Iris Flexer in der Korntaler Galerie – im Vordergrund die Papier-Installation. Foto: /Simon Granville

Arbeiten der Stuttgarter Künstlerin Iris Flexer sind derzeit in der Galerie 4/1 in Korntal zu sehen. Eine Installation im Obergeschoss zieht die Blicke auf sich.

Die Galerie 4/1 in Korntal hält mit den Ausstellungen, die der Kunstverein Korntal dort zeigt, regelmäßig Überraschungen bereit. Dieses Mal kommt bei der Schau mit Arbeiten der Stuttgarter Künstlerin Iris Flexer hinzu, dass die vier Räume des Hauses jeweils Unterschiedliches zeigen. Die Künstlerin sagt dazu: „Das Schöne an diesem Haus sind die vier Räume. Man kann vier Geschichten erzählen.“

 

Betritt der Besucher den Raum links vom Eingang, trifft er auf Aquarelle, in die Schriften eingearbeitet sind. Die Arbeiten gehören zur Serie „Hölderlin-Fragmente“. Die Bilder zeigen Worte aus der Lyrik Friedrich Hölderlins – im Tübinger Turm verfasst. Auf einer Arbeit ist deutlich das Gedicht „Was ist der Menschen Leben?“ zu lesen. All das ist harmonisch komponiert. Über die Schriften sagt Iris Flexer: „Sie sind mit Filzstift geschrieben, teilweise kopiert und als Collagen eingebaut.“

Worte aus Friedrich Hölderlins Lyrik

Das Bild rechts vom Durchgang in den nächsten Raum ist anders. Auffallend ist die rote Farbe. Oben und an der Seite ein roter Kreis wie eine Sonne, außerdem rote Rechtecke. Dazwischen etwas, das an Blütenblätter von roten Rosen erinnert, entstanden durch das handgeschöpfte Papier, das Flexer für die Arbeit verwendet hat und bei dem sich Durchbrüche und Löcher ergeben. „Ich fand es interessant, was da so durchschimmert“, so die Künstlerin. Das Bild trägt den Titel „Japanischer Garten“. Das Bild habe sie an einen fernöstlichen Garten erinnert, so Flexer. Zu den Kreisen sagt sie: „Das Runde habe ich in vielen Bildern.“ Und man spürt ihre Begeisterung, wenn sie sagt: „Das ist die Form, die nie ein Ende hat.“

Bei den Bildern im zweiten Raum sind die Farben zurückhaltender. Bei den Werken der „Gewächshaus-Serie“ finden sich viel Weiß, Grau und dünn gesetzte schwarze Linien. Beim längeren Betrachten fallen einem dann auch rötliche und orangene Töne auf. Es seien ältere Bilder, die den Bezug hätten zu dem, was sie heute macht, erklärt Iris Flexer. Der Raum sei größer, die Bilder auch. Bei zwei weiteren Bildern hat sie Öl und Graphit verwendet. Das Abgebildete sei durch Bewegungen entstanden, die sehr spontan waren, betont Flexer. Bei dem Bild „Ausrichtung“ könnte man eine Figur entdecken. Die Künstlerin über diese Arbeit: „Es geht um die Aufrichtung, um die Senkrechte.“

Eine Installation als Symbol für Familienbande

Im oberen Stockwerk zieht die Installation Blicke auf sich, die die Einladungskarte ziert. „Ich arbeite auch mit Papier. Es ist die neueste Arbeit. Sie heißt ‚Familienbande‘,“ erzählt Iris Flexer. Auf den Papierrollen sind Kopien von vergrößerten Familienfotos. Zwischen den Rollen befinden sich hier und da Papierverbindungen. Als Grundriss dient eine liegende Acht, das Zeichen der Unendlichkeit – wie ein Symbol für die Verbindungen innerhalb einer Familie. Auch bei dieser Installation fällt einem irgendwann auf, dass sie nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht, sondern rosa Streifen darin zu finden sind. Ein wenig lächelnd sagt Iris Flexer darüber: „Das ist etwas, wo man aufhorcht.“ Irgendwo fällt dem Betrachter dann eine Rolle mit Noten auf. „Es gibt immer etwas zu entdecken“, gibt die Künstlerin zu. „Und das soll auch so sein.“

Im selben Raum befindet sich ein Bild, das gewissermaßen ein Pendant zum „Japanischen Garten“ ist. Die Farbe Weiß dominiert und handgeschöpftes Papier ist zu entdecken. Es ist ein Kreis zu sehen, ein Quadrat in leichtem Blau und Grau mit Löchern. „Das Gold habe ich eingearbeitet,“ sagt die Künstlerin über die goldenen Farbtupfer. Das Arbeiten mit Schichten sei ihr wichtig, betont sie bei dieser Gelegenheit. „Damit man in das Geheimnis eintauchen kann, fündig wird und Fragen stellen kann.“

Die Worte aus Graphit und Wachs hängen aneinander

Ebenso eindrucksvoll wie die Installation im Obergeschoss ist im Zimmer nebenan die Arbeit „Der Sprung“. Dabei handelt es sich um einen Text, den die Künstlerin mit Graphit und Wachs geschrieben hat. Die Worte hängen aneinander. Dort, wo sie gerissen sind, sind sie mit kaum erkennbarem Silberdraht verbunden, sodass man den ganzen Text in einem lesen kann. „Es hängt alles zusammen,“ sagt Flexer. Es gefällt ihr, dass die Wand in diesem Raum der Galerie schräg und somit ideal für das Kunstwerk ist.

Die Ausstellung mit Arbeiten von Iris Flexer in der Galerie 4/1 in Korntal, Hans-Sachs-Straße 4/1, ist bis 23. Juni samstags und sonntags, jeweils von 14 bis 18 Uhr zu sehen.