Sein Blick richtet sich gen Russland: Jürgen Klinsmann ist als Coach der Australier im Gespräch. Foto:  

Jürgen Klinsmann hatte ein großes Ziel: Deutschlands ehemaliger Bundestrainer wollte die US-Boys zur WM nach Russland führen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Jetzt könnte der Ex-Weltmeister doch noch bei der Endrunde an der Seitenlinie stehen, als Coach der australischen Nationalmannschaft.

Stuttgart - Die Anzeichen verdichten sich: Jürgen Klinsmann plant sein Comeback und zeigt Interesse am Job als Nationaltrainer der Australier. Die stehen seit dem Rückzug von Ange Postecoglou derzeit ohne Coach da. Der gebürtige Grieche mit australischem Pass warf kurz nach den gewonnenen Play-off-Spielen gegen Honduras völlig überraschend hin. Laut australischen Medien signalisierte Klinsmann seine Bereitschaft, die Socceroos bei der Fußball-WM (14. Juni bis 15. Juli) in Russland zu betreuen. Demnach soll der 53-Jährige „einen seiner engsten Freunde“ – einen ehemaligen australischen Nationalspieler – angerufen und über die heimische Liga und die Qualität des Nationalteams befragt haben. Zeit hätte der 114-malige Nationalspieler jedenfalls. Im vergangenen November wurde Jürgen Klinsmann wegen Erfolglosigkeit als Coach der US-Boys entlassen. Doch auch sein Nachfolger Bruce Arena schaffte es nicht, das amerikanische Team zur WM zu führen.

Laut der australischen Zeitung „The Advertiser“ soll das Gehalt allerdings ein Knackpunkt in den möglichen Verhandlungen sein. Klinsmann, Weltmeister von 1990 und Bundestrainer beim Sommermärchen 2006, kassierte angeblich in den USA 3,3 Millionen US-Dollar (2,8 Millionen Euro) pro Jahr. Dem australischen Verband stehen allerdings nur 1,5 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) als Salär für den Nationaltrainer zur Verfügung.

Es könnte aber durchaus sein, dass Klinsmann in puncto Gehalt Abstriche macht. Der Reiz, bei einer WM erneut auf der Trainerbank zu sitzen, ist groß. Doch der gebürtige Göppinger hat Konkurrenz um den Posten an der Seitenlinie der Socceroos. Der WM-Teilnehmer will sich bei der Suche nach einem neuen Fußball-Nationaltrainer von einer Kommission beraten lassen. Das Gremium soll bis Februar den neuen Coach aus einem Kandidatenkreis auswählen, zu dem auch Klinsmann gehört. Eine Expertenrunde mit den früheren australischen Auswahlspielern Mark Schwarzer, Mark Bresciano und Stan Lazaridis wird sich beraten und den geeigneten Coach empfehlen. Mit in der engeren Auswahl steht auch der frühere englische Nationalcoach Sven-Göran Eriksson.

In Klinsmann hätten die Australier auf jeden Fall einen großen Motivator in ihren Reihen. Seine Ansprachen sind legendär. Seine Impulse trugen maßgeblich zum ­Aufschwung des deutschen Fußballs bei. Aber Klinsmann ist auch einer, der polarisiert. Er sei impulsiv, wenig selbstkritisch. Sonnyboy auf der einen Seite, Querdenker auf der anderen. Die „Sport-Bild“ bezeichnete ihn aufgrund seines schwäbischen Geschäftssinns einmal als „eiskalten Engel“, das amerikanische Magazin „Sports“ beschrieb ihn als „Einzelgänger, Individualisten, nachdenklichen Typ, Nonkonformisten“.

Eines allerdings gilt als sicher: Wenn Jürgen Klinsmann den Job in Down Under übernimmt, wird er sich voll reinhängen. Der 53-Jährige wird den Socceroos ganz sicher eine mutige, offensive Spielweise verordnen. Und die wird das Team auch brauchen, denn die Gegner bei der WM haben es in sich. Die Australier treffen in der Gruppe C auf Mitfavorit Frankreich, Peru und Dänemark.

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