Zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler müssen in der Daimlerstadt gleich vier neue Kantinen her – eine in der Kernstadt, drei in den Teilorten.
Für den Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen muss die Stadt Schorndorf tief in die Tasche greifen – und darf nun aufatmen, dass sich das Land Baden-Württemberg mit einer millionenschweren Finanzspritze beteiligt. 70 Prozent der förderfähigen Kosten werden aus dem Investitionsprogramm für den Ganztagsausbau übernommen.
Das ist ein Betrag von fast 4,6 Millionen Euro – und Grund genug, dass in der nicht erst seit dem Starkregen-Hochwasser vom Juni vergangenen Jahres in chronischer Finanznot gebeutelten Kommune ein Stoßseufzer der Erleichterung durch die Stadtpolitik geht. Denn wegen der vielen Teilorte ist der Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung bei den Grundschülern für Schorndorf deutlich schwieriger zu stemmen als in anderen Kommunen.
Investiert werden muss auch in Weiler, Miedelsbach und Haubersbronn
Investiert werden muss nämlich nicht nur in der Kernstadt selbst, sondern auch in Weiler, Miedelsbach und Haubersbronn. Und das zwingt das Rathaus, sich nicht nur zentral, sondern auch an gleich drei Umland-Standorten mit Bau und Erweiterung von Schulkantinen um ein täglich verfügbares Mittagessen zu kümmern.
An der Reinhold-Maier-Schule im Teilort Weiler beispielsweise sind für die benötigte Mensa schlappe 2,5 Millionen Euro erforderlich. Ebenfalls ins Geld geht der Ausbau in der Schillerschule Haubersbronn, wo die geschätzten Kosten bei 1,6 Millionen Euro liegen. Noch etwas teurer wird die Mensa in der Künkelinschule, die mit 1,7 Millionen Euro veranschlagt ist. Geradezu ein Schnäppchen ist mit 760 000 Euro da die vergleichsweise günstige Otfried-Preußler-Schule im Teilort Miedelsbach.
Das Problem der Stadt: Weil die Zeit für den Baustart drängte, musste Schorndorf trotz aller Geldnöte finanziell ins Risiko gehen. Bereits im November gab der Gemeinderat einstimmig, aber quasi auf Verdacht, grünes Licht für die vier Baubeschlüsse – ohne zu wissen, ob das Land auch wirklich einen Teil der Kosten übernimmt.
Dringender Baubeschluss sichert Ganztagsbetreuung bis 2027/28
Ohne den vierfachen Baubeschluss wäre der Rechtsanspruch auf die Ganztagsbetreuung womöglich nicht mehr rechtzeitig für das Schuljahr 2027/28 umsetzbar gewesen – und die betroffenen Familien hätten bei der vermeintlichen Verlässlichkeit einer funktionierenden Nachmittagsbetreuung in die Röhre geschaut.
Hintergrund ist, dass sich das Land Baden-Württemberg bei der Förderzusage reichlich Zeit gelassen hatte. Die in der Verwaltungsvorschrift zum Investitionsprogramm Ganztagsausbau eingeforderten Zuschussanträge hatte das Schorndorfer Rathaus bereits im März 2024 fristgerecht eingereicht – dann aber gut anderthalb Jahre lang nichts mehr von dem Thema gehört.
Erst vergangene Woche ging jetzt die nachträgliche Förderzusage des Landes in Schorndorf ein. Auch mit dem Geld aus Stuttgart bleiben allerdings noch fast zwei Millionen Euro an der Kommune hängen. Immerhin zahlt das Land 40 Prozent der zugesagten Fördersumme noch dieses Jahr aus – damit der Mensa-Bau nicht erneut zu einer Hängepartie wird.