Blerta Smaili ist Fußball-Nationalspielerin des Kosovo und spielt im Mittelfeld des Regionalligisten VfB Obertürkheim, aus dem von der nächsten Spielzeit an der VfB Stuttgart wird. Nicht nur die 19-Jährige empfindet es als Privileg, künftig für den Traditionsclub aufzulaufen.
Stuttgart - Der Sportplatz des VfB Obertürkheim ist ein kleines, grünes Idyll, das unweit des Neckars mitten in einem Industriegebiet zu finden ist. Im Westen des Geländes thront die mächtige Silhouette des Mercedes-Benz-Motorenwerkes, neben dem Rasenspielfeld steht das VfB-Vereinsheim, indem derzeit gewerkelt wird. Nach der Renovierung, die im Inneren des Gastraums aktuell über die Bühne geht, soll es zeitnah wieder mit der Bewirtung losgehen.
Auch bei den Fußballerinnen aus Obertürkheim stehen die Zeiten auf Aufbruch: An diesem Sonntag (14.30 Uhr) ertönt für das Regionalliga-Team des VfB der Anpfiff der Rückrunde mit dem Heimspiel gegen den SV Hegnach. Im Sommer bekommt dann das Frauenteam samt Trainer- und Betreuerstab in dem knapp 400 Mitglieder zählenden Club quasi einen komplett neuen Anstrich, neue Vereinsfarben und ein frisches Clublogo inklusive. Schließlich wird die Mannschaft zwar weiterhin auf gewohntem Terrain im Schatten des Mercedes-Werkes spielen und trainieren – doch aus dem VfB Obertürkheim wird von der neuen Runde an der VfB Stuttgart.
Die erste Liga ist Zukunftsmusik
Auch Blerta Smaili freut sich auf die neue Zeitrechnung, mit welcher der Traditionsclub von 1893 sein lang gehegtes Vorhaben umsetzt – und zur neuen Spielzeit im Frauenfußball in der Regionalliga, also der dritten Liga, einsteigt. Perspektivisch soll es für die Frauen des VfB Stuttgart bis in die erste Bundesliga gehen – doch das ist vorerst Zukunftsmusik.
„Ich freue mich auf die Zeit, in der wir als VfB Stuttgart auflaufen. Das ist für mich schon ein Privileg“, sagt die 19 Jahre junge Smaili, die im Mittelfeld des VfB Obertürkheim spielt – und die obendrein auch A-Nationalspielerin des Kosovo ist. Derzeit liegen die Obertürkheimerinnen lediglich auf Platz sieben der neun Teams umfassenden Südstaffel der Regionalliga – allerdings mit einem guten Puffer auf die Abstiegsplätze. Doch Blerta Smaili ist sich sicher: Wenn es erst einmal als VfB Stuttgart auf Torejagd geht, „dann werden einige gute Spielerinnen aus der Region zu uns zurückkommen.“
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Blerta Smaili selbst ist in Reutlingen geboren. Dorthin flüchtete die Familie 1996 vor den Wirren des Kosovo-Krieges aus einem kleinen Dorf in der Nähe der Hauptstadt Pristina. „Schon bevor ich laufen konnte, hatte ich immer einen Ball um mich rum“, sagt die junge Frau, die zwei Schwestern und einen Bruder hat, und die bereits mit fünf Jahren bei der SG Reutlingen mit dem Kicken begann. „Bei den Puppen meiner Schwestern haben mich nur die Köpfe interessiert“, sagt sie: „Mit denen konnte ich Fußball spielen.“
Bis zur B-Jugend mischte Smaili mit einer Sondergenehmigung bei den Jungs des VfL Pfullingen mit, da sie bereits Junioren-Nationalspielerin des Deutschen Fußball-Bundes war. Sie wechselte in die U-17-Bundesliga des VfL Sindelfingen, ehe sie der Trainer André König nach Obertürkheim lotste.
Der Fußball als große Leidenschaft
„Im Fußball gehe ich auf, er ist meine große Leidenschaft. Wenn meine Ausbildung fertig ist, möchte ich mich komplett auf den Sport konzentrieren“, sagt Smaili, die als angehende Einzelhandelskauffrau bei einem großen Discounter gerade im zweiten Lehrjahr ist. Fünf A-Länderspiele hat sie für das Kosovo bereits absolviert. Der Wechsel von der Junioren-Auswahl des DFB in die Nationalelf des Heimatlandes ihrer Familie stand für die 19-Jährige schnell fest. „Die Mentalität der Spielerinnen liegt mir. Ich fühle mich in der Mannschaft sehr wohl – und mein Herz geht einfach auf, wenn ich für den Kosovo spielen kann“, sagt Blerta Smaili, die sowohl den deutschen wie auch den kosovarischen Pass besitzt.
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Durch die Reisen zu den Länderspielen hat Smaili einige Regionalliga-Partien des VfB Obertürkheim verpasst. „Wir haben zu Beginn der Saison ein wenig geschwächelt, doch unsere letzten beiden Ligaspiele haben wir gewonnen. Der Klassenverbleib ist weiterhin unser Ziel“, sagt Oriana D’Aleo, die Abteilungsleiterin Frauenfußball in Obertürkheim, die diese Aufgabe auch beim VfB Stuttgart innehaben wird – und sie ergänzt: „Die positive Entwicklung unseres Vereins wäre ohne eine Kooperation in der Regionalliga zu Ende gewesen. Mehr können wir alleine nicht stemmen – jetzt wollen wir den Weg gemeinsam gehen.“
Davon werden Blerta Smaili und ihre Mitspielerinnen in vielfacher Hinsicht profitieren: Sei es beim Trainingsmaterial oder in der simplen Frage, wie der Spielbetrieb zu stemmen ist. Als VfB Stuttgart werden die Fußballfrauen aus Obertürkheim künftig auf eine professionelle Infrastruktur zurückgreifen können, sie werden auch bei Sponsoren und den Fans stärker in den Fokus rücken. Oriana D’Aleo weiß: „Die Aufmerksamkeit ist eine ganz andere – und das haben sich die Spielerinnen auch verdient.“