Torsten Widmann, vom Verein „Zeitsprung“ und Rohrauer Ortsvorsteher, sucht Bürger, die etwas über diese Chronik aller Gärtringer Schultheißen wissen. Foto: Ulrich Stolte

Eine uralte Holztafel bietet erstmals eine Liste aller Gärtringer Bürgermeister. Jetzt sind die Bürger gefragt.

Der Gärtringer Horst Birkenbach schaut immer genau hin, was er mit seiner Firma beim Entrümpeln findet, und jetzt hat er einen Sensationsfund aus seinem Depot gezogen und dem historischen Verein „Zeitsprung“ vermacht.

 

Es ist die einzige existierende Liste aller Gärtringer Schultheißen, aufgemalt auf ein Holzpaneel, das aussieht die Rückwand eines Schranks. Die Liste reicht vom ersten Schultheißen Andreas Ruck im Jahr 1559 bis Heinrich Gärttner, 1899.

Dabei hat es klangvolle Namen aus der sogenannten württembergischen Ehrbarkeit, etwa Mitglieder der Familie Mast, der weitverzweigten Familie Zinser, oder der Familie Wohlbold, deren bekanntester Vertreter Johann Georg Wohlbold (1824 bis 1889) war, einem bekannten Kaufmann und Gemeinderat in Tübingen. Mit Georg Adam Oesterle ist ein Schultheiß aus der Familie Oesterle verzeichnet, aus der der Schriftsteller und Journalist Kurt Oesterle entsprang, sowie der Karikaturist Manfred Oesterle (1928 bis 2010). Letzterer galt als einer der wichtigsten Karikaturisten Nachkriegsdeutschlands, der für den Simplicissimus und für das baden-württembergische Fernsehen arbeitete.

Die Liste geht über vier Jahrhunderte

An diesem Platz neben beim Dorfbrunnen hat einst das Älteste Rathaus von Gärtringen gestanden. Foto: Ulrich Stolte

Dabei ist die Liste von 1559 bis 1826 von einer einzigen Hand gemalt. Woraus man schließen kann, dass die Chronik eben in den 1830er Jahren gefertigt wurde, in der schönen Zeit des Biedermeiers, wo die Weltgeschichte nach den Napoleonischen Kriegen Atem holte und man Zeit für solche Dinge hatte. Nach 1826 lassen sich zwei weitere Handschriften erkennen, die beiden letzten Einträge wurden mit Schriftschablonen gemacht.

Diese Liste muss einst im Ältesten Gärtringer Rathaus gehangen haben, das wohl da gestanden hat, wo heute der Brunnen vor dem Backhaus ist. Von dort muss sie in ein älteres Bauernhaus in der Hauptstraße gelangt sein, woraus sie Horst Birkenbach geborgen hatte – aber auch das ist Jahrzehnte her, und Horst Birkenbach weiß nicht mehr genau, welche Hausnummer und welches Jahr es war.

Wer kann sich an die Tafel erinnern?

Es ist also herzlich wenig, was man über die Tafel weiß. Deswegen sucht der Verein „Zeitsprung“ nun Gärtringer Bürger, die etwas über die Tafel, das Bauernhaus oder das Älteste Rathaus des Ortes berichten können. Ansprechpartner ist Torsten Widmann, Vereinsvorsitzender und Rohrauer Ortsvorsteher. Vielleicht hat jemand die Tafel noch aufgehängt gesehen, oder weiß, welcher Bürger sie damals in seinem Heim in der Hauptstraße aufbewahrt hat? Vielleicht ist sogar in irgendeinem Fotoalbum ein Abbild dieser Liste oder des Ältesten Rathauses vorhanden? Denn dann könnte man auch leicht die Daten der Chronik ergänzen, denn zwei Namen in der Liste sind nicht mehr lesbar und müssten mit aufwendiger Archivarbeit ergänzt werden.

Ein Schultheiß war damals die Amtsbezeichnung eines schwäbischen Bürgermeisters, und die Bezeichnung ist noch im schwäbischen Ausdruck „Schultes“ erhalten. Wortwörtlich genommen bedeutet Schultheiß Steuereintreiber, also jemand, der eine Schuld erheischt. Doch dürften die Gärtringer Schultes‘ einen nicht ganz so schlechten Ruf gehabt haben wie die Steuereintreiber anderer Epochen, sonst hätte man ihnen nicht diese Tafel gesetzt.

Es wäre noch Platz für Thomas Riesch

Der Verein „Zeitsprung“ will die Tafel erstmals am 5. Juni 2026 bei der Museums-Nacht öffentlich im Gärtringer Blumencafé in der Seltenbachstraße zeigen.

Der damalige Schildermaler hat locker ein Drittel der Tafel freigelassen, war ihm doch wohl bewusst, dass Gärtringen eine große Zukunft haben würde und noch viele Bürgermeister auf Heinrich Gärttner folgen würden. Vielleicht steht dann auch einmal der Name des heutigen Schultheißen Thomas Riesch mit schwarzen Lettern auf weißem Grund auf dem Paneel.