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Französisch beeinflusst die deutsche Sprache seit Jahrhunderten, man erkennt es nur nicht immer.

Stuttgart - Stuttgart - Der Soldat steht in einer dunklen Ecke und beobachtet die junge Frau. Als sie näher kommt, lässt er seinen französischen Charme spielen: „Oh, chérie! Visite ma ­tente, s’il te plait!“, raunt er ihr leise ins Ohr – also: „Liebes, besuche bitte mein Zelt.“ Was angeblich als Schreckensszenario aller Väter während der napoleonischen­ Besatzungszeit Anfang des 19. Jahrhunderts galt, erklärt, woher der Begriff Fisimatenten kommt, der stellvertretend für Unsinn oder Schwierigkeiten steht. Ob es zu derartigen „tête à têtes“ tatsächlich kam, ist nicht klar. Das Wort gab es nämlich schon im 16. Jahrhundert. Trotzdem ist unsere Sprache voll von Wörtern, die aus dem Französischen stammen.

Die Anfänge: Gallizismen haben unsere Großeltern schon verwendet, lange bevor Anglizismen, also Wörter aus dem Englischen, Einfluss auf die deutsche Sprache nahmen. Nach aus dem Lateinischen entlehnten Begriffen sind französische Wörter die zweitgrößte Gruppe im Deutschen. Im 17. Jahrhundert stieg Frankreich zum Vorbild des europäischen Adels auf. Aus dieser Zeit stammen die meisten Gallizismen. Später kamen weitere Begriffe vor allem in westdeutschen Gebieten hinzu, die von Frankreich besetzt waren.

Die Proteste: Doch wie heute bei den Anglizismen gab es immer wieder Proteste gegen die Einführung neuer Begriffe. Schon im 17. Jahrhundert beklagte eine Gruppe, die sich die Fruchtbringende Gesellschaft nannte, die Vorherrschaft französischer Begriffe. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte ein Wendepunkt durch das Aufkommen von deutschen Wörterbüchern. Und trotzdem, viele Einflüsse haben sich bis heute gehalten.

Die Gegenwart: Kinder sagen gern „Och menno!“ (von französisch „mais non!“), wenn sie sich ärgern. Erwachsene gehen zum Mittagessen in die Kantine (altes französisches Wort für eine Soldatenküche), und die Großeltern gehen auf dem Trottoir (Bürgersteig) spazieren. Was wäre die deutsche Sprache ohne ihre französischen Einflüsse? Wie sollte man ein Zeitungsabonnement ohne französischen Begriff nennen? Niemand sagt lieber Einrichtungsgegenstände als Möbel. Wenn man einen neuen Fernseher kauft, dann bekommt man darauf keine Sicherstellung, sondern nun mal eine Garantie; und der Clown im Zirkus wirft nicht mit bunten Kugeln um sich, er jongliert.

Die Anglizismen: Heute ist es dagegen kaum noch denkbar, dass neue Wörter aus dem Französischen in den deutschen Sprachgebrauch übernommen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Amerikaner nach Deutschland, und die englische Sprache setzte zu ihrem Siegeszug an. Heute besitzt man einen Personalcomputer voller Downloads und findet das dann voll cool. Die Zukunft: Und entre nous: Es ist doch traurig, dass nun sogar Gallizismen angliziert werden. Die Verabredung, die man sich mit der Kollegin wünscht, war einst ein Rendezvous. Heute ist sie ein Date. Früher wäre man mit der Angebeteten auf eine Fete­ gegangen, heute ginge man auf eine Party. Vielleicht würde man sie auch in eine Bar ausführen statt in ein Café. Und wenn sich daraus keine Affäre oder Liaison ergäbe, würde man heute immerhin ein paar neue Connections knüpfen.

Apropos: Dieser Text enthält 18 Gallizismen. Viel Spaß beim Zählen.