In Corona-Zeiten war der Schlachthof zeitweise geschlossen – Tieraktivisten hatten versteckte Kameras angebracht. Foto: factum

Zur Zeit verhandeln das Land und der Kreis Böblingen um die Förderung des Gärtringer Schlachthofes. In drei Wochen müssen sie sich geeinigt haben.

Generell gilt der ehemalige Erste Landesbeamte Wolf Eisenmann als ein Mann für schwierige Fälle. Im Fall des Gärtringer Schlachthofes hat er vom Landratsamt Böblingen den Auftrag bekommen, mit dem Land Baden-Württemberg über den Umbau der Anlage zu verhandeln.

 

Zwar sind die Fördergelder bewilligt, weil sich aber das Land und der Kreis nicht darüber einigen konnten, was genau gefördert werden soll, wurden die Gelder noch nicht ausgezahlt. Das sollte aber bis allerspätestens Februar geschehen, denn sonst könnten die Gelder verfallen. Die Zeit drängt also.

Soko Tierschutz auf dem Schlachthof in Gärtringen

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard ist zwar guter Dinge, dass die Verhandlungen zu einem vernünftigen Abschluss kommen, es geht aber offensichtlich um wichtige Details, die noch nicht geklärt sind.

Der Gärtringer Schlachthof war im Sommer 2020 geschlossen worden, nachdem Aktivisten der Soko Tierschutz aus München heimlich eine Überwachungskamera installiert hatten und dem Schlachthof Mängel in puncto Tierwohl nachgewiesen hatten.

Wolf Eisenmann führt die Verhandlungen. Foto: privat

Daraufhin beschlossen die Betreiber des Schlachthofs, zusammen mit dem Landkreis Böblingen die Anlage grundlegend zu modernisieren. Doch daraus wurde erst mal nichts, denn die Planer hatten mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie etwa mit einem fehlenden Zuschuss aus dem Kreis Tübingen. Weil ein Bürgerentscheid ein klares Votum für den Erhalt des Schlachthofs in Rottenburg gebracht hatte, hatten die Stadt Rottenburg und der Kreis Tübingen ihre Zuschüsse zurückgezogen.

Millionen-Zuschuss: „Was ist förderfähig und was nicht?“

Dann musste das Konzept verändert werden, nachdem zuerst eine Art Vorzeigeschlachthof geplant worden war. Der hätte mehr als 13 Millionen Euro gekostet – und das war allen Beteiligten zu viel. Mit einer Umplanung und einem abgespeckten Konzept von rund zehn Millionen Euro schien alles auf dem guten Weg. Doch gerade bei der Umplanung liegt der Hase im Pfeffer: Strittig sei noch die Frage, ob das Land die Fördergelder auch für die inzwischen überarbeiteten Planungen bewillige. „Im Grunde geht es um die Frage, was förderfähig ist und was nicht“, sagt dazu Wolf Eisenmann.

Auch er zeigt sich zuversichtlich, dass diese Fragen schnell geklärt werden können und der seit fünfeinhalb Jahren still stehende Schlachthof wieder in Betrieb geht. Vor allem für die Metzger und Bauern wäre das ein riesiger Vorteil, denn sie müssten mit ihren Tieren nicht mehr lange, teure und zeitraubende Anfahrtswege zu den Großschlachtereien unternehmen.

Jetzt geht es für den Gärtringer Schlachthof um die Wurst. Foto: Stefanie Schlecht

Nachhaltiges Konzept für den Schlachthof Gärtringen

Außerdem wäre mit dem regionalen Schlachthof auch ein regionales und nachhaltiges Konzept möglich, also Fleisch, das vor Ort produziert und konsumiert wird. Es würde sogar möglich sein, sagt Wolf Eisenmann, Fleisch ohne Tiefkühlkette zum Konsumenten zu bringen. Metzger, die in der Regel nicht mit den Discounter-Preisen mithalten könnten, bräuchten eben solche Qualitätsvorsprünge.

Diese Kosten für den neuen Schlachthof werden auf rund 9,8 Millionen Euro geschätzt, davon soll 3,93 Millionen Euro das Land bezahlen. Der Kreis Böblingen gibt eine Einmalzahlung in Höhe von 3,8 Millionen Euro dazu und gewährt außerdem einen Kredit in Höhe von drei Millionen Euro. Vom Kreis Calw sollen weitere 500 000 Euro kommen. Der Einzugsbereich des Gärtringer Schlachthofs umfasst in etwa ein Gebiet von Ludwigsburg über Böblingen bis Tübingen und von Reutlingen bis nach Calw und Freudenstadt.

Schlachthof Rottenburg überlebensfähig?

Wolf Eisenmann glaubt, das Landwirtschaftsministerium habe eine Ausnahme gemacht, indem es einen so kleinen Schlachthof wie Gärtringen mit einer so großen Summe geförderte habe. Er glaubt deswegen auch nicht, dass der Schlachthof in Rottenburg, der noch kleiner und noch älter ist, mittelfristig fortgeführt werden kann.

Dieser Artikel erschien erstmals am 19. Januar 2026 und wurde am 23. Januar aktualisiert.

Tierschutz in der Landwirtschaft

Tierrechtler
Die Soko Tierschutz ist eine Gruppe von Aktivisten zum Thema Tierrechte mit Sitz in München. Sie ermitteln verdeckt und teilen ihre Recherchen mit den Justizbehörden und den Medien.

Tierwohllabel
Seit August gibt es ein fünfstufiges staatliches Tierwohllabel für frisches Schweinefleisch. Die fünf Haltungsstufen sind Stall, Stall und Platz, Frischluftstall, Auslauf und Weide sowie Bio.