Nach schier endlosen Debatten steht jetzt fest: Der baufällige Alicensteg, der auf Höhe des Landratsamts die B 10 und den Neckar überquert, wird abgerissen. Ob ein Ersatzneubau kommt, ist noch unklar.

Esslingen - Nach schier endlosen Debatten über die Zukunft des Alicenstegs ist nun eine Entscheidung gefallen. Mit knapper Mehrheit hat der Ausschuss für Technik und Umwelt beschlossen, die Fußgängerbrücke beim Landratsamt abzureißen. Damit ist das Thema aber längst noch nicht erledigt: Ob der Steg über B 10 und Neckar neu gebaut wird und was mit dem Eisbergweg als Zubringerweg passieren soll, muss erst noch diskutiert werden.

 

Uwe Heinemann, dem Leiter des Tiefbauamtes, dürfte am Montag ein Stein vom Herzen gefallen sein. In eindringlichen Worten hatte er den Mitgliedern des Ausschusses für Technik und Umwelt das Risiko beschrieben, das der baufällige Alicensteg seiner Meinung nach darstellt. Die Aktion einer Gruppe von Fans dieser Fußgängerquerung habe die Situation noch verschärft. Ein halbes Dutzend Männer und Frauen hatte Anfang des Jahres die seit 2015 gesperrte und zugewucherte Treppenanlage freigeräumt – und damit laut Heinemann für illegale Passanten noch attraktiver gemacht. „Wir bedauern diese Aktion sehr“, so Heinemann. Denn nun würden täglich mehrere Personen den gesperrten Alicensteg passieren und damit Nutzer der darunter liegenden B 10 gefährden. Schließlich sei der Belag auf dem Steg äußerst marode, es platzten immer wieder größere Teile davon ab – die dann von den Passanten auf die B 10 gestoßen werden könnten. „Das kann zu fatalen Unfällen führen“, warnte Heinemann. „Durch diese Aktion sehen wir jetzt Gefahr im Verzug. Der Abriss des Alicenstegs ist deshalb unbedingt notwendig.“ Zumal durch die notwendigen Kontrollen laufende Kosten anfielen.

Rückbau unabhängig von Zukunft des Stegs

Allerdings sei der Rückbau völlig unabhängig von der Zukunft des Stegs zu sehen, betonten sowohl Heinemann als auch Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht. Denn eine Sanierung sei ohnehin unwirtschaftlich und kaum praktikabel gewesen – unter anderem, weil dafür eine längere Sperrung der B 10 notwendig gewesen wäre. Die Teile für einen neuen Steg hingegen könnten weitgehend fertiggestellt werden und müssten dann nur noch auf die Stützen gehoben werden. Unter diesen Voraussetzungen hatte man im Rathaus kalkuliert, dass eine Instandsetzung rund 2,1 Millionen Euro kosten würde, ein Neubau knapp zwei Millionen Euro und der Abbruch rund 200 000 Euro.

Die Stadt will nun voraussichtlich ab Juli damit beginnen, den Alicensteg abzureißen. Dann kann zunächst der Brückenabschnitt über dem Neckar abgebaut werden, weil der Schifffahrtsverkehr wegen des Abbruchs der Hanns-Martin-Schleyer-Brücke zu der Zeit ohnehin eingestellt sein wird. Der Abriss des Abschnitts über der B 10 soll in den Sommerferien folgen, da dafür laut Stadt die B 10 für wenige Nächte gesperrt werden müsse.

Sowohl über einen möglichen Neubau des Stegs als auch über eine Sanierung des Eisbergwegs soll Ende des Jahres im Rahmen der Haushaltsberatungen für den Doppelhaushalt 2022/2023 diskutiert werden. Der Eisbergweg stellt zusammen mit dem Alicensteg eine Fußgängerverbindung zwischen Zollberg und Merkelpark dar. Er wurde im Jahr 2017 gesperrt, weil eine sichere Nutzung aus Sicht der Stadt nicht mehr gewährleistet werden konnte. Zwei Varianten zur Sanierung des Eisbergwegs wurden am Montag bereits präsentiert: Demnach würde eine Überarbeitung des vorhandenen Asphalts rund 530 000 Euro kosten, während rund 900 000 Euro fällig würden, wenn der Asphalt durch Natursteine ersetzt würde.

Abriss wird teils kritisch gesehen

Unterdessen wird der baldige Abriss des Alicenstegs in den Reihen des Gemeinderats teils auch kritisch gesehen. Grüne und Linke etwa befürchten, dass ohne beschlossene Alternative die Zukunft für einen Fußgängerüberweg an dieser Stelle auf den „Sankt Nimmerleinstag“ (Jürgen Menzel, Grüne) verschoben wird. Die SPD stimmte zwar für den Abriss, tat sich mit der Entscheidung aber schwer: „Die SPD will einen zukunftsfähigen Alicensteg, sofern das finanzierbar ist – aber etwas, das marode und lebensgefährlich ist, kann nicht bleiben“, erklärte Stadtrat Andreas Koch. Freie Wähler und CDU waren sich einig, dass an einem Abriss des Alicenstegs kein Weg vorbeiführt. Ob er trotzdem noch eine Zukunft hat, steht jetzt aber noch in den Sternen.