Die Parzellen zwischen der Paul-Lincke-Straße und dem Gerhard-Winkler-Weg sind öffentlich zugänglich. Foto: Torsten Ströbele

Der Nachbarschaftsgarten der Gemeinschaft der Gartenfreunde ist in der Endrunde um den Deutschen Kita-Preis.

Stuttgart-Botnang - Mehr als 1500 Mitbewerber hat der Nachbarschaftsgarten beziehungsweise das Bündnis „GartenKulturLabor“ schon hinter sich gelassen. Das Projekt der Gemeinschaft der Gartenfreunde, des evangelischen Spitalwaldkindergartens und vielen weiteren Partnern steht im Finale um den Deutschen Kita-Preis in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ (wir berichteten). Die Entscheidung, wer am Ende zu den fünf Preisträgern gehören wird und bis zu 25 000 Euro gewinnt, wird am 13. Mai in Berlin verkündet. Damit sich die 18-köpfige Jury ein umfangreiches Bild von den zehn Finalisten verschaffen kann, stattet ein Expertenteam den Projektpartnern einen Besuch ab.

Am Montag waren Linda Broschkowski von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sowie Milena Riede von der Berliner Hochschule für angewandte Pädagogik in Botnang zu Gast. „Wir führen mit verschiedenen Leuten Interviews – mit Eltern und Kooperationspartnern“, sagt Broschkowski. „Wir sind hier, um uns das Projekt genauer anzuschauen und auch ein Geschenk dazulassen.“ Den Inhalt des Präsents wollte sie allerdings nicht preisgeben. „Wir gehen im Rahmen eines dreistündigen Workshops in den Dialaog. Mehr darf ich aber noch nicht verraten. Das geht erst bei der Preisverleihung.“ Das Besondere an dem Botnanger Projekt sei auf jeden Fall, dass ein Garten als der Ort fungiere, an dem alle Partner zusammenkommen, schildert Broschkowski nachdem sie sich einen ersten Eindruck verschafft hat.

Der Vorsitzende der Gartenfreunde, Wolfgang Zaumseil, hat es mit viel Hilfe und Unterstützung aus Botnang in den vergangenen zwei Jahren geschafft, aus vier brach liegenden, verwilderten Parzellen zwischen der Paul-Lincke-Straße und dem Gerhard-Winkler-Weg einen blühenden Garten zu machen, von dem alle in Botnang profitieren können. Die rund 1200 Quadratmeter große Fläche ist öffentlich zugänglich.

Der integrative Faktor ist nicht von der Hand zu weisen

Unter anderem bewirtschaften dort Eltern aus dem benachbarten Spitalwaldkindergarten gemeinsam mit ihrem Nachwuchs kleine Beete. „Der Nachbarschaftsgarten ist ein wichtiges pädagogisches Element“, sagt Kita- Leiterin Friederike Zaumseil. „Zudem ist es ein niederschwelliges Angebot. Es kostet nichts. Das Wasser und die Werkzeuge werden gestellt.“ Auch Bezirksvorsteherin Mina Smakaj lobt das Projekt: „Es ist eine Initiative aus dem Ehrenamt heraus. Das ist etwas ganz Kostbares.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass in den Hochhäusern rund um die Paul-Lincke-Straße etwa 4000 Menschen aus teilweise schwierigen Verhältnissen auf engstem Raum zusammen wohnen. Deshalb schwärmt Wolfgang Zaumseil auch vom integrativen Faktor dieses Angebots. Menschen mit indischen, persischen, afrikanischen, polnischen und deutschen Wurzeln würden sich im Garten treffen, miteinander ins Gespräch kommen und sich gegenseitig helfen.

Und auch die rund 40 Kinder aus der naheliegenden Flüchtlingsunterkunft sind regelmäßig im Nachbarschaftsgarten. „Hier in der Natur ist es toll“, betont Huyen Mai, Sozialarbeiterin der Arbeitsgemeinschaft für die eine Welt. „Die Kinder können Tiere beobachten, Blumen pflanzen und Gemüsesorten kennenlernen.“

Wer mehr über den Nachbarschaftsgarten erfahren möchte, kann sich mit Wolfgang Zaumseil in Verbindung setzen unter der Telefonnummer 65 02 92 oder per E-Mail an info@wolfgang-zaumseil.com.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: