Der Trainer Francesco Di Frisco (links) freut sich über seinen Neuzugang Gustavo Borges Da Silva (rechts). Foto: Archiv/Günter Bergmann, Calcio

Die Echterdinger überraschen mit einem Neuzugang. Zugleich dementiert der Trainer Di Frisco aufgekommene Gerüchte und bleibt die finanzielle Lage des Vereins aber angespannt.

Geburtsort: Ribeirãozinho, Brasilien. Name: Gustavo Borges Da Silva. Wenn nicht schon allein das bei vielen Fans wie Musik in den Ohren klingt. Und ja, tatsächlich: der Mann spielt Fußball. Und das auch noch ziemlich gut, wie man beim Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen mittlerweile weiß.

 

Ein Brasilianer also als neuer Torjäger! Wer hätte es gedacht? Damit setzt der Filderclub kurz vor dem Punktspielwiederbeginn am nächsten Wochenende wahrlich ein Ausrufezeichen. Nicht nur das: Zugleich wischen die Echterdinger alle Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen erst einmal weg. Die finanziellen Probleme? Der notgedrungene Verkauf des Kapitäns? Die zwischenzeitlich gar kursierenden Gerüchte von einer drohenden Insolvenz? Alles plötzlich Nebensache. Das neue Titelthema heißt: Gustavo Borges Da Silva. Der Mann, der entscheidend dazu beitragen soll, dass es für den Oberliga-Absteiger eine gute Rückrunde und nicht noch eine Zittersaison wird.

Geholfen hat bei dem Überraschungstransfer ein Stück weit der Zufall. Gustavo empfahl Gustavo. Ersterer, Nachname Vieira und bei Calcio bereits als Verteidiger unter Vertrag, hatte mitbekommen, dass sein Landsmann in hiesigen Breitengraden auf Vereinssuche ist. Da war der Weg in die Goldäcker nicht mehr weit. Dort zeigte sich der Trainer Francesco Di Frisco bereits nach der ersten Probeeinheit überzeugt: „Diesen Spieler wollen wir.“ Er beschreibt den 24-Jährigen als „Freigeist in der Offensive. Einer, der in die Tiefe geht“. Und vor allem: „Eiskalt vor dem Tor.“ Ein Eindruck, der sich dann in den jüngsten Testspielen verfestigt hat. Mit fünf Treffern bei vier Einsätzen avancierte Borges Da Silva auf Anhieb zum Topscorer.

Abzuwarten bleibt nun, wie viel Last an Erwartungen er im Ligawettbewerb schultern kann. Als Hoffnungsträger taugt der Neue gleich in mehrerlei Hinsicht. Zum einen war gerade der Angriff die Echterdinger Problemzone der Hinserie. Nur 23 Tore in 18 Spielen. Flaute allenthalben. Wann hat es das bei Calcio schon einmal gegeben? Just bei dem Verein, der in der Vergangenheit überwiegend als Garant für Sturmspektakel galt. „Mit Spielern aus früheren Zeiten wie einem Häcker, Miftari oder Kukic hätten wir acht bis zehn Punkte mehr auf dem Konto“, schätzt Di Frisco.

Zum anderen gilt es ja zudem, jetzt im Winter neu entstandene Lücken zu schließen. Wie berichtet haben die Italo-Schwaben ihre zwei namhaftesten Akteure der vorderen Reihe verloren. Den bisher wenn auch nicht als Torjäger, so aber als Zielspieler und Ballverteiler herausragenden Pero Mamic, der mit der Familie zurück nach Kroatien gezogen ist. Und den erwähnten Kapitän Jovan Djermanovic – mit dessen Namen sich dann der Bogen zu den eingangs angedeuteten unerfreulichen Dingen spannt.

Jovan Djermanovic stürmt nun für den Staffelrivalen Holzhausen. Foto: Günter Bergmann

Stichwort Geld. Oder besser gesagt: Stichwort Ebbe im Geldbeutel. Auch in dieser Hinsicht haben sich die Echterdinger Befindlichkeiten geändert. Vom einst vermeintlichen Ligakrösus, dem der Ruf des Scheine wedelnden Emporkömmlings anhaftete, zum Sparfuchs. Munkeleien, die Situation sei kurzzeitig so dramatisch gewesen, dass gar ein Rückzug vom Spielbetrieb zur Debatte gestanden sei, weist Di Frisco zwar ins Reich der Märchen zurück. Doch keinen Hehl macht er daraus, dass Calcio „finanzielle Löcher stopfen muss“. Nach wie vor zu schaffen machten Altlasten der vergangenen Oberliga-Saison. Und so kam das Djermanovic-Werben vom Staffelrivalen FC Holzhausen in gewisser Weise gerade recht. Ablösesumme plus die Tatsache, somit nach Mamic einen weiteren Gutverdiener von der Gehaltsliste zu haben – das waren die Aspekte, die schließlich mehr wogen als alle sportlichen Überlegungen. Punkte abseits von Rasen und Ball, denen sich dann auch der Trainer zu beugen hatte, begleitendes Zähneknirschen hin oder her.

Zur Verfügung steht ihm nun nur noch ein 22-Mann-Kader, abzüglich des Langzeitpatienten Patrik Seemann (Knieoperation), für den die Runde wohl bereits beendet ist. Klar ist folglich: In puncto Verletzungen sollte nicht mehr viel passieren. Was dann in Bestbesetzung möglich ist? Dies hat die Mannschaft um den zum neuen Kapitän beförderten Dan Constantinescu bereits aufblitzen lassen: Gegen die Oberligisten Normannia Gmünd (3:1), Göppingen (0:0) und Bietigheim-Bissingen (4:4) gelangen ermutigende Testauftritte.

Dass Di Frisco trotzdem vorsichtig bleibt, hat freilich seinen berechtigten Hintergrund. „Nichts mit dem Abstieg zu tun haben – den ein oder anderen Großen ärgern“, so lautet seine Vorgabe, im Wissen, dass die Tabelle etwas Trügerisches hat. Der bisherige achte Platz der Echterdinger klingt nach dem Kadergroßumbruch vom Sommer passabel, gleichwohl mehr möglich war. Aber: In Anbetracht der für die Staffel abzeichnenden Rekordabsteigerzahl (Stand jetzt sechs oder sieben Direktabsteiger) trennt die Calcio-Kicker von der „roten Zone“ gerade mal ein einziger Punkt. Im schlechtesten Fall braucht es für den Klassenverbleib heuer eben den achten Rang.

Vor dem Restart am Samstag beim Aufsteiger VfB Friedrichshafen (14 Uhr) heißt es auf Echterdinger Seite daher umso mehr: Gustavo Borges Da Silva, bitte übernehmen. Bühne frei für brasilianische Ballkünste. Kunstrasen Teuringer Straße klingt zwar nicht ganz so malerisch wie Ribeirãozinho. Aber beim Torriecher macht die Stätte ja vielleicht keinen Unterschied.

Personalien

Zugänge
Gustavo Borges Da Silva (24, Angriff, pausierte/zuletzt Oratório RC/Brasilien).

Abgänge
Pero Mamic (zurück nach Kroatien), Jovan Djermanovic (FC Holzhausen), Maximilian Kuchler (TSV Weilimdorf), Julian Unger (beruflich bedingte Fußballpause).