Die neue Ganztagsschule soll zum Schuljahr 2026/27 mit den Erstklässlern starten. Foto: imago/Gudrun Petersen

Der Sozialausschuss entscheidet am Mittwoch über das Ganztagsmodell für die Sophie-Scholl-Schule in Leonberg: Pflicht oder Wahlfreiheit? Eltern und Stadt sind gespalten.

Das Thema Ganztagsschule schlägt derzeit große Wellen in Leonberg. An der Sophie-Scholl-Schule im Stadtteil Ezach soll zum Schuljahr 2026/27 der verpflichtende Ganztag eingeführt werden – so zumindest wollen es die Grundschule und die Stadt. Die Grundschule wäre damit die erste im Stadtgebiet, an der nicht die Wahlform gilt. Eine Gruppe von Eltern setzt sich dagegen für einen Ganztag im Wahlmodell ein und hat dabei die Unterstützung des Elternbeirats der Schule sowie des Gesamtelternbeirats der Stadt.

 

Der Sozialausschuss des Gemeinderates soll an diesem Mittwoch, 19 Uhr, endgültig entscheiden, damit alles fristgerecht bis zum Herbst beim Schulamt und dem Regierungspräsidium beantragt werden kann. Aktuell zeichnet sich in dem Gremium eine Zustimmung ab zu dem Modell, das an drei Tagen Schule von 8 bis 15 Uhr vorsieht und an zwei Tagen nur bis mittag. Die Kinder lernen dabei aber nicht durchgehend, neben Aktivpausen und Bewegungsangeboten stehen auch individuelle Lernzeiten auf dem Plan.

Stadt verteidigt verpflichtenden Ganztag

„Nur wenn alle Kinder im gar nicht so langen Ganztag sind, kann der Unterricht voll flexibel gestaltet werden“, findet Frank Albrecht von der Salz-Fraktion, der Mitglied im Sozialausschuss ist. „Geht auch nur ein einziger Schüler mittags nach Hause, muss natürlich der gesamte Lernstoff in den Vormittag gepackt werden und nachmittags ist dann hauptsächlich nur noch lahme ‚Übungszeit’.“

Die Stadtverwaltung formuliert es etwas eleganter: „Ein gemeinsamer Tagesablauf fördert soziale Integration, stärkt Klassengemeinschaften und ermöglicht ein gleichberechtigtes Mitwirken aller Kinder – unabhängig vom familiären Hintergrund“, sagt Leila Fendrich, Sprecherin der Verwaltung. Horst Nebenführ von der FDP fügt hinzu: „Bei drei Tagen bis 15 Uhr in der Schule bleibt sicher noch genug Zeit für die elterliche Erziehung, Freizeitgestaltung und Ähnliches.“

Im vergangenen Herbst hatte die Grundschule unter Eltern der ersten und zweiten Klasse eine vom Landeskultusministerium vorgeschriebene Bedarfsermittlung per Umfrage durchgeführt. 46 von 78 Teilnehmenden hatten dabei angegeben, ein Modell von mindestens drei Tagen zu je sieben Stunden anzunehmen. „Diese Zahlen werfen sogar die Frage auf, warum nur an einer einzigen Grundschule in Leonberg das verbindliche Modell eingeführt wird, das pädagogisch weit besser ist als die Wahlform, die letztendlich nur Kinderbetreuung darstellt“, sagt Nebenführ.

Elterninitiative startet eigene Umfrage unter Eltern

Die Elterninitiative, die sich für das Wahlmodell engagiert, hatte darauf verwiesen, dass der Unterricht bis in den Nachmittag Kinder überfordern könne. Wer das Pflichtmodell nicht wolle, müsse für sein Kind den Besuch in einem anderen Schulbezirk beantragen. Es gebe aber keine Garantie für einen Platz an der nächstgelegenen Mörikeschule in Eltingen.

Auch die Umfrage der Schule hatte die Elterninitiative kritisiert. So seien etwa Eltern künftiger Erstklässler, die überhaupt nur vom neuen Modell betroffen sind, nicht einbezogen worden. „Es gab auch keine Antwortoption mit Wahlform plus Kernzeitbetreuung. Dabei würde das vielen Eltern schon reichen“, sagt Julia Feder, eine betroffene Mutter. Die Elterninitiative hatte eine eigene Umfrage unter Eltern von Erst- und Zweitklässlern sowie Kindergartenkindern gestartet, in der sich nur 29 Prozent der Befragten für die verpflichtende Ganztagsschule ausgesprochen hätten.

Es gibt aber auch Eltern, die mit dem verpflichtenden Ganztag einverstanden sind. „Mit dem Konzept der Ganztagsschule wird das Dauerproblem der zu wenigen Plätze in der Kernzeitbetreuung gelöst. Das bringt die dringende benötigte und zuverlässige Kinderbetreuung, die die Eltern nachfragen“, findet Daniela Seegerer, die ein Kind in der vierten Klasse an der Sophie-Scholl-Schule hat und dem Lehrerkollegium eine gute Arbeit bescheinigt hat.

Stadt: Eltern wurden gehört

Die Schulleitung der Sophie-Scholl-Schule wehrt sich gegen den Vorwurf der Elterninitiative, dass man deren Einwände nicht gehört und nicht ernst genommen habe. „Es gab Info-Abende, zusätzliche Sitzungen und wir waren immer gesprächsbereit“, sagt Rektorin Agnes Hoffmeister. Zudem sei auch bei einem Wahlmodell davon auszugehen, dass wenigstens einmal Nachmittagsunterricht für alle Kinder nötig wird.

Auch die Stadt als Schulträger verweist auf die kontinuierliche Einbindung der Elternschaft. „Ein Vetorecht der Elternschaft sieht das Gesetz nicht vor. Dennoch wurden die Argumente gehört und berücksichtigt“, sagt Leila Fendrich, Sprecherin der Stadt.