Training für die afrikanische Fußballgala: Beim Spiel der nigerianischen Mannschaft Foto: Baumann

Afrika-Cup im Kleinformat: An diesem Samstag messen sich 14 Mannschaften mit Spielern aus verschiedenen Ländern bei der afrikanischen Fußballgala. Im Neckarpark wird nicht nur Ballakrobatik zu sehen sein – sondern vielleicht auch das ein oder andere Talent.

Stuttgart - Charles Oluwasanmi (30) hebt frustriert die Arme vors Gesicht und schüttelt den Kopf. Schon zum zweiten Mal hat das gegnerische Team ein Tor geschossen. Für seine Mannschaft läuft es noch nicht so gut in diesem Spiel – es sind noch nicht einmal alle Spieler auf dem Feld. Der Nigerianer erkämpft sich den Ball an der Mittellinie, dribbelt ein, zwei gegnerische Abwehrspieler aus, macht einen eleganten Lupfer und zieht ab, direkt auf die linke Torecke. Doch er hat wieder Pech: Der Ball geht nur gegen die Latte und prallt ins Feld zurück.

Wenigstens ist das nur eine Übungseinheit und noch nicht der Ernstfall: Training der nigerianischen Mannschaft für die afrikanische Fußballgala, die an diesem Samstag im Stuttgarter Neckarpark stattfindet. Dann will sich Oluwasanmi mit seinem Team gegen Ghana, Kamerun, Somalia und alle anderen durchsetzen – und den Pokal holen.

14 Mannschaften aus afrikanischen Ländern von Äthiopien bis Sambia

Seit 21 Jahren veranstaltet der afrikanische Verein Stuttgart jährlich eine Fußballgala. Die Organisation ist nicht immer einfach, das weiß Adedamola Onipede vom Afrikanischen Verein Stuttgart. Er steht am Spielfeldrand und koordiniert die Organisation mit seinem Handy. In diesem Jahr treten 14 Mannschaften aus afrikanischen Ländern von Äthiopien bis Sambia gegeneinander an. „Dieser Sport spielt eine große Rolle in Afrika. Fußball wird dort überall gespielt: Auf den Straßen, am Strand oder auf Kiesplätzen“, sagt Onipede. Liebe zum Fußball, Liebe zur Musik und Liebe zu gutem Essen – das mache für ihn viel von seiner Kultur aus, sagt der ursprünglich aus Nigeria stammende Stuttgarter. „Mit der Fußballgala wollen wir den Menschen aus Stuttgart nicht nur diese Leidenschaft für Fußball vermitteln, sondern ihnen auch ein bisschen was von unserer Kultur näher bringen.“

Ein paar Mal treffen sich die Spieler der nigerianischen Mannschaft vor dem Fußballturnier zum Trainieren. Knapp 49 Spieler aus der Region sind an diesem Tag gekommen – so viele, dass gar nicht alle bei der Fußballgala mitspielen können. „Wegen des Turniers kommen hier einmal im Jahr ganz viele Leute aus der Heimat zusammen“, freut sich Charles Oluwasanmi. Er selbst spielt zum 15. Mal bei dem Afrika-Cup im Kleinformat in Stuttgart auf – und nimmt dafür den Weg aus Heilbronn auf sich.

Wenn Oluwasanmi und seine Mitspieler aus Nigeria über den Platz wirbeln, mag man kaum glauben, dass sie normalerweise überhaupt nicht gemeinsam trainieren. Das Passspiel ist präzise, die Dribblings sind schnell und die Absprachen stimmen. Immer wieder zeigen die Spieler kecke Fallrückzieher oder gewitzte Übersteiger. „Afrikanischer Fußball ist schon ein bisschen anders als europäischer Fußball“, sagt Adedamola Onipede. Ein bisschen chaotischer vielleicht – aber dafür auch ein bisschen akrobatischer und manchmal zauberhafter.

„Es sind schon einige sehr talentierte und gute Spieler dabei“

Charles Oluwasanmi spielt sonst beim SV Hellas Bietigheim in der Bezirksliga Enz-Murr. Auch viele seiner Mitspieler kicken für einen lokalen Verein, spielen auf Kreis- und Bezirksligaebene. „Es sind schon einige sehr talentierte und gute Spieler dabei“, sagt Onipede. Und so wird sich wohl auch der ein oder andere Talentbeobachter im Neckarpark unter die Beobachter mischen und den afrikanisch-stämmigen Spielern auf die Füße schauen. Die Chancen auf den Pokaltriumph stehen nicht schlecht für Oluwasanmi und seine Mannschaft. Immerhin hat Team Nigeria den Pokal in den vergangenen zwei Jahren gewonnen. „Wir können das auch dieses Mal wieder schaffen“, sagt Oluwasanmi optimistisch. „Ich denke wir sind gut genug – auch, wenn es im Training heute noch nicht so ganz geklappt hat.“

Das Spiel auf dem Platz im Neckarpark wird schneller – trotz brütender Nachmittagshitze und feuchtschwüler Luft. Die Fußballer spielen kaum hohe Bälle, stattdessen zeigen sie Dribblings, schnelle Sprints und flache Kurzpässe. Mittelfeldspieler Oluwasanmi hat sich den Ball erneut erkämpft und läuft auf das gegnerische Tor zu. Kurz vor dem Strafraum legt er den Ball auf seinen Teamkollegen ab, der frei vor dem Torwart steht. Treffer. Oluwasanmi ist zufrieden. Wenn sie am Samstag auch so spielen, steht dem Pokalsieg nicht mehr viel im Weg.

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