Calcios Außenbahnspieler Matino Schlotterbeck (links) bereitete das Tor des Tages herrlich vor. Foto: Günter Bergmann

Der Fußball-Verbandsligist Calcio Leinfelden-Echterdingen feiert einen 1:0-Heimsieg gegen Schwäbisch Hall. Den Torschützen trifft es dabei hart.

Casian-Matei Ulici wurde Huckepack zum Mittelkreis getragen, wo sich nach dem Abpfiff die Spielertraube samt Trainer und Betreuer von Calcio Leinfelden-Echterdingen traf. Häufig ist eine derartige Aktion eine Anerkennung für etwas Besonderes, wird der „Held des Spiels“ sinnbildlich auf Händen getragen, gewürdigt. Teilweise trifft dies auch auf Ulici beim Verbandsliga-Heimspiel gegen die Sportfreunde Schwäbisch Hall zu. Er beendete mit seinem Treffer in der 71. Minute nicht nur die 349 torlosen Minuten von Calcio, sondern erzielte damit auch das Tor des Tages zum wichtigen und verdienten 1:0-Sieg.

 

Andererseits war Ulici aber auch so etwas wie der tragische Held des Spiels, war Huckepack die einzige mobile Möglichkeit, wie er in den Kreis der Seinen kommen konnte. Zu dick, zu schmerzhaft war sein Knöchel, ein Auftreten undenkbar. Sekunden vor seinem Tor hatte ihn nämlich ein Gegenspieler mit offener Sohle schmerzhaft am rechten Knöchel erwischt. Dann, beim völlig freien, erfolgreichen Abschluss fünf Meter vor dem Tor – Matino Schlotterbeck lieferte blendend zu – knickte er mit dem anderen Bein um. Zu viel des Guten – er musste mit schmerzverzerrtem Gesicht ausgewechselt werden. Für den 22-Jährigen bedeutete dies fußballerische Kurzarbeit, war er doch erst fünf Minuten vor seinem Treffer eingewechselt worden. Aber damit nicht genug. Möglicherweise folgt auf die Kurzarbeit der Krankenstand. „Ich habe ein übles Krachen im Sprunggelenk gehört“, bedauert der Siegtorschütze.

Trotz der Verletzung Ulicis war die Stimmung nach dem Abpfiff bei den Italo-Schwaben gelöst. Und es war auch kräftiges Durchatmen angesagt. Nach dem verpatzten Restart mit nur einem Punkt aus drei Spielen wäre eine erneute Pleite teuer geworden. Die Kluft zum sicher rettenden neunten Platz – dort befindet sich weiterhin Schwäbisch Hall – wäre auf sieben Punkte angewachsen.

Den Willen, das zu vermeiden, sah man allen Gastgeber-Akteuren von der ersten bis zur letzten Minute an. Wenn auch die spielerischen Glanzpunkte Seltenheitswert hatten, stimmten bei jedem die Einstellung und der Einsatz. So sah es auch Calcios Co-Trainer Sezgin Karabiyik: „Die Jungs haben das insgesamt super gemacht, das Geschehen lange klar beherrscht, keinen Torschuss zugelassen, leider aber selbst einige Chancen ausgelassen“. Zudem sind sie mit dem Druck des Gewinnenmüssens gut umgegangen. „Je länger es 0:0 stand, desto einfacher war es für den Gegner, konnte er ruhiger spielen. Aber wir haben im Team an uns geglaubt und nie aufgegeben“, sagte Karabiyik.

Wobei erneut deutlich wurde, warum die Echterdinger, bei denen einst die Torfabrik im Akkord arbeitete, zuletzt 349 Spielminuten ohne Jubelmoment blieb. Einerseits fehlte es auch am Sonntag häufig an klaren, zielgerichteten Spielzügen in der entscheidenden Zone vor dem Tor, sodass man sich nur wenige Möglichkeiten erarbeitete. Andererseits, wenn man sie mal doch hatte, dann fehlte der Killerinstinkt. Wie zum Beispiel Emilio Amenta. Der sehr agile Stürmer konnte einen Gästefehler nach 20 Minuten frei vor dem Gehäuse nicht nutzen, und im zweiten Abschnitt hatte er Pech, strich ein Schuss aus 20 Metern nur knapp über die Latte. Schlotterbeck scheitere im zweiten Abschnitt zudem aus kurzer Entfernung.

Außer der Beendigung der torlosen Zeit war eine zweite Sache wichtig. „Wir haben gut in der Defensive gearbeitet und so die Null gehalten“, freut sich Karabiyik.

Weiter geht es für die Kicker vom Sportpark Goldäcker am nächsten Samstag mit der schweren Auswärtspartie beim Tabellenfünften TSV Berg. Wer weiß, vielleicht wird dann wieder ein Calcio-Akteur Huckepack getragen.

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Bozatziolou – Todorovic, Olteanu, Zweigle, Vieira – Constantinescu – Schlotterbeck, Zekaj (66. Philipp Seemann), Kaligiannidis (66. Casian-Matei Ulici/72. Vittorio) – Borges Da Silva (90. Pagano), Amenta (82. Eltayeb).

Sportfreunde Schwäbisch Hall: Spasojevic – Voigt, Vuletic, Dambacher (80. Guerriero), Schmelzle – Dahmen, Bunk (46. Mohammed) – Minder, Pfeffer, Toptik – Schmidt (69. Kurz).