Es ist das Ende der Sommerferien 1962, und Christoph schmeißt eine Fete. Zu der kommt auch Gaby, es läuft Jazzmusik, und alle kommen sich näher – auch die beiden. Es entsteht eine Liebe, die mitunter auf Widerstand stößt.
Wir schreiben den August 1962, die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, wahrscheinlich liegt ein bisschen Wehmut in der Luft. Christoph, 19 Jahre alt, entscheidet sich in seiner damaligen Heimat Hannover, eine Fete zu schmeißen. Er läuft meist im Militärparka herum, US-amerikanischer Style, die Haare ein bisschen wilder, als es damals üblich war – bestimmt nicht der Uncoolste seiner Klasse. Aber er hat keine Freundin, so kann man keine Party schmeißen. Er fragt einen Kumpel, und dessen Freundin kennt von einer anderen Schule Gaby: schlank, dunkle Haare, auch gerne mal in einem Parka, und mit 1,80 Meter wahrscheinlich so ziemlich die Größte ihrer Klasse. Sie nimmt die Einladung an – und geht zu Christophs Fete.
Alle kommen sich näher, nur Gaby sitzt noch alleine rum
Ein Grundig-TK24-Tonbandgerät zaubert bei der Party Dave Brubeck in Christophs Dachgeschosszimmer, es läuft „ Take Five“. Gaby gefällt der Modern Jazz, und der Gastgeber, mit 1,93 Meter noch ein Stück größer als sie, ist auch nicht schlecht. Etwa zehn Leute sind da, und alle kommen sich langsam näher, aber Gaby in ihrem beigen Trevira-Rock sitzt noch alleine im Schaukelstuhl. Da sagt sich Christoph auch irgendwann: „Attacke!“
Er quetscht sich zu Gaby in den Stuhl. Dass der eigentlich nur groß genug für einen ist, stört beide nicht. Sie kommen sich näher, an die Worte erinnern sie sich nicht, aber an den Kuss, der gleich folgt, schon. Nach der Party bringt Christoph Gaby mit dem Fahrrad nach Hause, sie unterhalten sich lange. Von da an gehen sie gemeinsam durchs Leben, aber die Liebe erfährt auch Widerstände.
Die Eltern sind dagegen, aber die Liebe hält
Christoph meldet sich zwei Jahre freiwillig für die Luftwaffe. Gaby macht zunächst eine Sekretärinnenschule in Hannover. Danach landet sie über Kontakte der Familie als Sekretärin in der deutschen Botschaft in Dublin. „Meine Eltern wollten uns auseinanderbringen“, sagt Gaby heute. Sie schreiben sich stapelweise Briefe auf der Schreibmaschine, signiert mit einer Füllfeder in farbiger Tinte. Nach einem Jahr kehrt sie zurück, so weit entfernt von Christoph, das wollte sie nicht mehr. „Die Liebe hielt“, sagt Gaby.
Aber bald liegt schon wieder eine große Entfernung zwischen den beiden: Christoph zieht fürs VWL-Studium nach Freiburg, sie sehen sich nur, wenn Christoph seinen NSU 1000 TT in fünfeinhalb Stunden nach Hannover jagt oder Gaby im Nachtzug nach Freiburg kommt. Bis zu acht Wochen vergehen dazwischen.
Statt der Hochzeitsreise stehen sie in der Werkstatt
1971, kurz nach Christophs Examen, heiratet das Paar in Freiburg. Es gibt ein rauschendes Fest in dem Haus, in dem seine WG ist, und statt der Hochzeitsreise verbringen sie drei Tage in der Werkstatt. Kurz zuvor war der Motor von Christophs Wagen, mittlerweile ein Glas 1700 GT, in tausend Stücke gesprungen. Sie bauen an einer Tankstelle um die Ecke einen neuen Motor ein. „Das war das Highlight unserer Beziehung“, sagt Gaby heute und lacht. Als der Wagen wieder flott ist, düsen sie dann doch noch quer durch die Bundesrepublik, bevor sie ihre ersten Jobs in Stuttgart-Zuffenhausen antreten, er bei Standard Elektrik Lorenz, sie bei Dürr. 1972 ziehen sie in den Kreis Ludwigsburg und bleiben bis heute dort.
Seit mehr als 20 Jahren sind Christoph und Gaby in Ruhestand. Was macht so ein Ehepaar dann? „Happy Life!“, antwortet Christoph. „Durch die Welt düsen, Golf spielen, und wir haben die Liebe zur Oldtimerei entdeckt.“ Die beiden, heute 78 und 80 Jahre alt, haben mehrere klassische Wägen, mal kommt einer dazu, dann wieder einer weg, ein Porsche 911 Targa ist immer dabei, „das sind Autos für Liebhaber“, sagt Christoph. Sie waren damit schon von Südspanien bis Schweden unterwegs. „Wir machen alles zusammen“, sagt Gaby. „Sie ist mein bester Co-Pilot“, meint Christoph, „neben dem Navi.“
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