. Schließlich kann man die jungen Blätter zum Mittagessen verwenden – als Spinatersatz.

Ackerschachtelhalm

Wenn Harald Schäfer an einem Neubaugebiet vorbeikommt, kann er die Mini-Tannenbäumchen schon erkennen: Der Ackerschachtelhalm macht sich dort gerne breit. „Kein gutes Zeichen“, sagt Schäfer. Denn der Schachtelhalm liebt die Staunässe, die sich gern in einem Erdboden bildet, über den zuvor jede Menge Baumaschinen gewalzt sind. „Unkräuter sind selten nutzlos“, sagt Schäfer. Er erkennt an den unerwünschten Gartenbesuchern, wie es um den Erdboden steht. Und in Neubaugebieten gibt es demnach häufig das Problem, dass der Boden schlecht vorbereitet wurde. Hier hilft nur noch Auflockerung – entweder, indem man tief wurzelnde Gründüngungspflanzen wie beispielsweise Lupinen ins Erdreich setzt. Oder aber man fragt beim örtlichen Maschinenring nach, wie der festgefahrene Boden mithilfe von landwirtschaftlichem Gerät wieder aufgerissen werden kann, so dass die Staunässe entweicht. „Dann verschwindet auch der Ackerschachtelhalm.“

Rasenunkräuter

Wann ein Rasen ein Rasen ist, ist höchst umstritten. Bei Naturliebhabern wie Harald Schäfer lautet die Definition folgendermaßen: „Auf einem Rasen darf es ruhig bunt und wild blühen, alles andere wäre naturfremd.“ Für andere wiederum kommt das Auftauchen von Ehrenpreis, Gundermann, Gänseblümchen und Moos einer Heimsuchung gleich. Dabei sind die Hobbygärtner daran meist selbst schuld, so der Gartenexperte: „Die Leute mähen das Gras zu kurz, sie düngen nicht und wässern es nur unzureichend.“ Daraufhin werden die Graspflanzen geschwächt, und die Unkräuter setzen sich durch. „Der Rasen braucht eine intensive Pflege“, sagt Schäfer.

Das bedeutet: Möglichst organisch mit Hornmehl oder Hornspänen ­düngen und auch regelmäßig gießen – bei extremer Trockenheit im Sommer etwa dreimal pro Woche. Wer trotz aller ökologischen Vorbehalte dennoch mit Löwenzahn und Co. den Kampf aufnehmen möchte, sollte auch häufiger, aber nicht so tief mähen.

Gehörnter/Steifer Sauerklee

Die hübschen gelben Blüten täuschen. Selbst Pflanzenliebhabern wie Harald Schäfer vergeht beim Anblick von Sauerklee – egal ob steif oder gehörnt – in Terrassenritzen und Beeten das Mitleid. Sein Motto bei diesen Unkräutern lautet: „Wehret den Anfängen.“ Dann kann man die ungebetenen Gartenbewohner auch noch mit Rupfen beseitigen. Doch hat sich der steife oder der gehörnte Sauerklee erst einmal in den Ritzen festgesetzt, bekommt man ihn auch nicht mehr so leicht los. Obendrein schießt das Kraut seine Samen mehrere Meter weit. Weshalb Schäfer bei starkem Befall Verständnis hat für die Verwendung von Maleinsäurehydrazid-Präparaten: „Da helfen wirklich nur noch starke Geschütze.“

Vogelmiere

Darf eine Pflanze Unkraut genannt werden, die eigentlich den Hobbygärtner auszeichnet und obendrein schmackhaft ist? Die Vogelmiere wächst laut Gartenexperte Schäfer nur auf gutem, nährstoffreichen Boden. Und wer sie erntet, kann sie als Salatbeigabe verwenden. „Genau genommen ist die Vogelmiere eine Art grüne Feuerwehr“, sagt Schäfer. Überall dort, wo der Bewuchs gerodet wurde und der Erdboden der Sonne ausgesetzt ist, versucht die Natur ihn mit Bodendeckern vor dem Austrocknen zu schützen. Oft kommen daher Samenunkräuter wie die Vogelmiere zum Einsatz, die sich schnell verbreiten und eine grüne Decke bilden. Wer sich doch an der Vogelmiere stört, sollte den unbedeckten Boden – etwa unter Beerensträuchern und anderen Rabatten – mulchen und ihn so bedeckt halten.

Finger-/Hühnerhirse

Die beiden Gräser sind wohl die Nichtsnutze unter den Unkräutern. Wie diese in die heimische Flora gekommen sind, ist Harald Schäfer ein Rätsel. Vielleicht über Vogelfutter, vielleicht über verunreinigtes Saatgut? „Sie waren in jedem Fall plötzlich da“, sagt der Experte. Und das sehr zu seinem Leidwesen: Denn selbst vor dem Rasen des Landesverbands der Gartenfreunde machten die Unkräuter nicht halt.

Leicht sind sie zu erkennen mit ihren gefiederten Ähren: Bei der Fingerhirse sind diese lang und dünn, bei der Hühnerhirse kurz und dick. Und wer sie nur lang genug wachsen lässt, hat plötzlich einen halben Meter hohe Exemplare im Garten. Zumindest die Gartenfreunde wollten nicht so lange warten. Der betroffene Rasen wurde regelmäßig gemäht. Dabei zeigte sich: „Bei jeder Maat wuchsen die beiden Unkräuter nicht mehr so schnell nach“, sagt Schäfer. Am Ende lugten die Ähren auch nach einigen Tagen nur gerade mal knapp sechs Zentimeter aus der Erde. „Wir haben dann gar nichts mehr gegen die beiden Gräser unternommen – und im nächsten Jahr waren sie verschwunden.“ Haben sich die Gräser allerdings im Gemüsebeet niedergelassen, ist Ignoranz und Mähen keine gute Idee. „Da hilft dann nur noch konsequentes Ausrupfen.“

Quecke

Wenn es ein Unkraut gibt, dass den Namen Unkraut verdient, dann ist es nach Meinung von Gartenexperte Harald Schäfer die Quecke. Mit ihren unterirdischen Wurzelsprossen, die der Fachmann als Rhizome bezeichnet, durchwuchert das Gras ganze Rabatten. Dann heißt es für den Hobbygärtner „Zurück auf Los!“, so Schäfer. Da helfe es nur noch, die gesamte Rabatte roden und nach Möglichkeit alles Grün fortwerfen. „Denn wenn die Quecke erst einmal in den Wurzelstock einer anderen Pflanze hineingewachsen ist, dann bekommt man sie auch nicht mehr raus.“

Sprießt nur ein Hälmchen des Grases zwischen Rasen oder Staude, heißt es für Schäfer: Auf die Knie! Mit einer kurzen Hacke lockert er dann den Boden auf und zieht den Wurzelausläufer heraus. Ist es dafür zu spät, hilft ein Pflanzenschutzmittel, das sich in der Pflanze verteilt und sie umbringt. Und damit sind nicht die nur verätzend wirkenden Essigsäureprodukte oder die Perlagonsäure gemeint. „Die funktionieren nicht.“ Er rät im Ernstfall zu maleinsäurehydrazidhaltige Präparaten. Das Wachstum der Rhizome stagniert, die Wurzelzellen können sich nicht mehr teilen. Es gibt dieses Mittel auch in Kombination mit der organischen Perlagonsäure. „Letztere verätzt die oberirdischen Pflanzenteile, und das Maleinsäurehydrazid erledigt die Sache von der Wurzel her.“

Acker-/Zaunwinde

Hübsch sieht sie aus mit ihren weißen kreisrunden Blüten. Doch wer diese bewundern will, sollte die Wildpflanze in Einzelhaft nehmen und sie in einen Topf anpflanzen, rät Harald Schäfer. Denn bei der Acker- oder der Zaunwinde ist der Name Programm: Sie setzt sich im Garten fest und wuchert sich durch die Rabatte. „Hier hilft nur: Rausrupfen, was aus dem Erdreich herausschaut“, sagt Schäfer. Oder aber: Man nimmt ein Pflanzenschutzmittel mit Maleinsäurehydrazid zu Hilfe. „Hierzu muss man wissen, dass dieses Gift über die Blätter aufgenommen wird“, sagt der Experte. „Je größer die Blattfläche, umso größer die Wirkung.“ Allerdings darf Gift nicht das letzte Mittel sein: „Ist die Winde in den Rosen, wäre es höchst unklug zu spritzen“, sagt Schäfer. Denn sonst sind beide Pflanzen hinüber.

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