Das Hallenbad auf dem Galgenberg in Böblingen ist stillgelegt. Eigentlich sollte die Fläche neu bebaut werden, doch das Projekt liegt auf Eis. Die benachbarte Kita wird jetzt saniert.
Zehn Jahre nach seiner Stilllegung versprüht das Hallenbad Galgenberg weiterhin den Charme einer Gruselfilm-Kulisse: das 25-Meter-Becken verlassen, übrig gebliebenes Inventar in den Ecken, die Gänge in den Umkleiden leer und trist, gespenstische Stille. Nur das markante Fische-Mosaik an der Wand versprüht Lebendigkeit und erinnert an jene Zeiten, als Hunderte von Kindern hier schwimmen gelernt und die Vereine das Bad täglich genutzt haben. Und immerhin: Die Turnhalle ein Stockwerk höher wird nach wie vor rege genutzt, vor allem von der benachbarten Ludwig-Uhland-Grundschule.
Eigentlich sollten Hallenbad und Turnhalle aber längst abgerissen sein. Geplant ist ein Neubau, der eine neue Turnhalle und eine neue Kindertagesstätte vereint. Dann könnte der benachbarte und in die Jahre gekommene Kindergarten dorthin umziehen. Doch das Projekt ist schon länger auf Eis gelegt. Die Stadt Böblingen baut an so vielen Stellen, dass sie priorisieren muss. Und der Neubau auf dem Galgenberg sei im Rahmen der Kita-Offensive niedrig priorisiert, „da hier ein hoher baulicher Aufwand einem überschaubaren Zugewinn an Plätzen gegenübersteht“, wie die Stadtverwaltung schreibt.
Dafür wird derzeit die benachbarte Kita in der Galgenbergstraße 33 saniert. Die 1954 eröffnete Einrichtung soll folglich noch eine Weile in Schuss gehalten werden. Die Einrichtung bietet 75 Kindern ab drei Jahren Platz. Nachdem 2024 dort bereits Fenster und Badarmaturen erneuert sowie Böden und Wände renoviert wurden, steht nun der Außenbereich an. Die Stadt Böblingen lässt die Fassade und Teile des Daches sanieren, was rund insgesamt 100 000 Euro kostet.
Das ganze Ensemble wurde in den 1950er Jahren gebaut
Der Kindergarten entstand zur gleichen Zeit wie die anderen Galgenberg-Gebäude. 1952 startete seinerzeit des Bauprojekt: Schule, Kindergarten und Turnhalle samt Bad kosteten rund drei Millionen D-Mark. Viele Jahrzehnte lief der Betrieb nahezu reibungslos, doch ab etwa 2000 gab es zunehmend Probleme mit dem sanierungsbedürftigen Galgenberg-Bad. Schließlich entschied sich der Gemeinderat für einen zusätzlichen Anbau am neueren Murkenbach-Hallenbad und damit für die Schließung am Galgenberg.
Dass das Bad so lange leer steht und die Turnhalle gleichzeitig weiter genutzt wird, sei laut Stadtverwaltung kein Problem. „Die Anlagentechnik des Schwimmbades wurde damals technisch abgetrennt und von entsprechendem Fachpersonal stillgelegt“, erläutert der städtische Pressesprecher Gianluca Biela, „zudem wurden einige technische Veränderungen durchgeführt, sodass eine getrennte Nutzung der Halle unabhängig vom Schwimmbad möglich ist.“
Fische-Mosaik an der Hallenbad-Wand ist legendär
Die Wehmut bei den Schwimmern der SV Böblingen und den örtlichen DLRGlern war damals groß, denn die Vereine hatten das Galgenberg-Bad in ihr Herz geschlossen. Zudem lernte halb Böblingen über die Jahrzehnte dort schwimmen. Das passiert jetzt im Hallenbad an der Schönaicher Straße, das seinerzeit einen zusätzlichen Anbau bekam. An das Schwimmbecken am Galgenberg mit dem aparten Mosaik an der Wand erinnern sich aber weiterhin viele Böblinger sehr gerne.