Am Ende nur 1:1 – in Unterzahl verspielt der TSV Weilimdorf beim Tabellenletzten Heilbronn den greifbar nahen Sieg. Ein Spieler wird zum Unglücksraben.
Der Trainer Oliver Stierle haderte kopfschüttelnd: „So ein Dreckstor.“ Sein verletzt unter den Zuschauern weilender Kapitän Bastian Joas erkannte einen „sehr, sehr bitteren Schluss“. Und der Großteil seiner kickenden Teamkollegen hatte nur noch eines im Sinn: nichts wie weg. Schimpfend und bebend rauschten die Verbandsliga-Fußballer des TSV Weilimdorf in Richtung Kabinentrakt.
Da hatte der Aufsteiger im Auswärtsspiel beim Tabellenletzten VfR Heilbronn „die ganze Begegnung über so gut wie nichts zugelassen“, wie Stierle zurecht konstatierte. Der so wichtige Sieg war zum Greifen nah. Aber was passiert? Am Ende rutschten die Nord-Stuttgarter auf dem Grat zwischen Wunsch- und Fruststart doch noch aus. Nurmehr zu zehnt kassierten sie in der neunten Minute der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleichstreffer. Unter dem Strich stand somit ein Remis, das im Abstiegskampf keinem der beiden Kontrahenten weiterhilft.
„Gefühlt ist das eine Niederlage“, sagte Stierle, in dessen Reihen einer tatsächlich zum großen Verlierer wurde. Auch wenn oder besser gesagt: gerade weil er selbst beim Abpfiff gar nicht mehr auf dem Rasen stand. Für Enis Küley war es schon zuvor ausgerechnet an dem Nachmittag, an dem er sich nach dem Ausfall von Joas (drohende Hüftoperation) die Kapitänsbinde überstreifen durfte, schief gegangen. Erst sorgte der Spielgestalter mit einem starken Dribbling zwar für einen der wenigen Höhepunkte in Hälfte eins. Der von ihm bediente Terry Offei wurde im Strafraum vom Gegner zu Fall gebracht. Aber damit fing die persönliche Küley-Malaise dann an: Nicht nur, dass er den fälligen Elfmeter verschoss – der Gastgeberkeeper Nils Leidenberger Benz hielt den schwach getretenen Ball sogar fest (40.). Noch schlimmer kam es für den 28-Jährigen selbst verschuldet nach dem Seitenwechsel. Einmal Meckern gleich Gelb, weiter Meckern gleich Gelb-Rot (67.).
„So etwas darf einem Führungsspieler einfach nicht passieren“, kommentierte Stierle die Platzverweis-Szene knapp. Hiernach eine halbe Stunde lang in Unterzahl, sah sich seine Mannschaft schließlich einer Abwehrschlacht ausgesetzt. Ärgerlich allemal, war der anderen Seite doch bis dahin wenig eingefallen. Überhaupt ging die Weilimdorfer Taktik über weite Strecken auf. Nach der Gegentorflut der Hinrunde hatte Stierle den Seinen eine defensivere Haltung aufdiktiert. Die Devise lautete: erst einmal hinten dicht machen, nach vorne wird man sehen. Für den Unterhaltungswert der Begegnung war das in etwa so förderlich wie ein Heizstrahler für die Präparierung einer Skipiste. Aber der Zweck war erfüllt. Vor allem im Zentrum gegen die entschlossen abräumenden Erdinc Bozoglu und Jonathan Zinram-Kisch gab es für die Heilbronner Heimelf kein Durchkommen.
Und vollends im Marschplan durften sich die Gäste wähnen, als offensiv Offei für einen Moment seine Klasse aufblitzen ließ. Mit einer kurzen Körpertäuschung versetzte der Angreifer einen Gegenspieler und wuchtete den Ball aus 16 Metern flach ins Netz (60.). Sein drittes Saisontor. „Eine super Aktion von ihm“, befand Stierle – ehe das erwähnte dicke Ende kam. Letzteres auch dadurch bedingt, „dass wir teils vielleicht noch zu grün für diese Spielklasse sind“, wie der Zuschauer Joas bescheinigte. „Zuletzt“, monierte er, „mussten wir cleverer sein.“ Statt den Ball einfach aus der Gefahrenzone zu dreschen, ließen die Weilimdorfer aber einen letzten gegnerischen Vorstoß zu. Die folgende Flanke drückte der eingewechselte Luis Weber über die Linie.
Folge fürs Klassement: Zum bestenfalls direkt rettenden elften Tabellenplatz besteht für die Nord-Stuttgarter weiterhin eine Kluft, nun noch von vier Zählern – während der Gegner nach dem Comeback-Auftritt seines Coachs Andreas Lechner (von 2019 bis 2022 schon einmal in Heilbronn) bereits fast für die Landesliga planen kann. Später eigener Jubel hin oder her.
Aktuell hat Lechner beim Überraschungsschlusslicht den nach nur drei Monaten Amtszeit zurückgetretenen Manuel Fischer beerbt – jenen Mann, der im Hinspiel noch als Meistermacher auf der Weilimdorfer Bank gesessen war. Damaliger Endstand: ein 3:4. Damalige Gemütslage: ebenfalls Frust. „Irgendwie“, stöhnt Stierle, „zerstören wir uns in solchen Spielen selbst.“
Weilimdorfer „Spieler des Spiels“
Erdinc Bozoglu (Nominierungen: 1). Turm in der Weilimdorfer Abwehr. Der Routinier rackerte, grätschte und räumte im Zentrum mit seiner zudem Kopfballstärke die Bälle ab.
VfR Heilbronn: Leidenberger – Gurley (56. Scheurenbrand), van Gameren (76. Ferli), Syhre, Dannhäußer – Meltzer (88. Adonis Krasniqi), Sulejmani (84. Tolaj), Kutlu, Böhm – Schiffmann (61. Weber), Ulusoy.
TSV Weilimdorf: Barisic – Rinis Krasniqi, Bozoglu, Milenkovic (90.+7 Njie) – Takasaki (46. Berretta), Kuchler, Zinram-Kisch, Scarcelli (63. Baierle) – Küley – Offei (76. Fara), Kasiar (70. Schieber).