CDU-Landeschef Thomas Strobl will beim Thema G8/G9 an Südwest-Gymnasien die Schüler entscheiden lassen. Foto: dpa

CDU-Landeschef Strobl geht in Sachen Turbo-Abitur in die Offensive. Er findet: Schüler sollen selbst wählen können, ob sie das Abi in acht Jahren machen oder in neun. Seine Fraktion zögert aber.

CDU-Landeschef Strobl geht in Sachen Turbo-Abitur in die Offensive. Er findet: Schüler sollen selbst wählen können, ob sie das Abi in acht Jahren machen oder in neun. Seine Fraktion zögert aber.

Stuttgart - Während CDU-Landeschef Thomas Strobl klare Position in der Turbo-Abi-Debatte bezieht, ist die CDU-Landtagsfraktion gespalten. „Bisher sind sehr unterschiedliche Reaktionen wahrnehmbar“, sagte CDU-Bildungsexperte Georg Wacker am Freitag. „Wir wollen uns ausreichend Zeit nehmen, um konzeptionell sauber zu arbeiten.“

Derzeit führt die Fraktion Gespräche darüber, mit welcher Position die CDU zum Thema acht- oder neunjähriges Gymnasium (G8/G9) in den Wahlkampf zur Landtagswahl 2016 zieht.

Strobl hatte sich dafür ausgesprochen, dass Schüler zwischen dem acht- und neunjährigen Gymnasium im Südwesten frei wählen können. „Die Kinder sind sehr unterschiedlich. Deswegen finde ich es immer gut, wenn es eine Wahlmöglichkeit gibt - auch bei der Frage, ob man nach 12 oder 13 Jahren Abitur macht“, sagte Strobl der Nachrichtenagentur dpa. Er betonte, dass Wahlfreiheit nicht die alleinige Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium bedeute. „Wahlfreiheit heißt, dass es G8 auch weiter geben muss.“

Wolf stimmt leisere Töne an

Der CDU-Politiker gilt als einer der Anwärter auf die CDU-Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2016. Auch der derzeitige Landtagspräsident und Parteikollege Guido Wolf wird immer wieder ins Spiel gebracht - stimmt in der Debatte um das Turbo-Abi aber leise Töne an. „Die Entscheidung in der Frage G8/G9 muss in aller Ruhe getroffen werden“, sagte Wolf. Wenn es in Zukunft ein neunjähriges Gymnasium geben solle, dann nur mit einem erkennbaren Mehrwert für die Schüler.

Das achtjährige Gymnasium war im Schuljahr 2004/2005 von der damaligen schwarz-gelben Regierungskoalition eingeführt worden. Die grün-rote Landesregierung führte zum Schuljahr 2012/2013 Modellschulen ein, an denen die Abiturprüfung wieder nach neun Jahren abgelegt werden kann. Mittlerweile gibt es 44 G9-Gymnasien - und sie sind stark gefragt. Dennoch will Grün-Rot die Zahl in der laufenden Legislaturperiode nicht ausweiten. Sie schließt eine Korrektur nach der Landtagswahl 2016 allerdings nicht aus.

Die SPD macht sich für mehr G9-Schulen stark - und Fraktionschef Claus Schmiedel begrüßte am Freitag die Offensive von Strobl. „Die Erkenntnis kommt spät, dass Kinder auch auf dem Gymnasium unterschiedlich sind. Sie ist dennoch richtig und ein Schwenk hin zu einer realistischen Einschätzung“, sagte er. Entscheidend sei jetzt, ob die CDU-Fraktion schließlich mit Strobl mitziehe.

Der FDP fehlte zuletzt eine klare Position in der Debatte. Am Freitag sprach sich die Fraktion ebenfalls für eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 zu gleichen Bedingungen aus. Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke teilte mit: „Nach unserer Vorstellung sollten alle Gymnasien die gleiche Zahl an Lehrerwochenstunden erhalten und selbst entscheiden, ob sie diese auf acht oder neun Jahre verteilen.“

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