Größere Städte im Landkreis Ludwigsburg planen keine Übertragung der Spiele auf Großleinwänden. Trotzdem wird man die Partien auch im Kollektiv verfolgen können.
Mit wildfremden Menschen einen Sieg bejubeln oder kollektiv in einem Meer aus Tränen versinken. Mannschaften mit lauten Zurufen anfeuern und lauffaule Spieler gemeinsam zusammenfalten: all das gehört zum Public Viewing dazu und macht den Reiz des Rudelguckens aus. Allerdings werden solche Großveranstaltungen zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar im Kreis Ludwigsburg wohl rar gesät sein – oder, zumindest von kommunaler Seite aus, überhaupt nicht stattfinden. Städte wie Ludwigsburg, Kornwestheim oder Marbach winken jedenfalls schon ab: Wir organisieren keine derartigen Events zur WM, zu der am 20. November der Anpfiff erfolgen soll, lautet der einhellige Tenor.
Man plane selbst keine Public-Viewing-Veranstaltung, habe aber auch von Dritten noch keine entsprechenden Anträge oder Anfragen erhalten, erklärt Meike Wätjen, Pressesprecherin der Stadt Ludwigsburg. Die Rathausmannschaft rechnet auch nicht damit, dass sich daran etwas ändert und jemand die Begegnungen im großen Stil übertragen möchte. Dies wär aufgrund der kalten Jahreszeit ohnehin nur „drinnen möglich“, ist Wätjen überzeugt. Davon abgesehen schätze man „es so ein, dass Veranstalter aufgrund der Themen Corona, Strom und Energie zurückhaltend sind“, erklärt sie.
Noch keine Anfragen in Kornwestheim
Wätjens Kornwestheimer Kollegin Sandra Hennig verweist ebenfalls auf das eher ungemütliche Wetter, die Pandemie und die Energiekrise, wegen denen die Stadt die Finger vom Public-Viewing lasse. Als weiteres Argument, das gegen die Ausrichtung einer solchen Veranstaltung vonseiten der Kommune spricht, führt sie das umstrittene Gastgeberland ins Feld. Doch nicht nur die Stadt verzichtet auf eine Übertragung der WM auf einer Riesenleinwand. „Dem Fachbereich Recht, Sicherheit und Ordnung liegen in diesem Zusammenhang bislang auch keine Anfragen von Vereinen oder Gastronomen vor“, berichtet Hennig.
Hinweis auf die Energiekrise
Ähnlich klingt die Antwort aus dem Remsecker Rathaus auf eine Anfrage. „Die Stadtverwaltung Remseck am Neckar wird kein Public Viewing anbieten. Von einem groß angelegten Public Viewing bei einem Remsecker Gastronom ist uns derzeit ebenfalls nichts bekannt“, teilt Pressesprecher Philipp Weber mit. Er erinnert ebenfalls an die Energiekrise und das Gastgeberland, das als Austragungsort seit Jahren in der Kritik steht.
Nichts über Pläne von Gastronomen bekannt
Auch die Stadt Bietigheim-Bissingen wird kein Public Viewing in die Wege leiten. „Wir überlassen dies den privaten Anbietern. Ob Vereine oder Gastronomen dies in unserer Stadt derzeit planen, ist nicht bekannt“, erklärt Pressesprecherin Anette Hochmuth.
Auch in Marbach stellt die Stadt nichts auf die Beine
Ein klares Nein zu einem eigenen Public-Viewing kommt auch aus dem Marbacher Rathaus. Wobei es nach seiner „laienhaften Einschätzung“ im Prinzip aus energetischer Sicht sinnvoller wäre, „wenn nicht jeder daheim am Fernseher schaut, sondern in einer großen Gruppe an einem Bildschirm oder einer Leinwand“, erklärt der Bürgermeister Jan Trost. So oder so: „Das Veranstalterland ist sicher kritisch zu sehen, ohne Frage“, fügt der Rathauschef hinzu.
Nicht bekannt sei im Rathaus, ob wie in früheren Jahren im Bootshaus am Neckar oder bei anderen Gastronomen ein Public Viewing stattfindet. Eine Nachfrage bei Panagiotis Cherakis, Inhaber und Betreiber des Bootshauses in der Schillerstadt, schafft Klarheit. „Wir wollen alle Spiele übertragen“, sagt der Chef des Restaurants mit Biergarten. Allerdings müssten mit der Stadt noch einige Dinge besprochen werden. Ziel sei, die Partien im Biergarten und im beheizten Wintergarten zu zeigen, für den man dann allerdings Plätze reservieren müsse.
Dehoga sieht große Chance
Cherakis dürfte bei Weitem nicht der einzige Gastronom sein, der die Begegnungen überträgt. Zwar ist hier und da zu hören, dass einzelne Kneipen die WM wegen des Austragungsorts boykottieren und die Bildschirme während der Weltmeisterschaft dunkel bleiben. Beim Dehoga Baden-Württemberg, dem Dachverband der Hoteliers und Gastronomen, sieht man aber eher die Chancen. „Die WM spielt den Wirten in die Karten und die Kassen“, sagt der stellvertretende Pressesprecher Dennis Bachmann. Insofern freuten sich die Gastronomen auf das Event.
Mitten im Wintergeschäft bestehe die Möglichkeit, bis zu 64 Spiele zu übertragen, die überwiegend sogar nach Feierabend angepfiffen würden. Bei zwei Deutschland-Partien in der Vorrunde, also potenziellen Publikumsmagneten, sei der Anstoß zum Beispiel um 20 Uhr.
Bachmann hebt zudem die günstigen Rahmenbedingungen hervor. Es würden weder zusätzliche GEZ- noch Fifa-Lizenzgebühren fällig. Lediglich in den Gema-Topf müsse etwas eingezahlt werden. Als „gutes Signal“ bezeichnet der Dehoga-Vertreter zudem, dass das Land keine zusätzlichen Einschränkungen wegen Corona geplant habe, die Gäste folglich beispielsweise ohne Masken die Begegnungen verfolgen könnten. Und was die gestiegenen Energiekosten anbelangt, sei es ebenfalls von Vorteil für die Wirte, wenn sie die Spiele zeigen und dadurch mehr Publikum anlocken. „Je mehr Leute kommen, desto besser ist es fürs Geschäft“, erklärt Bachmann.