Der TSV Heimerdingen kämpft gegen den Verbandsliga-Abstieg – der künftige Trainer Markus Koch bekundet dem Team seinen höchsten Respekt für die Moral.
Es tut nicht körperlich weh, aber es schmerzt schon. Markus Koch hat sich zuletzt einige Spiele seines künftigen Clubs TSV Heimerdingen auf dem Sportplatz an der Weissacher Straße angesehen. Einen Sieg hat der 57-Jährige noch nicht miterlebt, und er weiß natürlich um die prekäre Lage, in der sich der TSV befindet. „Es wäre weltfremd“, sagt Markus Koch, „wenn ich nicht das Szenario betrachten würde, dass der TSV Heimerdingen nächste Saison in der Landesliga spielt.“
An diesem Samstag (15.30 Uhr) läuft die Mannschaft von Coach Daniel Riffert in der Verbandsliga-Partie bei den Sportfreunden Schwäbisch Hall aufs Feld und wird versuchen, die stattliche Lücke von acht Zählern zum Relegationsrang zu verkleinern. Was den Nachfolger Rifferts dabei beeindruckt: Das Team hat sich nicht aufgegeben. „Ich empfinde Respekt“, sagt Koch, „dass trotz dieser schwierigen Situation die Moral intakt ist und erkennbar eine Mannschaft auf dem Platz steht, die um jeden Punkt kämpft.“
Mit dieser Erkenntnis reift in ihm zusehends die Gewissheit, dass er im Winter keine Fehlentscheidung getroffen hat mit seiner Unterschrift in Heimerdingen – ganz gleich, ob es in der Saison 2025/2026 um Punkte in der Verbandsliga oder der Landesliga geht. „Oben mitzuspielen ist mental einfacher zu verkraften als der Kampf gegen den Abstieg“, bemerkt der künftige Coach an der Weissacher Straße, „der setzt einem immens zu, weil man die sportliche Situation ja auch stets mit nach Hause nimmt.“
Abschalten nach Spielschluss? Für einen engagierten Trainer undenkbar, ganz gleich, ob er in der Bundesliga coacht, in der Verbandsliga oder der Kreisliga. Und Markus Koch darf für sich in Anspruch nehmen, ein solcher zu sein. Mit dem VfB Neckarrems marschierte er von der Bezirksliga bis in die Oberliga, es folgte zwei Abstiege – dann endete das Engagement auf der Bank bei seinem Herzensverein 2022 nach 17 Jahren. Die zweieinhalb Spielzeiten beim Bezirksligisten SV Kornwestheim bis Dezember 2024 waren nicht mehr als eine Station in seiner Trainervita, es waren keine, die seine Grundbedürfnisse als leidenschaftlicher Trainer und Liebhaber des Fußballs befriedigten.
Koch liebt die Dorfclub-Atmosphäre
Denn Markus Koch benötigt mehr als einen intakten Spielerkader und gute Trainingsbedingungen. Er will den Fußball spüren, er saugt die Sportplatz-Atmosphäre in sich auf wie ein lebensspendendes Elixier. „Das habe ich beim TSV Heimerdingen gefühlt, als ich früher mit dem VfB dort gespeilt habe“, erzählt er. Der Mann ist ein Kind des Dorfclubs aus Neckarrems, und just diese Parallelität machte die Herausforderung beim TSV über die Maßen verlockend. „Die Menschen sind ganz nah dabei“, sagt er – ein Gefühl, das er als Coach im städtisch geprägten Mehrspartenverein SV Kornwestheim in dieser Intensität nicht erlebt hatte.
Als konkretes Beispiel nennt er den TSV-Treff, den die Heimerdinger Kicker gebaut hatten, weil ein Vereinsheim fehlte. Auch in Neckarrems gab es keine richtige Heimat, wo das Herz des Vereins schlug. Ein Garagenverkauf entwickelte sich allmählich zum Stand und schließlich zum Kiosk. Markus Koch hatte sich etwas „Witterungsbeständiges“ gewünscht, und war überrascht, was dem TSV mit dem Treff auf seinem Sportgelände gelungen ist. „Etwas, wo sich die Fans nach dem Spiel treffen und diskutieren können“, erzählt er, „ist für einen dauerhaften Erfolg eines Vereins wichtig.“
Dass dazu – neben einem konkurrenzfähigen Kader – auch ein versierter Trainer zählt, versteht sich für ihn von selbst. Auch wenn der TSV seine erst dritte Station als Chefcoach einer Herren-Mannschaft darstellt, hat der Ludwigsburger in seiner Karriere so ziemlich jede Chance genutzt, sein Wissen auszubauen und seine Fähigkeiten zu veredeln. Koch besuchte deutschlandweit zahllose Seminare und fachsimpelte mit Trainern aus dem hochklassigen Amateurbereich – sogar mit dem damaligen Bundesliga-Coach des SC Freiburg, Christian Streich, stand er im Austausch.
Markus Koch, der das ballorientierte Spiel zu seiner Maxime erklärt hat, hätte vielleicht den Weg in die höheren Trainer-Gefilde einschlagen können, doch die Begleitumstände des Lebens, die er situativ berücksichtigen musste, standen dem zur gegebenen Zeit entgegen. „Ganz oben wäre ich wahrscheinlich nicht gelandet“, räumt er ein. Markus Koch scheint dort angekommen, wo er gefühlt hingehört: Bei einem Dorfverein, bei dem Fußball gelebt wird.