Für die einen gehört der Gänsebraten zum Martinstag wie der Laternenumzug. Anderen tut das Federvieh leid, das dafür dran glauben muss. Foto: dpa

Tierschützer haben Landwirte in Degerloch und Plieningen aufgefordert, anlässlich des Martinstags am 11. November wenigstens einem Gänsepärchen das Leben zu schenken. Aus ihrer Sicht wäre das ein schönes Zeichen.

Degerloch/Plieningen - Sankt Martin war ein guter Mann. So beginnt nicht nur ein bekanntes Lied über den Heiligen aus Tours, so begannen auch die Überlegungen von Tanja Breining. Sie ist Mitglied des Vereins „Menschen für Tierrechte, Tierversuchsgegner Baden-Württemberg“ und lebt auf den Fildern. Immer wieder fährt sie deshalb an der Gänseschar an der Degerlocher Epplestraße vorbei – und ihr Mitleid wuchs. Weiß Breining doch, welches Schicksal dem Federvieh dräut.

580 702 Gänse sind 2013 bundesweit geschlachtet worden

Am 11. November ist Martinstag, und einige Menschen schieben sich aus diesem Anlass einen Gänsebraten in die Röhre. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamts sind im Jahr 2013 bundesweit 580 702 Gänse geschlachtet worden.

Die Tierschützer um Breining haben dem Degerlocher Bauern Rolf Wais und dem Plieninger Haldenhof vergangene Woche einen Brief geschrieben: Darin die Bitte, doch wenigstens ein Gänsepärchen am Leben zu lassen. „Der heilige Martin war ein mitfühlender Mensch, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte und später Zuflucht im Gänsestall suchte“, schreibt der Verein an die Bauern. „Seinem Beispiel sollen nun auch die Landwirte folgen und dem Gänsepaar bis zu seinem natürlichen Tod ein schönes Leben in Freiheit und Unversehrtheit auf ihren schönen Grünflächen ermöglichen.“ Tierschützerin Breining sagt: „Das wäre mal eine schöne Geste.“

Die Degerlocher und Plieninger Bauern haben den Brief bekommen. „Er ist schon den Kamin hoch“, sagt der Degerlocher Rolf Wais. „Ich halte Gänse nicht, weil sie so schön aussehen auf der Wiese, ich muss davon meine Familie ernähren.“ So bitter das vielleicht für manchen Tierfreund klingt: „Bei mir auf der Weide stehen Festtagsbraten“, sagt Wais. Wie viele Gänse er hat, ist ein Betriebsgeheimnis. Was er derweil verrät: Rund ein Viertel verkauft er für Martini, den Rest an Weihnachten.

Monika Mayer, die Demeter-Bäuerin vom Haldenhof, hat den Brief des Tierschützer-Vereins ebenfalls schnell beiseite gelegt. Der Grund ist ein einfacher: Die Plieninger Landwirte halten gar keine eigenen Gänse, wie Monika Mayer sagt. Die Familie verkauft das Geflügel nur auf Bestellung im Hofladen. Und diese Tiere sind bereits im Gänsehimmel. „Wo es nichts zu retten gibt, kann ich auch nichts retten.“

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