Ali Gül Arab Sade und sein Sohn Nazar vor dem selbst angelegten Garten. Foto: Sarshar Fard

In einer Serie erzählen Menschen auf der Filderebene, warum sie sich dem Gärtnern verschrieben haben. Diesmal: ein Besuch im Garten des Flüchtlingsheims in Steinenbronn.

Steinenbronn - Mitten im Gewerbegebiet, neben der Backmanufaktur Treiber, liegt die Flüchtlingsunterkunft von Steinenbronn. Auf dem Platz stehen 27 Container, in denen bis zu 140 Personen untergebracht werden können. Je nach Größe teilen sich vier bis acht Personen eine Wohnung. Die Bewohner stammen unter anderem aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Darunter sind besonders viele Familien. Von der Straße aus sind nur graue Containerhäuser zu sehen. Hinter der letzten Reihe jedoch erstreckt sich ein langer grüner Streifen. Besonders die meterhohen Sonnenblumen fallen sofort auf.

Geschaffen hat dieses kleine Paradies Ali Gül Arab Sade. Er lebt seit zwei Jahren in Deutschland und ist seit einem Jahr in der Flüchtlingsunterkunft in Steinenbronn. Bei ihm ist sein Sohn Nazar, der für ihn übersetzt. Dieser studierte zuvor im Iran. Als Afghane durfte er dort jedoch nicht arbeiten und kehrte daher nach Afghanistan zurück. Nazar erzählt: „Ich habe drei Semester Geografie und Stadtplanung studiert. Das Studium habe ich nicht beendet, aber zumindest bekam ich in Deutschland meinen Abiturabschluss anerkannt.“ Sein Vater Ali sagt: „Wir mussten nach Deutschland kommen, weil es in Afghanistan nicht sicher ist.“

Ali Gül Arab Sade baut Kartoffeln, Tomaten, Zucchini und Peperoni an

Vor fünf Monaten begann Ali den Garten anzulegen. Er sagt: „Zu Hause bleiben und nichts machen ist langweilig. Da hatte ich die Idee, einen schönen Garten zu schaffen.“ Statt Blumen anzupflanzen, die nur hübsch anzusehen sind, finden sich im Garten jedoch viele Nutzpflanzen. Der Garten erstreckt sich über den gesamten hinteren Streifen. Wie viel Freude Ali an dem Garten hat, zeigt sich nicht nur daran wie groß und gesund die Pflanzen aussehen, sondern auch daran, dass kein Flecken Erde unbearbeitet blieb. Von weicher Ackererde ist der Boden jedoch weit entfernt.

Wie gut es den Pflanzen dennoch geht, liegt offensichtlich am Können des Gärtners. Neben Sonnenblumen gibt es Kartoffeln, Tomaten, Zucchini und Peperoni. Besonders stolz ist Ali auf seine Kartoffeln und Tomaten. Bereits hundert Kilogramm Kartoffeln wurden geerntet. Ali sagt: „Ich teile auch mit den anderen Bewohnern. Wir haben so viel, es würde sonst schlecht werden.“

Ali hat viel Erfahrung mit dem Gärtnern. In Afghanistan baute er Reis, Wassermelonen und Honigmelonen an. Sein Sohn Nazar erklärt: „Wir kommen aus dem Norden Afghanistans, Kundus. Die Gegend ist berühmt für seinen Reis, welcher den Namen der Gegend trägt.“ Zu Beginn sagten einige andere Jungen, dass sie mithelfen könnten. Letztlich bearbeitet Ali den Garten jedoch alleine, und zwar täglich. Nur den Regen meidet er. Besonders wichtig ist ihm Natürlichkeit. Ali sagt: „Ich benutze nie chemische Mittel, auch in Afghanistan nicht. Bio ist gesünder und schmeckt besser. Alle sollten es so machen.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Stauden sind voller grüner Tomaten, die nur noch reifen müssen.

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