Auf Abschiedstour: Calcios Schlussmann Ali Bozatzioglou. Foto: Archiv Günter Bergmann

Beide Teams bekommen es am 30. Spieltag mit direkten Konkurrenten gegen den Abstieg zu tun. Fest steht nun, zu welchem Verein der Keeper Bozatzioglou wechselt.

Selten waren die beiden Oberligisten VfR Mannheim und Türkischer SV Singen so im Fokus der württembergischen Fußballvereine wie in dieser Saison. Schafft der Zweitplatzierte Mannheim über die Aufstiegsspiele den Sprung in die Regionalliga, dann steigt in der Verbandsliga ein Team weniger ab. Rutscht das Singener Team aus dem badischen Bezirk – aktuell einen Zähler über dem Strich – noch auf einen Abstiegsplatz, dann erwischt es gar zwei Mannschaften weniger. Szenarien, mit denen sich der TSV Weilimdorf vor dem Auswärtsspiel beim noch tiefer im Abstiegssumpf steckenden SSV Ehingen-Süd ebenso beschäftigt wie Calcio Leinfelden-Echterdingen vor dem Heimspiel gegen den FC Esslingen. Ebenfalls ein Kellerduell des 30. Spieltags.

 

SSV Ehingen-Süd – TSV Weilimdorf (Samstag, 15.30 Uhr)

Beim TSV Weilimdorf sieht der sportliche Leiter Michael Bachmann die Sache realistisch. „Wir haben nur eine Chance, wenn beide Szenarien positiv für uns verlaufen, also der Türkische SV Singen absteigt und der VfR Mannheim als Zweiter den Sprung in die Regionalliga schafft“, sagt er und fügt an: plus am besten zwei eigene Siege. Also am Samstag beim SSV Ehingen-Süd (vier Punkte weniger als der TSV Weilimdorf), der in Sachen Klassenverbleib ebenfalls unbedingt gewinnen muss, und dann noch am 30. Mai zu Hause gegen den frischgebackenen Verbandsliga-Meister Young Boys Reutlingen. Der Nachteil der Weilimdorfer: Sie sind am letzten Spieltag nur Zuschauer, haben spielfrei. Und Bachmann weiß aus seiner langjährigen Erfahrung mit dem runden Spielgerät: „In den letzten Saisonspiele passieren die kuriosesten Ergebnisse, ist alles möglich.“

Zumindest können die Kicker aus dem Stuttgarter Norden an diesem Wochenende mit nahezu voller Kapelle antreten. Der Trainer Oliver Stierle fordert von seinen Jungs indes: „In den letzten beiden Partien alles aus dem Körper herausholen, dann sieht man, was rauskommt. Mehr können wir nicht mehr machen.“ Gleichwohl er immer noch den Kopf schüttelt über die hohe Anzahl von möglichen sieben Direktabsteigern. „Ein absolutes Unding, da sollte sich der Verband schleunigst was einfallen lassen“, sagt Stierle

Die Ungewissheit über die Liga-Zukunft erschwert zudem die Kaderplanung für die Spielzeit 2026/27. Zugesagt haben bereits unter anderen Samir Genc, Tamer-Harun Fara, Erdinc Bozoglu, Riccardo Scarcelli, Giuseppe Berretta und Tarik Bouich. Zu klären gelt es zum Beispiel noch, ob der regionalligaerfahrene Jonathan Zinram-Kisch auch in der Landesliga weiterspielen würde oder wie es mit dem an der Hüfte operierten Kapitän Bastian Joas weitergehe, sagt Bachmann. Ebenso würden sich ob der Ungewissheit Gespräche mit möglichen Zugängen „in die Länge ziehen“.

Calcio Leinfelden-Echterdingen – FC Esslingen (Sonntag, 15 Uhr)

Calcio steht aufgrund der schlechteren Tordifferenz hinter Weilimdorf, hat aber noch eine Partie mehr zu absolvieren. Die Aufgabe gegen den Viertletzten FC Esslingen – mit 33 Punkten fünf Zähler hinter Calcio – scheint auf den ersten Blick lösbar. Doch 16 seiner 33 Zähler hat der Aufsteiger aus den vergangenen sieben Partien geholt, zeigt also alles andere als Auflösungserscheinungen und kämpft weiter tapfer. Klar: Calcio, bei dem der zuletzt gelb-rot-gesperrte Angreifer Georgios Kaligiannidis wieder ins Aufgebot rückt, braucht den Dreier – egal wie.

Derweil ist auch am Sportpark Goldäcker die Ungewissheit über die Ligaplattform in der kommenden Runde nicht förderlich für die Planung. Wie zu hören ist, ist bislang wenig gewiss. Fix ist indes der Abgang von Torhüter Ali Bozatzioglou. Er wechselt nach drei Jahren Calcio zum abstiegsgefährdeten Oberligisten FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Für diesen Club spielte er bereits in der Jugend.