Manfred Schaible und seine Gartenbahn Foto: Gottfried Stoppel

Am Tag des Schwäbischen Waldes setzt sich in Spiegelberg ein wohl einmaliges Zug-Ensemble in Bewegung.

Spiegelberg - Tak-tak-taktak-taktaktak – hinter den Büschen mitten im Grünen am Straßenrand des beginnenden Senzenbachtals am Ortsausgang von Spiegelberg setzt sich etwas nagelnd in Richtung Prevorst in Bewegung, um kurze Zeit wieder zurückzukommen. Es klingt wie ein Dieselaggregat aus längst vergangenen Zeiten. Und tatsächlich: Auf einem Gartengrundstück tuckert auf einem rund 250 Meter langen Rundkurs ein kleines Zuggespann an Gemüsebeeten vorbei – sehr zur Freude einiger Kinder und ihrer Eltern, die sich von Manfred Schaible am Tag des Schwäbischen Waldes auf einer kurzen Strecke und auf ungewöhnliche Weise durch das Grün chauffieren lassen.

Der Konstrukteur ist im Hauptberuf Lehrer

Der 68-jährige Schaible ist nicht nur der Lokführer, Maschinist und Schaffner, sondern auch der Besitzer und Konstrukteur der Anlage im 60-Zentimeter-Feldspur-Format. Die hat der mittlerweile pensionierte Lehrer (zuletzt Englisch und Französisch am Bildungszentrum Weissacher Tal) von Mitte der 1980er Jahre an aufgebaut, als die Familie nach Spiegelberg zog, das ehemalige Pfarrhaus kaufte und das Gartengrundstück pachtete.

Heute umfasst der Bestand mehrere Personen- und Güterwagen sowie Kipploren, eine selbst konstruierte Dampf- und vier Dieselloks – die älteste ist Baujahr 1936, stammt aus dem Hause Orenstein und Koppel und tat lange Zeit ihren Dienst in einem Sandwerk bei Steinheim an der Murr im Kreis Ludwigsburg.

Mit dem Eisenbahnervirus sei er ganz konventionell infiziert worden, „jeder ordentliche Junge fängt mal mit Märklin an“, sagt Manfred Schaible. Und das technische Verständnis und zupackende Wesen ist dem Mann, der beruflich ganz andere Wege gegangen ist, wohl von seinen Großvätern in die Wiege gelegt worden. Der Opa väterlicherseits ist Dorfschmied, der Vater seiner Mutter Prüfingenieur bei der Reichsbahn gewesen. Auf das größere Format hat sich die Leidenschaft dann später in Le Creusot ausgewachsen, der französischen Geburtsstadt seiner Frau, wo Schaible einst beim Bau einer mehrere Kilometer langen Feldbahnstrecke mitgeholfen hatte.

Seither organisiert der Vater zweier Söhne und dreier Töchter die Zutaten für sein eisenbahnerisches Kleinod sowie für Gastauftritte bei einschlägigen Schauen aus den Beständen von stillgelegten Torfwerken, Steinbrüchen, Ziegeleien, Sand- oder Sägewerken, wo Wagen und Schienen, die dort zum Transport von Material dienten, nicht mehr gebraucht werden.

Traum von Bahnstrecke bis nach Jux

Sein großer Traum aber ist, den vergleichsweise kleinen Rundkurs auf seinem Gartengrundstück für eine deutlich größere Strecke zu öffnen: die Erschließung einer Feldbahntrasse im Schmalspurformat hinauf zum Juxer Wetzsteinstollen, an dessen Rekultivierung Schaible ebenfalls maßgeblich mitgewirkt hat. Doch das Vorhaben ist bisher nicht nur an den Kosten gescheitert, die die kleine Gemeinde Spiegelberg alleine nicht stemmen kann. „Wir sind hier von Naturschutzgebieten umzingelt“, sagt Schaible, um gleichzeitig zu betonen, dass er ganz sicher kein Gegner ökologisch sinnvoller Maßnahmen sei. Vor Jahren, damals noch auf Initiative des Landrats Horst Lässing, hat sich Schaible auf seinem Grundstück selbst tatkräftig und finanziell an dem Wiederaufbau des nun einzigen erhaltenen ehemaligen Eiskellers der Gemeinde Spiegelberg beteiligt, der seither als Refugium für Fledermäuse dient.

Diesen konnten Besucher am Tag des Schwäbischen Waldes ebenfalls besichtigen. Die von Schaible selbst konstruierte Dampflok indes war dieses Mal nicht im Einsatz. Sie musste wegen eines Lecks am Kessel eine Zwangspause einlegen. Doch Ersatz ist bestellt, und nächstes Jahr zur selben Zeit wird sie am Waldtag wieder im Einsatz sein – und wer weiß, was sich der umtriebige Eisenbahner bis dahin sonst noch so ausgedacht hat.

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