Fitness-Model Mario Schafzahl, ein Star der Body-Szene und schon mehrfach auf der Titelseite von „Men’s Health“, geht jeden Tag ins Studio – meist mit einem Stringer des Stuttgarter Labels GA Foto: GA

Ein Tanga für die Männerbrust: Je größer die Muskeln, desto kleiner das Shirt. GA steht vorn groß drauf. Mit diesem Logo mischen vier Stuttgarter die Fitness-Mode auf. Gym Aesthetics – so heißt ihr Label für Selbstverliebte und Selbstquäler.

Stuttgart - Auf den Crosstrainern und Hantelbänken der Fitnessstudios sieht man immer öfter zwei Großbuchstaben. GA. Dieses Logo prangt selbstbewusst auf den äußerst knappen Brustshirts jener Männer, die stets die meisten Stahlscheiben hochstemmen, die stets die meisten Blicke auf sich ziehen.

Auch in meinem Studio gibt’s solche GA-Typen. Es sind Männer, deren Gewichte so etwa zehnmal schwerer sind als meine. Ich fragte mich, für was die beiden Buchstaben stehen.

GA wie großer Angeber? Wie garantiert affektiert? Wie genialer Athlet?

Bodybuilder und Fitnessfanatiker werden mich wegen meines Unwissens auslachen. Denn in der Mucki-Szene gibt’s immer mehr, die voll auf GA abfahren. Dabei ist das in Stuttgart gegründete Label Gym Aesthetics nicht mal ein Jahr alt.

Auf der GA-Webseite wird dem Kunden gleich mal gesagt, um was es geht: „Zeige Deinem Umfeld mit diesem Stringer, mit dem ärmellosen Oberteil, was Ästhetik wirklich bedeutet. Erinnere die ,Normalos‘ im Gym immer daran, welcher Körper auf sie wartet, wenn sie mal ein richtiges aesthetic bodybuilding workout betreiben!“

Es geht also um Leute wie mich. Um die Normalos, die auf einen solchen Mucki-Körper wohl immer vergeblich warten (wollen).

Hinter GA stehen die beiden schwäbischen Ingenieure Aleksandar Duric und Philipp Deslandes. Zufällig haben sie sich auf einem Führungskräfteseminar kennengelernt. Im April 2013 trinken sie ein Bier zusammen – das hat Folgen: Rasch erkennen die beiden, dass sie der Traum von der Selbstständigkeit verbindet. Deslandes ist Fitness-Fanatiker, interessiert sich für Mode und träumt davon, ein eigenes Label zu gründen. Mit dem 36-jährigen Duric trifft er einen Gleichgesinnten. „Drei Tage später posteten wir erste Fotos mit Entwürfen bei Facebook“, sagt der 31-jährige Deslandes. Die Bilder greller Stringer (ärmellose ­Oberteile) und Hoodies (Kapuzenpullis) mit dem großen GA-Logo kommen an – unter anderem bei Karl Ess (24) und Ralf Sättele (26). Die beiden produzieren mit großem ­Erfolg (etwa 230 000 Likes bei ­Facebook) Fitnessvideos und Ernährungspläne für Kraftsportler. Der US-Amerikaner und sein schwäbischer Kumpel steigen bei GA ein.

Am 6. Juni 2013 geht das Quartett zum Notar. Die Firma mit Sitz in Bad Cannstatt ist gegründet. Ess und Sättele bewerben die Marke auf You Tube und erreichen in kurzer Zeit über eine Million Zuschauer und mögliche Käufer. Vier Wochen später ist der Shop online. Die rasch wachsende Fangemeinde bestellt fleißig. Bereits im ersten Monat erzielt GA 15 000 Euro Umsatz. Produziert wird in Asien – was, das bestimmt die Community. Gefällt den meisten der 40 000 Fans ein Design, geht’s in Serie.

In diesem Frühjahr wollen die vier die Umsatzmarke von 100 000 Euro pro Monat knacken.„In Großbuchstaben ein stilisiertes GA auf der Brust thronend, schreit die Kleidung förmlich vor Energie“ – so erklärt Duric den Erfolg in so kurzer Zeit. Die Fangemeinde wächst. Wer so hart seinen eigenen Körper modelliert, darf ihn auch stolz zeigen. Und wir, die wir nicht so viel zeigen können, trösten uns damit: Sich immer nur mit dem Äußeren zu beschäftigen verhilft nicht automatisch zum wahren Glück.

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