Riccardo Scarcelli (links) war der Matchwinner für den TSV Weilimdorf. Foto: Archiv/Günter Bergmann

Der Fußball-Verbandsligist Calcio Leinfelden-Echterdingen verliert das Derby gegen den Aufsteiger TSV Weilimdorf mit 0:2 und lässt seinen Trainer fragend zurück.

Herzlich ging es nach dem Abpfiff zwischen beiden Trainern zu. Francesco Di Frisco von Calcio Leinfelden-Echterdingen und Oliver Stierle vom TSV Weilimdorf lagen sich in den Armen, tauschten strahlend ein paar Sätze aus. Die beiden kennen sich aus Botnanger Jugendtagen. Grund zum Strahlen hatte aber eigentlich nur Stierle. Dieser sammelte im Derby durch einen verdienten 2:0-Auswärtserfolg mit den Seinen drei wichtige Punkte gegen den Abstieg ein. Der Aufsteiger hat sich somit nach dem vierten Sieg in Folge auf Tabellenplatz acht vorgearbeitet; Calcio bleibt Elfter, müsste Stand jetzt in die Relegation.

 

Derweil waren nicht die beiden Trainer die Hauptdarsteller des Derbys, vielmehr Weilimdorfs offensiver Linksspieler Riccardo Scarcelli. Dieser erzielte in der 45. Minute nach einem Eckball von Jonathan Zinram-Kisch per Aufsetzer-Bogenlampe das 1:0. „Zum Glück hab’ ich den Ball nicht richtig getroffen, sonst wäre er weit drüber gegangen“, sagte der Schütze nach dem Spiel. Und auch das 2:0 (71.) ging auf das Konto von Scarcelli, dieses Mal nach scharfem Zinram-Kisch-Freistoß aus der eigenen Hälfte, hinweg über die schläfrige Calcio-Kette zum lauernden Scarcelli.

Für jenen muss somit die alte Weisheit „Man sieht sich zweimal im Leben“ abgewandelt werden. Im vergangenen Oberliga-Jahr stand der Doppeltorschütze nämlich noch im Echterdinger Aufgebot, ehe er nach nur wenigen Monaten in den Goldäckern im Frust wieder ging. Nach seinem Wechsel zum damaligen Landesligisten Weilimdorf verbunden mit dem Aufstieg sah er seine Vergangenheit Calcio Mitte August zuerst im WFV-Pokal wieder. Dabei erzielte er bereits das Tor des Tages. Nun, beim dritten Aufeinandertreffen mit dem Ex-Verein, revanchierte er sich für den unsanften Abgang mit dem Doppelpack. Nur im Hinspiel bei der eigenen 0:2-Heimpleite ging er leer aus. Eine späte Genugtuung? Zuerst sei wichtig, dass die Mannschaft gewonnen habe, so Scarcelli diplomatisch, um dann mit einem Lächeln nachzulegen: „Zugegeben, es tut schon gut.“

Unterdessen reagierte Di Frisco mit Unverständnis auf die Leistung seiner Mannschaft. Der Coach kann es nicht fassen, dass seine Schützlinge zweimal den Spitzenreiter Young Boys Reutlingen – zuletzt in der Vorwoche – und weitere Teams mit höherem Niveau als das der Seinen besiegen, aber „dann verlieren wir Heimspiele gegen Truppen wie Ehingen-Süd und nun Weilimdorf“, schimpfte Di Frisco. Zudem schimpfte er über den Schiedsrichter, vor allem über dessen Entscheidung vor dem 0:1. Er sei ansonsten keiner, der die Fehler bei anderen suche, aber dem Eckball zum Tor sei ein ungerechtfertigter Freistoß gegen sein Team vorausgegangen, sodass es den Eckball gar nicht hätte geben dürfen.

Doch Freistoß hin oder her. Fest steht, dass „wir völlig verdient gewonnen, über 90 Minuten so gut wie nichts zugelassen haben und gute Chancen hatten“, konstatiert Stierle treffend. Unter anderem in Hälfte eins zwei Hochkaräter durch Tarik Bouich, der te frei am glänzend reagierenden Ali Bozatziolou scheiterte, und einen Pfostenschuss von Giuseppe Berretta. Die Gastgeber hatten vor der Pause gerade mal einen nicht gut zu Ende gespielten Konteransatz. Bezeichnenderweise über die rechte Seite, wo Calcios Casian-Matei Ulici häufig freistand, zudem Geschwindigkeitsvorteile gegenüber Verteidiger Luka Milenkovic hatte. Doch seinen Mitspielern ist dies wohl verborgen geblieben, er wurde kaum ins eh schon schleppend verlaufene Offensivspiel eingebunden.

Nach der Pause war der mögliche Vorteil verpufft. Der schnellere Andrew Addo kam, Milenkovic blieb vorsichtshalber in der Kabine – er war gelb-rot-gefährdet. Auch wenn die Gastgeber ihre Defensivhaltung aufgaben und nun versuchten, Druck aufzubauen, gaben die Calcio-Akteure ihrem Trainer die Antwort auf seine vorher gestellte Frage: Warum es gegen starke Teams klappt und gegen schwächere nicht? Die Italo-Schwaben sind aktuell nicht in der Lage, ein Spiel zu gestalten, fühlen sich offensichtlich in der Rolle des Reagierens wohler als in der des Agierens. Dementsprechend hatten sie keine Möglichkeit mehr, während die Gäste höher als 2:0 hätten gewinnen können.

Calcios Spieler des Spiels

Ali Bozatziolou (Nominierung 4) bekam zwar nicht viel zu halten und musste zweimal hinter sich greifen, doch ihm hatten es seine Mitspieler zu verdanken, dass sie nicht schon Mitte der ersten Hälfte in Rückstand geraten sind. Im Eins-gegen-Eins gegen Tarik Bouich fuhr der 21-jährige Schlussmann blitzschnell den Fuß aus und lenkte den Ball zur Ecke.

Weilimdorfs Spieler des Spiels

Riccardo Scarcelli (Nominierung:1) war mit seinen beiden Toren der Matchwinner der Partie schlechthin. Aber auch sonst war er an der ein oder anderen gefährlichen Weilimdorfer Aktion beteiligt und ein stetiger Unruheherd..

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Bozatziolou - Schlotterbeck (73. Eltayeb), Olteanu, Zweigle, Vieira – Constantinescu – Casian-Matei Ulici, Philipp Seemann (85. Thompson), Zekaj (46. Kaligiannidis), Amenta (68. Isik) – Borges Da Silva.

TSV Weilimdorf: Heske – Krasniqi, Bozoglu,Kuchler, Milenkovic (46. Addo) – Zinram-Kisch, Genc – Berretta (46. Offei), Scarcelli (83. Kasiar), Bouich (59. Küley) – Baierle (76. Wojcik).