Vor 40 Jahren feierte der TSV Hildrizhausen die Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga B. Fast hätte der Verein auch das Triple geschafft.
Nachdem der TSV Hildrizhausen 1971 in die Sicherheitsklasse abstiegen war, herrschte ein paar Jahre Tristesse am Schönbuchrand. Erst ab 75/76 ging es wieder aufwärts. In der Saison 84/85 gelang schließlich der Aufstieg als Kreisliga-B-Meister. Der Weg dorthin war jedoch ein steiniger. Mit dem SV Oberjesingen und dem SV Bondorf gab es zwei Konkurrenten, die sich nicht so leicht abschütteln ließen.
Doch der Reihe nach. Los ging es mit einem 4:1 gegen den TV Nebringen, gefolgt vom 1:0-Sieg gegen den späteren direkten Rivalen SV Oberjesingen. Danach wurde mit 9:0 der TSV Tailfingen in die Schranken gewiesen, als der ehemalige Aidlinger Landesligakicker Reiner Müller sieben seiner insgesamt 25 Buden machte. „So einer wie er hatte uns gefehlt. Er hat mit seiner Ausgebufftheit vorne die Tore gemacht“, betont der damalige Libero Dietmar Brösamle.
Am fünften Spieltag gab es den ersten Kratzer im Lack: Während des 3:3 beim VfL Oberjettingen bekamen fünf Gästeakteure eine Zeitstrafe. Die Platzherren verschossen derweil gleich zwei Elfmeter. Mitte Oktober 1984 kam es dann zum Skandalduell gegen den SV Bondorf, das kurz nach Wiederanpfiff beim Stand von 1:1 abgebrochen werden musste. Dem Hausemer Ausgleichstreffer ging in den Augen der Gastgeber eine Abseitsstellung voraus. Sie protestierten vehement und bekamen zwei Rote Karten für Rainer Bruckner und Heinz Marzian. Letzterer soll sein Trikot ausgezogen haben und auf den Schiedsrichter losgegangen sein.
Bis zum zehnten Spieltag kassierte der TSV keine Niederlage, ehe der SV Oberjesingen im Rückspiel mit 2:1 die Nase vorn hatte. In der Winterpause bekam Hildrizhausen durch das nun gefällte Urteil zwei Punkte aus der Abbruchpartie gegen den SV Bondorf gutgeschrieben und war deshalb mit einem Punkt Vorsprung auf den Verfolger Spitzenreiter.
Ein 2:2 beim Schlusslicht TSV Dätzingen, als ein Strafstoß verschossen wurde, wirkte als unerwarteter Stimmungsdämpfer, weshalb das Rückspiel beim SV Bondorf von großer Bedeutung war. „Es stand spitz auf Knopf. Da sind die Zuschauer aufeinander losgegangen, weil die Emotionen aus der Begegnung in der Hinrunde hochkochten“, erinnert sich Brösamle. Das hart geführte Aufeinandertreffen vor 550 Leuten im Publikum endete 1:1.
Danach verlor der SV Bondorf mit 0:1 beim SV Oberjesingen, der damit kurz vor der Ziellinie auf Platz zwei vorrückte. Die Hausemer waren fast am Ziel, doch nach dem 1:3 beim FSV Deufringen, bei dem Uwe Flörchinger mit zwei Treffern zum Matchwinner wurde, war das Polster nach hinten futsch. „Ich weiß noch, dass Thomas Dietsche von den Deufringern zu mir gesagt hatte, dass der FSV uns die Meisterschaft versauen wollte“, so Brösamle. Doch soweit sollte es nicht kommen.
Das Saisonfinale gewann der TSV Hildrizhausen gegen den SV Affstätt mit Ach und Krach 2:1. „Das stand auf des Messers Schneide“, beschreibt Brösamle. Am Ende gab die um sieben Treffer bessere Tordifferenz den Ausschlag gegenüber dem SV Oberjesingen, zwei Zähler dahinter landete der SV Bondorf auf Rang drei. „Hätte die Runde damals noch zwei Spieltage länger gedauert, wären wir nicht Meister geworden“, glaubt der Ex-Kicker heute noch, 40 Jahre später.
Fast wäre dem Verein, dessen Reserve ebenfalls die Meisterschaft feierte, sechs Wochen später sogar das Triple gelungen, doch im Bezirkspokalendspiel in Gärtringen Anfang Juni 1985 musste sich die Elf von Trainer Gerhard Hörmann dem noch voll im Saft stehenden FC Unterjettingen mit 1:3 geschlagen geben. „Da waren wir uns eigentlich sicher, dass wir das Finale gewinnen. Zuvor hatten wir aber einen Mannschaftsausflug nach Hamburg gemacht“, so Brösamle, dem vom Punkt aus nach Foul an Müller der einzige Treffer seines Teams gelang. Dem einen oder anderen Teamkollegen habe man die Nachwehen des Trips in den hohen Norden noch angemerkt, merkt er schmunzelnd an.
Erwähnenswert ist allerdings noch das Halbfinale zuvor. Da hatten die Hausemer den haushohen Favoriten TV Darmsheim mit 4:2 aus dem Wettbewerb gekegelt. „Das war unser bestes Spiel in der ganzen Saison“, gerät Brösamle noch heute ins Schwärmen.
Übrigens: Erst vor ein paar Wochen traf sich die Meistermannschaft 84/85 mal wieder und schwelgte in Erinnerungen. Brösamle, der bis Anfang der 90er Jahre Teil der Truppe war, befand sich zu diesem Zeitpunkt in Reha in Isny im Allgäu und konnte nicht dabei sein.
TSV Hildrizhausen
Schwung mitgenommen
Fast wäre damals dem Kreisliga-B-Meister von 84/85 eine Saison später der Durchmarsch gelungen. Als Aufsteiger wurde der TSV Hildrizhausen 85/86 unter Trainer Buschi Höller, der Mitte der 70er Jahre die SV Böblingen gecoacht hatte, gleich Zweiter mit sieben Punkten Rückstand auf den TSV Waldenbuch.
Premiere
Nach der erneuten Kreisliga-A-Vizemeisterschaft 87/88, dieses Mal einen Zähler hinter der SpVgg Holzgerlingen, sollte 88/89 der erstmalige Aufstieg in die Bezirksliga gelingen.