Der OGV-Vorsitzende Hans Joachim Schmid weiß, dass eine üppige Blütenpracht in der Stadt nicht nur das Auge erfreut, sondern für Insekten auch überlebenswichtig ist. Foto:  

Beim Blumenschmuckwettbewerb in Kornwestheim haben die Jurymitglieder 145 Gärten und Balkone begutachtet. Früher waren es bis zu 200. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig.

Zu den wenigen positiven Folgen der Coronapandemie gehörte, dass die Menschen Zeit und Muße hatten, sich mehr um Haus und Garten zu kümmern. So mancher nutzte die zusätzliche Freizeit, um im Keller auszumisten, seinen Garten auf Vordermann zu bringen oder den Balkon zu einem heimeligen Platz zu machen. Eines haben die Lockdowns und die damit vielfach verbundene neue Nähe zur Natur allerdings nicht nachhaltig geschafft: die Teilnehmerzahl bei den Blumenschmuckwettwerben, die in der Regel von den regionalen Obst- und Gartenbauvereinen (OGV) ausgerichtet werden, signifikant zu erhöhen.

 

Auch bei der kürzlich in Kornwestheim durchgeführten Ehrung, für die die Jury aus Gemeinderäten und Mitgliedern des OGV insgesamt 145 Gärten und Balkone in der Stadt begutachtet hatten, bewegte sich die Teilnehmerzahl etwa auf dem Niveau der Vorjahre. „Corona hat diesem Wettbewerb nicht wirklich neuen Schwung verliehen“, erklärt Hans Joachim Schmid, Vorsitzender der OGV Kornwestheim. Vielmehr bewege sich der Altersdurchschnitt der Teilnehmer bei rund 70 Jahren. Einige Teilnehmer früherer Jahre seien inzwischen auch verstorben, Nachwuchs gebe es nicht viel.

Zwischen 1990 und 2000 waren die Hochzeiten

Hans Joachim Schmid kann sich noch gut an die Hochzeit der Blumenwettbewerbe in Kornwestheim erinnern. „Zwischen 1990 und 2000 haben meist rund 200 Teilnehmer mitgemacht“, so der Inhaber eines Betriebs für Gartengestaltung. Die Jury hatte eine große Auswahl, um zu bewerten, wo besonders gelungene Farbkompositionen und Blütenfülle das Auge erfreuen und welche optische Wirkung der Garten oder der Balkon auf die Umgebung entfaltet. „Seitdem sind die Zahlen zurückgegangen und haben dann auf dem heutigen Niveau stagniert.“

Warum das so ist, vermag der OGV-Vorsitzende nicht eindeutig zu sagen. „Möglicherweise haben viele Familien Pläne für ihren Garten und sprechen auch darüber. Aber wenn es um die Umsetzung geht, stellen manche dann vielleicht fest, dass das Ganze doch mit einiger Arbeit verbunden ist“, vermutet er. Vielleicht sei vielen auch nicht bewusst, dass eine schöne Garten- und Balkongestaltung nicht nur einen optischen Reiz habe, sondern auch gut für die Umwelt und die hier lebenden Insekten sei. Nicht ausschließen will Schmid auch, dass einige ihre Bemühungen um das Grün auf dem Balkon aufgegeben haben, wenn dies zu Streit mit Vermietern und Nachbarn führe, weil etwa Wasser beim Gießen die Fassade hinunterlaufe. Gartenbesitzern, deren Stückle immer kleiner als größer würden, sei zudem möglicherweise ein Rasen mit Hecke und Platz zum Grillen heute wichtiger als ein üppiger Blumenschmuck.

Selbst Corona kann die Wettbewerbe nicht aufhalten

Immerhin: Den Blumenschmuckwettbewerb in Kornwestheim hat auch Corona nicht unterbrechen können. „Wir sind durch ganz Kornwestheim und in Pattonville von Garten zu Garten gezogen und haben uns alles angeschaut, nur die Prämierung mussten wir ausfallen lassen und haben die Preise dann per Post verschickt“, erzählt der 64-Jährige. Seit 2022 gibt es jedoch wieder eine Abschlussveranstaltung.

Und der OGV tue viel dafür, die Menschen für das Thema Natur zu sensibilisieren: In diesem Jahr gab es einen Vortrag zum Thema Garten und Klimawandel, im vergangenen Jahr – zum 100-Jahr-Jubiläum des OGV – einen Vortrag eines Mitglieds des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt über Pflanzenschutz aus dem All. „Auf Satellitenbildern ist sehr genau dokumentiert, wie viel der ehemalige brasilianische Präsident Bolsonaro zum Waldsterben beigetragen hat“, sagt Hans Joachim Schmid.