Der Burgplatz ist schon jetzt eine Art „informelle Elternhaltestelle“ Foto: Karin Ait Atmane

Wie bekommt man „Elterntaxis“ unter Kontrolle? Der Fußverkehrscheck in Plochingen bringt neue Vorschläge auf den Tisch.

Der „Hol- und Bringverkehr“ von und zu Schulen und Kindergärten bringt Gefahren mit sich. Wenn Eltern versuchen, ihr Kind möglichst nah am Zielort abzusetzen beziehungsweise einsteigen zu lassen, entstehen reihenweise brenzlige Situationen. Das kann man unter anderem frühmorgens am Burgplatz in Plochingen beobachten. Eigentlich ist diese Erkenntnis weder neu noch überraschend, der Fußverkehrscheck der Stadt hat sie aber bestätigt und liefert auch neue Denkansätze für eine Verbesserung der Lage.

 

Plochingen hat dieses Jahr als eine von 15 Kommunen in Baden-Württemberg die Möglichkeit bekommen, den Fußverkehr mit Fördermitteln des Landes genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Fokus waren dabei die Schulwege zum unteren Schulzentrum, also der Burgschule, der Realschule und dem Gymnasium.

„Elternhaltestellen“ sollen Ordnung reinbringen

Man kann Eltern nicht verbieten, Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Appelle und mahnende Worte helfen aber auch nicht viel. Hinter dem Stichwort „Elternhaltestellen“, ein Begriff von Christoph Mall vom Büro Planersocietät, das den Plochinger Fußverkehrscheck begleitet hat, steht ein anderer Ansatz: Sie sollen das Bringen und Holen an festgelegten Plätzen in geordneten Bahnen lenken.

„Elternhaltestellen“ werden zu den entsprechenden Zeiten für den Schülerverkehr freigehalten, sind dann also nicht als Parkplätze verfügbar. Sie sollten ohne Rangieren und Wenden funktionieren. Von ihnen aus sollten die Kinder sicher zu Fuß zur Schule kommen. Als ideale Entfernung sehen die Planer 250 bis 500 Meter Fußweg vor. Der Burgplatz, der jetzt schon eine Art „informelle Elternhaltestelle“ ist, wie Christoph Mall sagt, wäre also etwas nah. Eine andere Möglichkeit könnte der Parkplatz an der Stadthalle sein. Aber das sind bisher nur Überlegungen, die die Stadt weiterentwickeln kann.

Das gilt auch für das Modell „Schulstraßen“, also Abschnitte, die zu den Zeiten, in denen die meisten Schülerinnen und Schüler unterwegs sind, für den Autoverkehr gesperrt werden. Anlieger sind davon möglicherweise ausgenommen. In Paris, Wien und anderen Großstädten wird das schon praktiziert. In einzelnen Bundesländern wurde das Ausweisen solcher Straßen ebenfalls erleichtert. In Baden-Württemberg sei ein Erlass in Vorbereitung, „der Schulstraßen auf stabile rechtliche Füße setzt“, so Mall. Details kenne man aber noch nicht; als temporären Verkehrsversuch könne man das Modell aber auf jeden Fall testen. Denkbar wäre das eventuell für die Marquardt- oder die Tannenstraße.

Bürgermeister Buß spricht von neuen Erkenntnissen

Bislang handelt es sich aber lediglich um Vorschläge, die aus gemeinsamen Begehungen und Workshops hervorgegangen ist. Dabei waren Schulklassen, Eltern, Vertreterinnen und Vertreter der Schulen und der Stadtverwaltung draußen unterwegs und haben anschließend diskutiert. Was am Ende konkret umgesetzt wird, liegt in den Händen des Gemeinderats. Vieles sei ja im Verkehrskonzept „Move“ bereits angesprochen, sagte Ralf Schmidgall (CDU). Bürgermeister Frank Buß sah aber auch neue Erkenntnisse: Beispielsweise habe ihn überrascht, dass es den Kindern und Jugendlichen teilweise an Beleuchtung fehlt, sowohl bei eigenständigen Fuß-Verbindungswegen als auch in Straßen wie der Marquardtstraße oder am Burgplatz. Weitere Handlungsfelder, die noch vertieft werden müssen, sieht man beim Parken, bei Straßenquerungen und in Sachen Barrierefreiheit.

Im nächsten Schritt soll die Stadtverwaltung konkrete Projekte aus den Anregungen entwickeln und zur Diskussion stellen.