Stellvertretender Neuantritt: Galerienhaus-Crew mit Angelika und Markus Hartmann (li.) Foto: Galerienhaus

Elf Stuttgarter Galerien – von Abt Art bis Valentien – präsentierten sich jüngst auf der Kunstmesse Art Karlsruhe. Das positive Echo macht Hoffnung auf Kunst-Rückenwind in der Landeshauptstadt selbst.

Stuttgart - Wirklich geliebt haben Stuttgarts Galeristinnen und Galeristen die Kunstmesse Art Karlsruhe in den vergangenen Jahren nicht. Mangelnde Verkäufe, Qualitätsgefälle – die empfundene Negativliste spiegelte immer auch die Stimmung in der Stuttgarter Kunstszene selbst.

Elf Stuttgarter Galerien auf der Art Karlsruhe

Jüngst aber, bei der 16. Art Karlsruhe, präsentierten sich elf Stuttgarter Galerien in überraschender Frische und Präzision. Ob Klaus Braun auf José Heerkens setzte oder Marko Schacher mit zunächst schwarz ­verhangenen Bildern von Jim Avignon überraschte – die Stuttgarter Phalanx setzte spürbar prägende Akzente.

Positive Rückmeldungen

Eine Kunstmesse hat ihre eigenen Gesetze – dazu gehört, dass man kaum Zeit hat, sich über die Auftritte anderer Galerien zu informieren. Die positiven Rückmeldungen aber zeigen Wirkung. „Stimmt schon“, sagt Georg Kraushaar (Kunsthaus Fischer) mit Blick auf sein von jüngeren Positionen dominiertes Programm , „es wird immer frischer“. Und er ergänzt als Hinweis auf drei Jahrzehnte Ausstellungsarbeit: „Mit 30 ist das halt so“.

„Die Messe“, sagt Imke Valentien, im ­April auch auf der Kölner Kunstmesse Art Cologne dabei, „hat auf jeden Fall einen Werbeeffekt“. Die Frage sei aber immer, ob und wie sich dieser „umschlagen“ ließe.

„Das Publikum ist wieder da“

„Für uns bewegt sich aktuell enorm viel“, freut sich Michael Sturm. Setzte er in Karlsruhe auf Farbstarkes von Dave Bopp, zeigt er in seinen Galerieräumen in Stuttgart (Christophstraße 6) aktuell Arbeiten von Marcia Hafif – und sagt: „Das Publikum ist wieder da, und wir spüren auch über­regional eine enorme Breitenwirkung“.

„Art Alarm“-Jubiläum

Alljährlich Ende September eröffnet in Stuttgart der Galerienrundgang Art Alarm die neue Kunstsaison. In diesem Jahr findet der Rundgang am Samstag, 21. September, und am Sonntag, 22. September, statt. 18 Galerien waren 2018 dabei. Auch bei der ­Jubiläumsrunde werden 18 Galerien dabei sein – bereits zum 20. Mal zeigt sich die ­Galerien-Phalanx im Schulterschluss.

Nach der Art Karlsruhe ist vor dem Art Alarm – entsprechend auffällig wollen die Galerienrundgang-Macher um Thomas Fuchs (Galerie Thomas Fuchs) und Kay ­Kromeier (Galerie Schlichtenmaier) den Art Alarm ausrufen.

Verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen

„Fortführen“, sagt Kay Kromeier, „werden wir auf jeden Fall auch die Zusammenarbeit mit Schulen aus Stuttgart und der ­Region“. Erfolgreich hatte man 2018 den ­offiziell zweitägigen Rundgang auf drei Tage ausgedehnt – und den Freitag für Schulklassen reserviert. „Hier bewegt sich deutlich ­etwas“, sagt Thomas Fuchs, „und gerade das klar zunehmende Interesse der Schulen, sich in Galerien über die Arbeit mit Künstlerinnen und Künstlern zu informieren, freut uns natürlich sehr“.

Standortfaktor für die Metropolregion

Das Kunsthaus Fischer wird auch 2019 nicht beim Art Alarm dabei sein. Außen vor sieht sich Georg Kraushaar deshalb nicht. Knapp summiert er Notwendigkeiten und Erwartungen – und sagt: „Galerien sind als weiche Standortfaktoren wichtig für eine große Stadt“ . Auch als nationale und internationale Botschafter – ob Reinhard Hauff, Schlichtenmaier (die Galerie feiert 50 Jahre Galeriearbeit) und Valentien bei der wichtigsten deutschen Kunstmesse Art ­Cologne von 11. bis 14. April, als Anlaufpunkte für Sammlerinnen und Sammler oder als ­Partner für öffentliche und private ­Museen.

Neuer Mut

„Der Kunststandort Stuttgart ist besser als sein Ruf“, sagten Thomas Fuchs und Kay Kromeier 2017 – in einer Zeit des Umbruchs. Abgänge (Klaus Gerrit ­Friese nach Berlin, Sandro Parrotta nach Köln) und Schließungen (Franke, ­Rainer Wehr und Horst Merkle) bestimmten die Diskussion.

Aktuell hört man andere Töne. „Der Rückzug aus Stuttgart ist vom Tisch“ , sagt etwa Michael Sturm. Gerade hat er für den 19. März die Eröffnung eines zweiten Standbeins in Wien angekündigt (Galerie Sturm & Schober), zugleich aber „habe ich große Lust“, sagt Sturm, „in Stuttgart noch einmal richtig Tempo zu machen“. Wohl auch, weil Galerie-Nachbarin Christine Mueller-Roth Ende 2018 mit Werken der Stuttgarter Kunst­akademie-Absolventin Gala Adam ­wieder Entdeckerfreude zeigte.

Steilpässe mit Museen und Sammlungen

Bestätigungen durch Ankäufe und Ausstellungen in öffentlichen Sammlungen sind für Privatgalerien durch nichts zu ersetzen.

Auch hier gibt es positive Signale vor Ort: In der Reihe „Frischzelle“ stellt das Kunstmuseum Stuttgart den von Sandro Parrotta noch in Stuttgart platzierten Maler Benjamin Bronni vor, und in der gerade beendeten Sonderschau „Ekstase“ zählten Werke der aktuell in der Galerie Thomas Fuchs (Reinsburgstraße 68) zu sehenden Düsseldorferin Vivian Greven für viele Beobachter zu den Entdeckungen. Und von 7. Juni beflügelt die Staatsgalerie Stuttgart die Kunst-Wahrnehmung im Stadtraum. Mit „Weissenhof-City“ und ortsbezogenen Projekten internationaler Künst­lerinnen und Künstler will das Museumsflaggschiff des Landes mitten hinein in ­aktuelle Fragestellungen segeln.

Auch die Künstlermesse tritt neu an

Da passt es , dass sich die durch den Landesverband Bildender Künstler und Künstlerinnen Baden-Württemberg organisierte Künstlermesse (8. bis 10. März im Haus der Wirtschaft in Stuttgart, Eröffnung 7. März um 19 Uhr) runderneuert, von einer externen Fachjury begleitet und in enger ­Kooperation mit der Kunstakademie ­Stuttgart präsentiert.

Publikum fühlt sich im Galerienhaus willkommen

Und auch dies gehört dazu: der Neuantritt im Galerienhaus (Breitscheidstraße 48). Mit Hartmann Projects hat die Kunst mit Fotografie einen zentralen Ort in Stuttgart. „Das Publikum“, freut sich Galerienhaus-Mitstreiter Marko Schacher, „fühlt sich willkommen – und zeigt das auch“.

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