Sechs Jahre lang bestand mit „Schacher 2“ eine kleine Galerie am Böblinger Marktplatz. Nun ist Schluss.
Bei der Langen Nacht der Museen Mitte November ließ es Marko Schacher auf dem Marktplatz noch einmal krachen – zum letzten Mal. Der Performance-Künstler Jan Démoulin warf Backsteine auf dicke Pappen, wirbelte mächtig Staub auf und entzündete kleine Feuerstellen, die Schacher mit Altpapier fütterte.
„Das war eine Art Abschiedsritual“, sagt der Galerist, der Böblingen nun vorerst den Rücken zukehren und sich auf seinen Hauptstandort in Stuttgart konzentrieren will.
Mehr Unterstützung gewünscht
Seit 2019 war in dem Haus am Marktplatz 24 eine kleine Kunstgalerie untergebracht, die Marko Schacher gemeinsam mit seiner Frau Katrin eröffnet hatte. Das Projekt im Erdgeschoss des Schacherschen Wohnhauses war als experimentelle Dependance zur Galerie in Stuttgart gedacht – und als Beitrag zur Belebung des Böblinger Marktplatzes. Doch die Energie lief zu häufig ins Leere, die Schacher-Aktionen und -Vernissagen fanden zu wenig Beachtung.
„Ich bin enttäuscht, aber gleichzeitig auch stolz, was wir alles hinbekommen haben“, sagt Marko Schacher, der sich insgesamt mehr Unterstützung von der Stadt Böblingen gewünscht hätte. „Im Rathaus wird so viel davon geredet, dass man den Marktplatz beleben will“, kritisiert der 55-Jährige, „und wenn jemand was macht, kommt kaum Resonanz.“
Dem Böblinger Publikum wünscht Marko Schacher „mehr Neugier“ auf Kunst. „Selbst wenn der Mittelaltermarkt stattfand, hat sich bei mir kaum jemand reingetraut“, wundert er sich. „Aber vielleicht haben die Leute zurzeit auch andere Sorgen, als sich Ausstellungen anzusehen.“ Ein großes Ärgernis ist für Marko Schacher zudem die extrem unzuverlässige S-Bahn. „Bei der Langen Nacht der Museen haben mir einige Leute geschrieben, dass sie es wegen S-Bahn-Ausfällen nicht nach Böblingen geschafft hätten“, sagt der Galerist, „und ich selbst war auch regelmäßig betroffen.“
Marko Schacher hatte bei der Galerie Schlichtenmaier in Dätzingen gearbeitet, ehe er sich entschied, 2011 eine eigene Galerie in Stuttgart zu eröffnen. Mit großem Engagement baute sich der Böblinger über die Jahre einen Künstler- und Kundenstamm auf. Anfang 2024 zog die Schacher-Galerie innerhalb Stuttgarts um und befindet sich jetzt am Olgaeck. Die Filiale im Wohnhaus in Böblingen hatten Marko und Katrin Schacher gemeinsam als „Raum für Kunst und Poesie“ ins Leben gerufen, doch mittlerweile geht das Paar getrennte Wege – und der 55-Jährige bricht seine Zelte in Böblingen ab.
Ausstellungen und Vernissagen wird es am Böblinger Marktplatz keine mehr geben, doch sollen die Erdgeschoss-Räume als „Schauraum“ dienen, während die angrenzende Wohnung nun vermietet ist. Schacher hatte dem Böblinger Kulturamt angeboten, die Galerie zu nutzen, doch kam diesbezüglich nichts zustande. „Jetzt fehlt sowieso das Geld“, kommentiert der Kunsthistoriker mit Blick auf die aktuell schwierige Finanzlage in Böblingen.
„ArtVentsMarkt“ am Freitag und Samstag
Den Fokus richtet Schacher jetzt voll auf seinen „Raum für Kunst“ in der Blumenstraße 15 in Stuttgart. An diesem Freitag und Samstag, jeweils von 11 bis 20 Uhr, findet dort wieder der „ArtVentsMarkt“ statt. Im Angebot sind Drucke, Kalender und kleine Wandarbeiten und Skulpturen von den Künstlern, die Schacher betreut.
Richtig Gas geben will Marko Schacher bei der Kunstmesse „Art Karlsruhe“ Anfang Februar, an der der Böblinger seit vielen Jahren teilnimmt. Er hat seine Ausstellungsfläche diesmal verdreifacht. „Danach bin ich entweder reich oder pleite“, sagt er grinsend.
Mehr Informationen online unter www.galerie-schacher.de