Eine umstrittene Entscheidung: Dorde Smiljic (Mitte) sieht Gelb-Rot. Foto: Michael Treutner

Die Verbandsliga-Fußballer des FC Esslingen holen in Unterzahl beim Dritten TSV Oberensingen ein 4:4, schieben aber trotzdem erst einmal mächtig Frust.

Wut, Enttäuschung, Frust – einige der Verbandsliga-Fußballer des FC Esslingen schrien ihre Enttäuschung heraus, andere lagen regungslos auf dem Rasen. Jeder ging anders mit der Situation um. Sie hatten im Spiel beim Tabellendritten TSV Oberensingen eine beeindruckende Leistung gezeigt und trotz mehr als einstündiger Unterzahl ein 4:4-(1:1)-Unentschieden geholt. Dass es anschließend dennoch Szenen gab, als sei der FCE gerade abgestiegen, lag daran, wie die Punkteteilung zustande kam. Es war ein Big Point im Kampf um den Klassenverbleib, aber es hätten drei Big Points sein können. Die Esslinger können selbstbewusst in die verbliebenen sechs Saisonspiele gehen, die verpassten beiden Punkte könnten jedoch in der Endabrechnung fehlen. Mit jetzt 27 Zählern bleiben sie 14., der Relegationsplatz ist je nach Zahl der direkten Absteiger fünf oder acht, ein sicherer Rang acht oder zehn Punkte entfernt.

 

Esslingens Kapitän Aleksandar Mojasevic versuchte, die Situation schnell zu reflektieren und einzuordnen. „In ein paar Tagen werden wir vielleicht sagen, dass wir gut gespielt haben und gestärkt in die restlichen Spiele gehen können, aber direkt nach dem Spiel fühlt es sich wie eine Niederlage an“, sagte er und es war ihm seine Gemütslage anzusehen. Trainer Dominik Eitel lobte zwar, „dass man es in der zweiten Hälfte nicht besser machen konnte. In Unterzahl gegen den Dritten so ein Spiel abzuliefern und ein 4:4 zu holen, ist eigentlich unmöglich“. Aber er sagte auch: „Ich habe oft meine Mannschaft kritisiert, diesmal lag es nur am Schiedsrichter.“

Schiedsrichter in der Kritik

Man konnte Eitel verstehen. In der 34. Minute Schickte Referee Daniel Buck (TV Gültstein) FCE-Stürmer Dorde Smiljic per Gelb-Rot vom Feld. Es war keine komplette Fehl-, aber eine sehr harte Entscheidung, weil man beide gelbe Karten – auch im Verhältnis zu anderen seiner Bewertungen – hätte geben können oder auch nicht. Und nachdem Buck vier Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte, ließ er die Partie länger laufen und gab in Minute 90.+6 einen – von Marc Zaidman an Nico Schmid verursachten und berechtigten – Foulelfmeter, den Conrad-Immanuel Henning zum 4:4-Endstand verwandelte. Die Esslinger waren außer sich und auch einige der Oberensinger unter den 250 Zuschauern schauten sich nach dem Torjubel fragend an.

Es war jedenfalls ein denkwürdiger Nachmittag auf der Sportanlage Plätschwiesen. Die Fans freuten sich, mal wieder ein Fußballspiel bei herrlichem Sonnenschein genießen zu dürfen – und sie bekamen einiges geboten. In der Anfangsphase offenbarten beide Abwehrreihen Lücken. Den ersten beiden Toren ging jeweils ein Ballverlust im Aufbauspiel voraus: Zum 1:0 für die Oberensinger bedankte sich Samuel Bosler (11. Minute), zum 1:1 schloss David Micko ab (16.), nachdem sein Teamkollege Louis Majhen zuvor schon an die Latte geköpft und damit ein Esslinger Ausrufezeichen gesetzt hatte. Nach Smiljics Platzverweis kämpfen sich die Esslinger in die Pause.

Florian Nikl mustergültig

Kaum jemand hätte wohl noch Wetten auf den FCE abgeschlossen, schon gar nicht, nachdem Oberensingens spielender Co-Trainer Simon Brandstetter in der 54. Minute einen zu kurz geratenen Rückpass von Loris Portella zum 2:1 für den Favoriten genutzt hatte. Doch dann kam alles ganz anders: Innerhalb von zehn Minuten zogen die Esslinger auf 4:2 vorbei: Mojasevic schoss nach einem Freistoß und einem Patzer diesmal auf Obensinger Seite trocken zum 2:2 ein (65.), anschließend traf Florian Nikl zwei mal mit dem Prädikat „mustergültig“: Freistoß Marcel Sichwardt, Kopfball Nikl (72.), Konter und cooler Abschluss Nikl (74.).

Die Esslinger verteidigten mit Mann und Maus und einigen Paraden von Torhüter Panagiotis Diakoulas, hatten weitere Konterchancen, kassierten das 3:4 durch einen sehenswerten Schuss von Lukas Linder in den Winkel (88.). Und dann kam die Nachspielzeit. Und dann kamen Wut, Enttäuschung, Frust – was in den kommenden Tagen dem Stolz auf die Leistung weichen könnte.

TSV Oberensingen: Wartig – Miller, Gjini, Lander, Gorr (61. Schmid) – Avtzis (61. Werner), Linder – Bosler, Kulay (61. Leidenbach) – Zaglauer (61. Henning), Brandstetter.

FC Esslingen: Diakoulas – Portella, Mojasevic, Frentz (46. Pereira Almeida/90.+1 Prediger), Düdder – Sichwardt, Zaidmann, Kerber, Micko (85. Schubarth) – Majhen (53. Nikl/90.+3 Haradinaj), Smiljic.

Schiedsrichter: Daniel Buck (Gültstein).

Zuschauer: 250.

Tore: 1:0 Bosler (11.), 1:1, Micko (16.), 2:1 Brandstetter (54.), 2:2 Mojasevic (65.), 2:3 Nikl (72.), 2:4, Nikl (74.), 3:4 Linder (88.), 4:4 Henning (90.+6 Foulelfmeter).

Gelb-rote-Karte: Smiljic (34./Esslingen/wiederholtes Foulspiel).

Beste Spieler: Nikl, Kerber, Majhen, Diakoulas / Bosler, Linder.