Elisabeth George beschäftigt sich mit der Architekturgeschichte des Garnisonsschützenhauses, dessen Baustil selten in Stuttgart anzutreffen ist. Foto: Sybille Neth

Eine Galerie, eine Akademie oder nur einfach ein Raum der Stille: Auf einer Veranstaltung zum Garnisonsschützenhaus sprudeln weitere Ideen für eine künftige öffentliche Nutzung des Gebäudeensembles.

S-Süd - Die Schachtel für die Vorschlagslisten zur künftigen Nutzung des Garnisonsschützenhauses ist gut gefüllt. 20 Teilnehmer einer Informationsveranstaltung, die das Netzwerk zur Rettung des historischen Gebäudeensembles mit dem Backsteinhaus für das frühere königlich württembergische Armee-Korps und dem Wohnhaus für den Verwalter in unmittelbarer Nähe des Dornhaldenfriedhofs organisiert hat, haben sich im Alten Feuerwehrhaus mit ihren Ideen zu Wort gemeldet. Darunter ist auch Angela Brauner. „Ich habe sofort an Kunst gedacht. An eine Galerie vielleicht“, sagt sie. „Ich bin schon oft beim Spazierengehen da vorbei gekommen und dachte, dass es schade ist, dass es leer steht“, berichtet die Rentnerin, die in Heslach wohnt.

Ein architektonisches Kleinod

Viele Argumente, die für eine öffentliche Nutzung sprechen, trug das Netzwerk um Christian Dosch bei der mit etwa 40 Gästen gut besuchten Veranstaltung vor. Die Kunsthistorikerin Elisabeth George hob die architektonische Bedeutung des so genannten Chalet- oder Schweizer Baustils hervor. Nach Stuttgart war er durch den ersten Bahnhof gekommen, der im heutigen Kino Metropol in der Bolzstraße war. Nur noch wenige Bauwerke dieser Art aus dem 19. Jahrhundert gibt es in der Stadt.

„Ich habe eine Perle an Natur gefunden“, schwärmte die Fotografin und Biologin Catherina Clausen und betonte: „Die Natur ist von dem Haus nicht zu trennen. Das ist ein einzigartiger Ort für Stuttgart.“ Im Publikum saß auch die SPD-Stadträtin Monika Wüst, die berichtete, dass es drei private Kaufinteressenten für das Ensemble gebe. Die Stadt will für den Verkauf das Grundstück teilen und die beiden Gebäude getrennt veräußern. Dosch und seine Mitstreiter wollen den Verkauf an Privatpersonen verhindern und eine Genossenschaft gründen, die sich um den Bestand und die Nutzung der Gebäude kümmert. Wegen des umgebenden Landschaftsschutzgebietes und des Dornhaldenfriedhofs sind die Möglichkeiten jedoch stark eingeschränkt.

Die vorliegenden Ideen sind nur erste Skizzen

Dies wird bei einigen Vorschlägen, die beim Informationsabend eingegangen sind, sinnvoll aufgenommen. Das Garnisonsschüztenhaus mit seinen Naturdenkmälern könnte beispielsweise eine Institution werden, in der die Prozesse Wachsen und Vergänglichkeit, Leben und Tod thematisiert werden, so lauten einige der Ideen. Eine Teilnehmerin hat als Arbeitstitel den Begriff der „Akademie der stillen Künste“ formuliert.

„Jetzt muss ein politisches Zeichen erfolgen“, sagt Dosch. Die Bezirksbeiräte von Heslach und Degerloch sowie der Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen, der über den Verkauf des Ensembles befindet, sollten nun eine Entscheidung fällen, ob die Anregungen des Netzwerks weiter verfolgt werden und auf den Verkauf verzichtet wird. „Wir haben uns die Mühe gemacht, ein Nutzungskonzept zu skizzieren. Bevor wir Architekten wegen der Sanierungskosten befragen, muss ein Signal kommen“, betont Dosch. Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat signalisiert, dass er mit dem Netzwerk in Kontakt bleiben will.

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