Gänsebauer Rolf Wais sieht die kürzlich angeordnete Stallpflicht skeptisch, denn seine Tiere würden viel Auslauf benötigen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Gänsebauer Rolf Wais ist weniger wegen der Vogelgrippe beunruhigt als wegen der Stallpflicht. Sie wurde jüngst in Baden-Württemberg erlassen, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.

Degerloch - Das Vogelgrippevirus H5N1 ist in Norddeutschland aufgetreten. Die Landesregierung hat nun eine Stallpflicht für Baden-Württemberg erlassen, um die Ausbreitung der gefährlichen Krankheit zu verhindern. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft fordert eine solche Regelung sogar bundesweit. Der Degerlocher Gänsebauer Rolf Wais sieht dadurch Probleme auf die Gänsebetriebe zukommen.

Sind Sie beunruhigt über die Ausbreitung der Vogelgrippe?
Nein, ich bin nicht beunruhigt. Unsere Region ist weit entfernt von großen Gewässern, in deren Umgebung die Vogelgrippe aufgetreten ist. Wir hatten bisher noch nie Probleme.
Können Sie vorbeugend etwas tun, um Ihren Betrieb zu schützen? Ergibt das aus Ihrer Sicht überhaupt Sinn?
Wir schließen unsere Gänse ohnehin nachts in den Stall, um sie vor Füchsen zu schützen. Mehr kann man nicht tun.
Die Landesregierung hat nun eine Stallpflicht eingeführt. Was halten Sie davon?
Vorsicht ist in jeder Situation erst einmal gut. Allerdings rate ich dazu, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen. Es gilt zu beachten, dass bisher keine Nutztiere von der Vogelgrippe betroffen waren, sondern Wildvögel. Außerdem sehe ich Probleme bei der praktischen Umsetzung gerade für uns Gänsebauern. In unserem Betrieb haben wir eine offene Bestallung. Ich müsste nun also ein Dach einbauen. Für die Gänse wäre das eine Zumutung. Sie sind in einem Alter, in dem sie viel Auslauf brauchen. Ein bisschen ist das so wie in der menschlichen Pubertät. Neuntklässler sind auch schwieriger still zu halten als Drittklässler. Wir können die Bedürfnisse der Tiere nicht einfach ganz ignorieren. Da verweise ich auf den Tierschutz.
Wie werden Sie mit der Forderung des Landwirtschaftsministeriums umgehen?
Ich habe bereits mit Kollegen telefoniert. Wir sehen uns als Gänsebauern nicht als Konkurrenten an und arbeiten gut zusammen. Unser Ziel ist es nun, eine Lösung zu finden, die den Tieren gerecht wird, in der Handhabung für uns Bauern praktikabel ist und den Forderungen der Veterinärämter entspricht. Noch sind es sechs Wochen bis Weihnachten. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Krise gemeinsam meistern werden. Ich werde dafür kämpfen, dass das Wohl unserer Tiere nicht in Gefahr gerät.
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