Uwe Sippel zeigt sich im Interview überzeugt, dass der TSV Heimerdingen in der Verbandsliga bestehen wird, jedoch sieht der Fußball-Chef Aufgaben ungelöst – wie die Suche nach einem Namenssponsor fürs Sportgelände.
An diesem Sonntag (15 Uhr) beginnt für die Fußballer des TSV Heimerdingen die Bewährungsprobe: Der Verbandsliga-Aufsteiger empfängt an der Weissacher Straße die TSG Hofherrnweiler-Unterrombach. Abteilungschef Uwe Sippel ist überzeugt, dass die Mannschaft von Spielertrainer Pascal dos Santos Coehlo für den Klassenverbleib gerüstet ist – aber der 59-Jährige verschließt die Augen nicht vor weiteren Herausforderungen.
Herr Sippel, um einen Satz aus dem Fußball aufzugreifen: Haben Sie vor dem Start vom Feeling her ein gutes Gefühl?
Ja, weil wir im Rahmen unserer Möglichkeiten unsere Hausaufgaben gemacht haben. Wir sind bestmöglich aufgestellt. Wir sind besser gewappnet als beim Aufstieg 2019.
Das heißt?
Wir besitzen einen qualitativ sehr ausgeglichenen Kader. Das war mit ein Grund, warum wir Meister worden sind – weil wir es geschafft haben, sämtliche Ausfälle überwiegend gut zu kompensieren. Wir haben in Gabriel Fota nur einen Stammspieler verloren und sechs Neuzugänge mit einer sehr guter Qualität dazubekommen – der Kader ist deutlich stärker als im Aufstiegsjahr 2019, wir sind in der Breite noch besser besetzt.
War es schwer, Spieler zu überzeugen, nach Heimerdingen zu kommen?
Man kann die sechs in drei Kategorien einteilen. Die von tieferen Ligen gekommen sind wie Marc Geist und Max Stumm, von denen wir aber wussten, was sie können. Die zweite Gruppe sind Kerim Keseroglu und Ivanilson Matias, die beide vom Oberligisten Türkspor Neckarsulm gekommen sind, wo sie zu wenig Spielzeit hatten. Und die dritte Gruppe stammt von der familiären Bande mit Michael Kuchtanin und Andrei Ulici, deren Brüder Martin und Casian schon beim TSV spielen. Sie kommen auch aus der Oberliga, hatten aber wegen Verletzungen ein gebrauchtes Jahr.
Sie mussten nicht mit Geldscheinen wedeln, um die Leute zu überzeugen?
Das können wir ja sowieso nicht. Das haben wir in der Vergangenheit nicht getan, und das machen wir in der Zukunft nicht. Ich gebe aber zu, dass bei den Absagen, die wir bekommen haben, am Ende das Geld ausschlaggebend war.
Welcher Betrag ist pro Saison nötig, um in der Verbandsliga mitzuhalten?
Die Frage ist, was rechnen wir da mit rein? Nur die Mannschaft? Das wäre eine Milchmädchenrechnung – wir haben Fixkosten, alleine die Schiedsrichterkosten liegen bei etwa 4000 Euro, dann kommen bestimmt noch 10 000 Euro für die Busfahrten dazu.
Hand aufs Herz. Kommt man mit 50 000 Euro insgesamt hin?
Ich würde sagen, drunter geht es keinesfalls.
100 000 Euro?
Es gibt sicherlich ein paar Clubs, die das haben – ich denke, die Wahrheit dürfte so grob in der Mitte liegen. Sodass man einen Kader zur Verfügung hat, der um die 40 Punkte holt und drin bleibt. Soweit würde ich mich aus dem Fenster lehnen.
Tut sich ein Amateur-Club nicht von Jahr zu Jahr schwerer, die Summe aufzutreiben? Das Wort Verbandsliga hat kaum verschlossene Türen geöffnet.
Natürlich sind wir immer auf der Suche – und was uns gelungen ist: unsere Basis in den vergangenen Jahren immer mehr und mehr zu verbreitern. Und dabei geht es nicht stets gleich um tausende von Euro, uns sind auch die willkommen, die 150 Euro für eine Anzeige im Stadionheft bezahlen. Getreu dem Motto: Kleinvieh macht halt auch Mist, und dann tut es nicht so weh, wenn einer mal wieder wegfällt – im Gegensatz, wenn du einen hast, der alles bezahlt hat und plötzlich keine Lust mehr hat. Wir sind dankbar, dass wir sehr treue Partner haben wie die Firmen Tabler und Koppenhöfer, die uns seit Jahrzehnten unterstützen.
Ist das Ende der finanziellen Fahnenstange bereits erreicht?
Ich glaube, man könnte da schon noch was machen. Da ist noch Luft nach oben und ein offenen Potenzial vorhanden. Aber es kommt halt keiner von alleine – uns bleibt nur das Klinken putzen, mal salopp gesagt. Wissen Sie, was uns guttun würde?
Ein Goldesel? Verraten Sie es mir.
Wir sind wahrscheinlich einer der wenigen Vereine, der noch auf einem Platz spielt, wo der Name Sportanlage an der Weissacher Straße lautet. Andere Clubs spielen im Meier-Sportpark oder im Müller-Stadion oder wie beispielsweise der SV Leonberg/Eltingen seit Jahren schon im Lewa-Sportpark.
Ein Namenssponsor fürs Sportgelände. Was müsste einer dafür bezahlen? Wären Sie mit 5000 Euro zufrieden? Oder sollte der Betrag fünfstellig sein?
Mindestens fünfstellig. Aber das ist nicht alleine vom TSV abhängig, da sitzt auch die Stadt mit im Boot als Eigentümerin der Anlage. Dann müsste man schließlich die Verkehrsschilder ändern und mehr. Abgesehen davon, es sollte deshalb mindestens eine dreijährige Partnerschaft sein.
Den Gemeinderat könnten Sie schon überzeugen?
Da wäre ich doch recht zuversichtlich.
Zurück zum Sport. Welche Lehren haben Sie aus dem ersten Gastspiel in der Verbandsliga gezogen, um mögliche Fehler von damals nicht erneut zu begehen?
Was wir auf jeden Fall gelernt haben – und das sind eben die Floskeln – dass wir eine nahezu optimale Runde spielen müssen. Aber diesmal haben wir auch das Zeug dazu. Die Haupterkenntnis war, dass unser Kader 2019 zu schwach war. Nicht weil wir zu blauäugig hingegangen sind, sondern weil wir einfach in eine schwierige Phase gekommen sind. Kurz darauf folgte Corona mit all den Beschränkungen – wir waren in der Summe zu selten Verbandsliga-tauglich.
Ist der TSV in seiner Struktur für die Verbandsliga tauglich?
Aus meiner Sicht muss da nichts wachsen im Vergleich zur Landesliga. Klar, die Liga ist eine höher, aber wenn man es von den Rahmenbedingen denkt, ist alles noch gleich. Jetzt fahren wir nicht nur dreimal im Bus, sondern zehnmal – aber es ist nichts Neues. Übernachtungen kommen keine dazu, also bringt man das alles so hin. Die Intensität ist eine andere, der Aufwand ist ein größerer, aber die Abläufe, die sind identisch wie wir es seit 13 Jahren kennen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für den Sonntag, wie würde der lauten?
Das ist das Naheliegendste: mit einem Heimsieg in die Saison starten.