Bei der Pflanzaktion sind alle willkommen, helfende Hände und Zuschauer. Foto: aia/Karin Ait Atmane

Hinter dem Johanniterstift in Plochingen ist ein insektenfreundlicher „Weinberggarten“ angelegt worden.

Flocken- und Glockenblumen, Bergminze, Goldastern, Johanniskraut und Sandthymian – die Aufzählung der Pflanzen, welche in Kisten hinter dem Johanniterstift bereitstehen, weckt das Interesse der Umstehenden und bringt Gespräche in Gang. Eine Bewohnerin aus dem Betreuten Wohnen erzählt von dem „Stückle“ in Plochingen, das sie früher mit ihrer Familie bewirtschaftete und wo offenbar elf Apfelsorten gediehen. Und künftig soll es also hier, auf der rückwärtigen Seite des Johanniterstifts, vom Frühjahr bis in den Herbst hinein kräftig blühen.

 

Die bestehende Trockenmauer ist erweitert worden

Eine bestehende Trockenmauer ist dazu erweitert, ein Stück der Grasböschung geöffnet und mit Sand und Sandsteinsplitt als Mulch angefüllt worden. Darauf soll der Wärme liebende Bewuchs, der das Thema „Weinberge“ aufgreift, sich ausbreiten. Hinter dem Ganzen steckt das Projekt „Blühende Gärten – miteinander für mehr Vielfalt“, bei dem der Naturschutzbund Nabu und die Evangelische Heimstiftung zusammenarbeiten.

Eigentlich hätten beide Beteiligte parallel die Idee gehabt, auf den teilweise recht großen Grünflächen bei den Seniorenzentren Bereiche naturnah zu gestalten, erzählt Martin Suchanek, der als Umweltreferent der Evangelischen Heimstiftung den ersten Impuls gab. „Insgesamt machen wir das in 30 Einrichtungen, diese ist jetzt die siebenundzwanzigste“, sagt Aniela Arnold vom Nabu. Auch die Kosten werden dabei aufgeteilt, die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg gibt einen Zuschuss. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind dabei auch gefragt.

Wer will, darf selbst einen Spaten oder eine Schaufel in die Hand nehmen. Und diejenigen, die keine Gartenarbeit mehr machen können – im Pflegeheim sicherlich die meisten – dürfen zuschauen und kommentieren, wenn das Gärtner-Team zusammen mit Ehrenamtlichen, Mitarbeiterinnen und mit dem Hausdirektor Dennis Kunberger ins Beet steigt und pflanzt. „Der Austausch mit Bewohnern und Bewohnerinnen ist uns wichtig, sie haben viel Erfahrung von früher“, weiß Martin Suchanek, „den einen oder anderen Tipp haben wir auch schon bekommen“, sagt er.

Das Projekt kombiniert ökologische und soziale Aspekte

Inge Schober und Hilde Casonati sind als Ehrenamtliche dabei. Während die Vorbereitungen laufen, fegen sie schon mal das Laub in der Ecke zusammen und unterhalten sich mit denen, die zuschauen. Der kleine Außenbereich wird von Bewohnern und Bewohnerinnen und von den Angehörigen seit jeher gern genutzt: Hier kann man entspannt auf der Terrasse sitzen oder einen Spaziergang nach draußen machen. Und sich künftig auch an Blüten, Schmetterlingen und Bienen erfreuen. Es sei sinnvoll, „soziale und ökologische Projekte miteinander zu kombinieren“, findet Martin Suchanek – das bringt doppelten Gewinn. Er freut sich, dass das baden-württembergische Modell bereits deutschlandweit Kreise gezogen hat: Mittlerweile sei auch eine Kooperation zwischen der Diakonie Deutschland und dem Nabu entstanden.