Die neue Furt verbindet die Königstraße mit dem Hauptbahnhof (rechts im Bild) Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit vielen Jahren gefordert, seit Mittwoch in Betrieb: Zwischen Königstraße und Hauptbahnhof gibt es nun eine ebenerdige, ampelgesteuerte Verbindung für Fußgänger.

Stuttgart - Bereits kurz nach 11 Uhr war die Lichtzeichenanlage in Betrieb. Auto- und Lastwagenfahrer mussten an der roten Ampel halten, doch an den Seiten waren noch keine Fußgänger in Sicht. Zwar gab es durchaus schon etliche Interessenten, die die Schillerstraße auf diesem neuen Weg überqueren wollten.

Doch noch mussten die ersten Neugierigen warten, erst eine Viertelstunde später räumten Stuttgarts Tiefbauamtsleiter Wolfgang Schanz und Bauhofmitarbeiter die orange-rot-weiß gestreiften Abgrenzungsgatter und -balken beiseite – die Überquerung war offiziell freigegeben, und in den ersten fünf Minuten passierten bestimmt an die hundert Passanten die neue Fußgängerfurt über die Schillerstraße.

Das Ziel, Fußgängern oder auch Radfahrern eine ebenerdige Verbindung zum Hauptbahnhof durch eine Ampelanlage zu ermöglichen, sei ein schon seit Jahren gehegter Wunsch, der nun in Erfüllung gehe, erläuterte Schanz. 550 000 Euro hatte der Gemeinderat für das Projekt freigegeben, in gerade mal vier Monaten Bauzeit wurde der Fußgängerüberweg errichtet. Wer will, kann nun also auf die unterirdische Durchquerung der Klett-Passage verzichten.

„Entlang einer der wichtigsten städtebaulichen Achsen der Innenstadt rücken City und Europaviertel ein weiteres Stück näher“, so Schanz. Bei der Stadt hofft man, dadurch die Stadtbibliothek oder auch das neue Einkaufszentrum Milaneo noch mehr an die Kernstadt anbinden zu können. Der neue Überweg in Verlängerung der Königstraße ist acht Meter breit und barrierefrei. „Die Bordsteine sind auf drei Zentimeter abgesenkt“, berichtete Schanz, „zusätzlich ist eine Nullabsenkung eingerichtet“ – diese soll Rollstuhlfahrern eine bequeme Überfahrt ermöglichen. Für sehschwache und blinde Menschen sind taktile Leiteinrichtungen sowie akustische Signale und Vibrationstaster an der Ampelanlage vorhanden.

Auf der Seite der Königstraße mussten die Grünbeete weichen, auf der anderen Seite am Bonatzbau wurde eine bisherige Autofahrspur dem Gehweg zugeschlagen, so dass dort insgesamt ein fünf Meter breiter Fußweg zum Hauptbahnhof zur Verfügung steht. Für die 24,5 Meter lange Furt liege die allgemein übliche Überquerungszeit bei 20 Sekunden. „Hier stehen aber 28 Sekunden zur Verfügung, wir haben also 40 Prozent Reserve für langsamere Fußgänger.“ Wem’s trotzdem nicht reicht, kann auf der 2,70 Meter langen Mittelinsel einen Stopp einlegen.

Die Ampelschaltung an der Königstraße wird in die grüne Welle auf der Schillerstraße eingebunden und zudem mit der schon länger bestehenden Fußgängerampel an der Lautenschlagerstraße verknüpft. So sollen längere, feinstaubproduzierende Wartezeiten bei roter Ampel für die Autofahrer vermieden werden. Wenn jedoch keine Autos fahren oder der Verkehr sehr gering ist, was mittels Detektoren entlang der Schillerstraße ermittelt wird, bleibt die Fußgängerampel länger auf Grün.

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