Blick von Fellbach-Oeffingen über den Neckar Richtung Remseck-Aldingen: Drunter könnte der Tunnel für den Nordostring liegen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Mehrheit der Regionalversammlung unterstützt sowohl die unterirdische Führung der Gäubahn auf den Fildern als auch das Landschaftsmodell Nordostring. Bei anderen Infrastrukturvorhaben wie dem Nordzulauf der Bahn gibt es noch mehr Zustimmung.

Stuttgart - Eine Mehrheit in der Regionalversammlung aus CDU/ÖDP, Freie Wähler, AfD und FDP hat sich am Mittwoch hinter zwei große unterirdische Infrastrukturhaben im Schienen- und Straßenbau gestellt: den Gäubahntunnel, der die Schienenstrecke aus dem Raum Singen an den Flughafen anbinden soll, und die Tunnelführung des Nordostrings, der die Räume Kornwestheim/Ludwigsburg und Fellbach/Waiblingen auf der Straße verbinden soll. Beide Projekte werden von Grünen und Linke/Pirat abgelehnt, die SPD war für den Gäubahntunnel, aber gegen den Nordostring.

Beide Projekte sind noch nicht geplant und finanziert

Allerdings sind beide Projekte noch Jahre von einer Realisierung entfernt. Der Nordostring in Tunnelbauweise wurde von dem Waiblinger Unternehmer Rüdiger Stihl und dem Architekten Hermann Grub als Landschaftsmodell Nordostring Anfang des Jahres in die Debatte eingebracht, es gibt weder eine offizielle Planung noch eine Finanzierungszusage. Beim Gäubahntunnel, der die bisherigen Planungen beim Projekt Stuttgart 21 rund um den Flughafen auf den Kopf stellen würde, ist es nicht anders, hier handelt es sich um einen wenige Wochen alten Vorschlag des Staatssekretärs im Verkehrsministerium, Steffen Bilger (CDU), der freilich beim Technik-Vorstand der Bahn, Roland Pofalla („planerische Fiktion“) auf wenig Gegenliebe stößt. Die Kosten beider Tunnelprojekte sollen je zwischen zwischen 1 und 1,5 Milliarden Euro liegen.

Verbesserungen für Schienenknoten Stuttgart

Während sich die Regionalpolitik mit dem Landschaftsmodell Nordostring noch intensiver in den Ausschüssen beschäftigen wird, ohne dass erkennbar wäre, dass die starren Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern des Straßenbauprojekts aufzulösen wären, ist die Zustimmung zum Gäubahntunnel Teil eines ganzen Pakets von Projekten, die den Schienenknoten Stuttgart im Zuge des Projekts Stuttgart 21 leistungsfähiger machen sollen. Dazu gehört der Ausbau des Nordzulaufs, also der Fernbahnanbindung aus Richtung Vaihingen/Enz durch einen neun Kilometer langen Tunnel. Er soll den Deutschlandtakt ermöglichen, der alle 30 Minuten die großen deutschen Städte verbindet. Um den neuen S-21-Tunnel in Feuerbach für diesen Anschluss herzurichten, wird als „Umleitungsstrecke“ die Verbindung der Nah- und Ferngleise aus Norden mit dem aus Cannstatt kommenden S-21-Tunnel nötig. Diese sogenannte P-Option ermöglicht in weiteren Ausbauschritten eine Anbindung der Panoramabahn in Richtung Feuerbach und Übereckverbindungen von Cannstatt in Richtung Ludwigsburg. Dies wird von allen Fraktionen unterstützt, auch ein Antrag der SPD, in diesem Zusammenhang den Bau eines dritten Gleises im S-Bahnhalt Mittnachtstraße zu prüfen, wurde beschlossen.

Streitpunkt: Gäubahntunnel

Damit war es mit der Einigkeit vorbei. Der Gäubahntunnel ist umstritten, wobei der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern von Stuttgart 21 verläuft. Während die Unterstützer das Projekt als Voraussetzung für den Deutschlandtakt priesen, so die Regionalräte Rainer Ganske (CDU) und Bernhard Maier (Freie Wähler), und den Tunnel als „große Chance" bezeichneten, verwiesen die Kritiker wie Linken-Regionalrat Wolfgang Hoepfner darauf, dass er sich vorkomme wie in einer „Reparaturwerkstatt für das angeblich bestgeplante Infrastrukturprojekt der Republik“. André Reichel (Grüne) kritisierte die durch den Bau verursachte lange Unterbrechung der Gäubahn ins Stuttgarter Zentrum, sein Antrag, Alternativen wie die Einbindung der Gäubahn durch einen Kehrtunnel unter der Heilbronner Straße in den S-21-Tiefbahnhof, wurde aber nur von Linke/Pirat unterstützt. Mit großer Mehrheit wurde auch ein von Verkehrsminister Hermann ins Spiel gebrachter Ergänzungsbahnhof in der City abgelehnt. Bemerkenswert war die Wortwahl: Ganske bezeichnete die Ergänzungsstation durchweg als „Sackbahnhof“, Reichel nannte den Gäubahntunnel nur „Bilgertunnel“.

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