Margarethe Strauß zeigt auf einen 2012 gepflanzten Trollinger-Rebstock. Foto: Malte Klein

Weingärtner aus Gablenberg haben 1904 den Wein- und Obstbauverein Gablenberg gegründet. Um den Vereinsnamen gab es immer wieder Diskussionen, weil zwischenzeitlich nur noch ein Mitglied einen Weinberg bewirtschaftete. Seit 2005 hat der Verein einen Weinberg gepachtet.

Gablenberg - Immer wieder hat es in der Vergangenheit in Gablenberg Diskussionen gegeben, ob der Name Wein- und Obstbauverein Gablenberg noch berechtigt sei. Der zweite Vorsitzende des Vereins, Ulrich Eger, hat das selbst erlebt. Denn zeitweise betrieb nur noch ein einziges Vereinsmitglied Weinbau in dem Stadtteil, der einst ein Wengerterort war. Die anderen Mitglieder bauten im eigenen Garten nur noch Obst an. Die Diskussion hat sich mittlerweile erledigt. Seit 2005 hat der Verein einen 14 Ar großen Weinberg.

Eger und die Vorsitzende Margarethe Strauß stehen im Schnee oberhalb des Weinbergs am Ginsterweg und blicken auf Gablenberg hinab. Am Hang sind Rebstöcke in langen Reihen gepflanzt. Der Riesling auf der rechten Seite sieht knorrig aus und stammt aus dem Jahr 1972. Die Trollinger-Reben daneben sind klein und wurden 2012 gepflanzt. Die Vorsitzende Margarethe Strauß erzählt, wie der Verein zum Weinberg kam: „Ein Wengerter wollte aufhören. Das Liegenschaftsamt ist an uns herangetreten und hat gefragt, ob wir als Verein den Weinberg bewirtschaften wollen.“ Das war 2004, als der Verein sein 100-jähriges Bestehen feierte.

Hilfe vom Weingut Stadt Stuttgart

Seit Januar 2005 ist der Verein nun Pächter und hält die Weinbautradition aufrecht. „Wir hatten niemanden mehr, der sich im Weinbau auskannte. Wir mussten bei Null anfangen“, sagt Eger. Die Vereinsmitglieder bekamen Starthilfe vom Weingut der Stadt Stuttgart. „Deren Weinbaumeister hat uns drei Jahre lang den Weinbau beigebracht und schaut auch jetzt mal vorbei“, sagt Eger. Von den 160 Mitgliedern bilden 15 den harten Kern im Weinbau, mit kurzfristigen Helfern sind es 30 Personen. Im vergangenen Jahr investierten die Mitglieder 951 Arbeitsstunden, deutlich mehr als Eger ursprünglich angenommen hatte. „Wir hatten mit 600 Arbeitsstunden gerechnet.“ Freiwillige für die Einsätze an Samstagen zu finden, sei kein Problem. „Die meisten freuen sich auf die Stunden im Weinberg.“ Sie schneiden Reben, binden sie an, kümmern sich um Pflanzenschutz, kontrollieren Trauben auf Fäulnis, entlauben Reben und ernten Trauben. Das Keltern und den Ausbau übernimmt das Weingut der Stadt.

Im Jahre 1904 war es, als 52 Weingärtner den Wein- und Obstbauverein Gablenberg gründeten. „Sie haben sich bei der Vermarktung, Logistik und dem Bau einer größeren Kelter zusammengetan“, so Eger. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Rebkrankheiten und Jobs in der Industrie führten dazu, dass immer mehr Wengerter den Weinberg nur noch nebenberuflich bewirtschafteten oder ganz aufhörten. Der Verein entwickelte sich vom Zusammenschluss der Profis zu einem der Hobbygärtner, die im Garten Beeren- und Kernobst anbauen. Der Verein bietet Vorträge und Schnittunterweisungen an und verkauft den eigenen Wein bei der Langen Ostnacht und auf dem Maimarkt.

Pause bis der Boden nicht mehr gefroren ist

Im Winter ist für die Mitglieder wenig zu tun. „Das ist auch mal ganz schön. Jetzt bleibt mehr Zeit für die Familie“, sagt Eger. Erst wenn der Boden frostfrei ist, sind er und seine Mitstreiter wieder im Einsatz.

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