Die Vorschau mit Blick auf die Nord-Stuttgarter und Calcio Leinfelden-Echterdingen, dessen Team nach heftiger Kritik gefordert ist: Sind die Spieler doch keine „Warmduscher“?
Die einen in einer „Scheiß-Phase“, wie ihr Trainer sagt, die anderen im Aufwärtstrend, aber mit zwei personellen Sorgenfällen – unter diesen Vorzeichen gehen Calcio Leinfelden-Echterdingen und der TSV Weilimdorf in den neunten Saisonspieltag der Fußball-Verbandsliga. Vor allem die Echterdinger stehen nach ihrem „Warmduscher“-Debakel der vergangenen Woche unter Zugzwang.
SSV Ehingen-Süd – Calcio Leinfelden-Echterdingen (Samstag, 15.30 Uhr)
Die verbale Kopfwäsche war wie berichtet direkt nach dem Abpfiff erfolgt. Während der Sportdirektor Josip Pranjic die eigene Elf als Ansammlung von „Warmduschern“ abkanzelte, monierte der Kapitän Jovan Djermanovic im Kahn’schen Duktus „fehlende Eier“. Dagegen hat sich der Trainer Francesco Di Frisco mit dem Abstand von ein, zwei Nächten Schlaf lieber für eine andere Umgangsweise entschieden. Seine Devise in dieser Woche lautete: In der Ruhe liegt die Kraft. „Wir müssen jetzt kühlen und klaren Kopf bewahren“, fordert er nach dem zunehmend verkorksten Echterdinger Saisonstart mit dem Tiefpunkt des vergangenen Wochenendes, dem 1:6-Heimdebakel gegen den TSV Berg.
Sieben Spiele, nur ein Sieg, vorletzter Tabellenplatz. Damit Prost, Mahlzeit in den Goldäckern. Ja, dass es mit der weitgehend neu formierten Mannschaft Anlaufprobleme geben könnte, hatten sie bei Calcio geahnt. Aber dass der Sinkflug der vergangenen Oberliga-Abstiegssaison derart weitergeht? „Eine Scheiß-Phase. Tabellen- und Punktestand sind natürlich alles andere als gut“, will auch Di Frisco nichts beschönigen. Die Frage ist: Wie kriegt die Mannschaft die Kurve? Wie verhindert sie, nun vollends in einen Negativlauf zu geraten, der schon im ersten Rundendrittel die Basis für das erhoffte diesmal entspanntere Spieljahr nimmt?
An diesem Samstag beim Siebten Ehingen stehen die Echterdinger allemal bereits unter Druck, folgt danach doch ein knackiges Oktober-Programm mit den Heimspielen gegen den Tabellenführer Young Boys Reutlingen und den Mitabsteiger SV Fellbach sowie dem Derby in Weilimdorf (am 11. Oktober). Das Problem: Den einen Ansatzpunkt, von dem man sagen könnte: dort anpacken, Dinge richten und damit gut, den gibt es nicht. Vielmehr war es bisher ein Wechsel verschiedener sich öffnender Baustellen. War den Italo-Schwaben in den ersten Spielen ihre schlechte Chancenverwertung zum Verhängnis geworden, so erlebte das Team zuletzt im Abwehr-Gesamtverhalten einen Rückfall in überwunden geglaubte Drunter-und-drüber-Zeiten. Von wegen defensive Stabilisierung. Allein in den beiden jüngsten Spielen haben Di Friscos Kicker zehn Gegentore kassiert.
Aus Sicht des Coachs „eine mentale Sache“. „Sobald wir einen Treffer kriegen, gehen die Köpfe nach unten“, hat er erkannt. Statt Gegenwehr dann ein Einknicken, statt Entschlossen- nurmehr Mutlosigkeit – so viel zu Pranjics „Warmduschern“. „Wir brauchen ein Erfolgserlebnis“, sagt Di Frisco. Ein Sieg als Initialzündung. „Dann“, schätzt er, „kommen die Ergebnisse von allein.“ Am Montag hat er die Seinen zwecks Stimmungsaufhellung Fußballtennis spielen lassen.
Di Frisco kündigt personelle Veränderungen an
In der Aufstellung kündigt Di Frisco derweil Veränderungen an. Nicht nur, weil Philipp Seemann mit Gelb-Rot-Sperre ausfällt und wohl auch Emilio Amenta (krank) passen muss. Unabhängig davon sei auf dem Platz „frisches Personal“ gefordert. Aus der bisherigen zweiten Reihe bieten sich etwa Stefan Todorovic, Georgios Kaligiannidis, Qlirim Zekaj oder auch der Youngster Isaiah Pharell Thompson an.
Der 19-Jährige, im Sommer von den Junioren der SG Sonnenhof Großaspach gekommen, hat im Training überzeugt. Für ihn wäre es das Liga-Startelfdebüt. Vielleicht ist es ja gerade so eine jugendliche Unbekümmertheit, die jetzt helfen kann.
TSV Weilimdorf – VfB Friedrichshafen (Samstag, 15.30 Uhr)
Gibt es damit zusätzlichen Rückenwind? Noch vor dem Aufsteigerduell an diesem Samstag wollen die Verantwortlichen des TSV Weilimdorf in einer Angelegenheit endgültige Nägel mit Köpfen machen: Stichwort Trainerthema. Oliver Stierle soll auf der Karriereleiter vollends die Stufe nehmen, die inzwischen eh nur noch als Formsache gilt: gestartet in die Saison als Co-Trainer, dann Übergangscheftrainer, jetzt Cheftrainer ohne einschränkende Vorsilben. „Zu 99,9 Prozent machen wir diesen Knopf drunter“, sagt der sportliche Leiter Michael Bachmann. Heißt: ein entsprechender Vertrag mit Laufzeit bis Ende dieser Saison. Die fehlenden 0,1 Prozent beziehen sich auf den unwahrscheinlichen Fall, dass im finalen Gespräch eine Seite doch noch ein unüberbrückbares Hindernis erkennt. Doch davon geht an der Giebelstraße keiner aus. Stierle selbst hatte zuletzt mehrfach seine Bereitschaft zur dauerhaften Beförderung kund getan.
Rein sportlich hatte und hat Bachmann eh keine Bedenken. Mit den bisher erreichten neun Punkten aus acht Spielen sieht er den Klassenneuling im Soll. „Dass wir bei fünf, sechs Absteigern wahrscheinlich bis zum Schluss eben gegen den Abstieg werden kämpfen müssen, musste eigentlich jedem bekannt sein“, sagt er. Ein Schelm, wer es als Botschaft in Richtung des ausgestiegenen Meistercoachs Manuel Fischer interpretieren mag.
Doch abgehakt. Neues Kapitel. Nun also Stierle, mit Blick nach vorn. Nach dem 1:0-Sieg vor Wochenfrist in Hofherrnweiler wollen die Weilimdorfer nachlegen. Erst zuhause gegen Friedrichshafen, dann nur fünf Tage später, am Donnerstagabend, in Waiblingen – es sind zwei Chancen gegen Mitaufsteiger, sich im Tabellenmittelfeld zu festigen. „Wenn die Mannschaft so geschlossen auftritt wie am vergangenen Spieltag, wird es schwer, gegen uns zu gewinnen“, sagt Stierle, der zur selben Startelf tendiert. Auch wenn er inzwischen wieder zwei starke zusätzliche Alternativen hat. Die zuletzt fehlenden Enis Küley und Maximilian Wojcik kehren ins Aufgebot zurück.
Sorgen machen indes zwei andere: Weiter raus ist der Kapitän Bastian Joas. Er unterzieht sich an diesem Freitag einer MRT-Untersuchung, um zu klären, was die Ursache für seine Knieschmerzen ist. Banges Warten im Verein auf die Diagnose. Ein längerfristiger Ausfall träfe die Nord-Stuttgarter hart. Definitiv wird es ein solcher unterdessen bei Anthony Jeremy Raheem. Unliebsame Überraschung für Stierle: Der Rechtsverteidiger, einer der Leistungsträger der Aufstiegssaison, hat zwar seinen Kahnbeinbruch auskuriert – sein Rasen-Comeback bei der ersten Mannschaft platzt nun aber aus anderem Grund: Raheem macht beruflich Karriere. Er steigt in seinem Job im Modeartikel-Verkauf zum Teamleiter auf, weshalb der Fußball nun erst einmal hinten anstehen muss. Im Weilimdorfer Kader wird der 25-Jährige fortan nur noch als „Stand-By-Spieler“ geführt. Sprich: als Aushilfe höchstens für Notfälle.
„Schade, wir hatten ihn fest eingeplant“, sagt Stierle. Zumal in der Abwehr, die eh schon als nominelle Schwachstelle gilt.