Termin im Zoo: Xi übergibt Merkel und damit irgendwie auch Deutschland zwei Pandabären. Foto: AFP

Relativ gesehen wird Peking für die deutsche Außenpolitik zum Hort der Verlässlichkeit. Das aber ist mit Vorsicht zu genießen, meint unser Berliner Korrespondent Christopher Ziedler.

Berlin - Es gibt das Sprichwort vom Einäugigen, der König unter den Blinden ist. In dieser Rolle findet sich, übertragen auf die beim G-20-Gipfel vertretenen Weltmächte, die Volksrepublik China. Zumindest für die deutsche und europäische Außenpolitik gilt, dass der große Nachbar Russland mit der Krim-Annexion den Status eines verlässlichen Partners verloren hat und Donald Trump in den USA rasend schnell transatlantisches Vertrauen verspielt – im Wahlprogramm von CDU und CSU wurde Amerika gerade vom „Freund“ zum „Partner“ herabgestuft. Im deutsch-chinesischen Verhältnis dagegen dominieren trotz schlechter Menschenrechtslage in Fernost schöne Bilder und gute Nachrichten: zwei Pandas für den Berliner Zoo, 22 Milliarden Euro für Airbus.

Wenn der Ein-Parteien-Staat nun als Merkels Verbündeter angesehen wird, der wie sie beim Gipfel für offene Märkte kämpft, ist dennoch Vorsicht geboten. Für China steht das nationale Interesse weiter weit vor allen anderen – in handelspolitischen Fragen deckt sich das der auf offene Märkte angewiesenen Exportnation zufällig mit dem multilateralen Ansatz, den aus demselben Grund auch Berlin verfolgt. Und es kommt Peking strategisch zupass, wenn es die Partnerschaft mit Deutschland als Anti-Trump-Allianz auslegen kann. Uneigennützig handelt der Einäugige nicht.

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