Gelassen, aber ehrgeizig: U-21-Nationaltrainer Horst Hrubesch Foto: Getty

In Tschechien geht es für die deutschen Nachwuchskicker ab Mittwoch nicht nur um den EM-Titel – bei einem Halbfinaleinzug beim U-21-Turnier ist auch die Olympia-Qualifikation fix. Trainer Horst Hrubesch setzt sich hohe Ziele.

Prag/Stuttgart - Es lief nicht gut für Moritz Leitner in den vergangenen Wochen. Der Mittelfeldspieler flog beim VfB Stuttgart erst aus der Startformation – und als es im Kampf gegen den Abstieg dann so richtig ernst wurde, saß der 22-Jährige meist nur noch auf der Tribüne. Wie gesagt: Das war keine leichte Zeit für einen, der viel von sich hält. Aber zum Glück war da ja noch Horst Hrubesch.

Der frühere Stürmer des Hamburger SV ist Coach der deutschen U-21-Nationalmannschaft. Auch dort ist Moritz Leitner Teil des Teams – und zwar in deutlich bedeutungsvollerer Mission. Das ist das eine, was Leitner an Hrubesch zu schätzen weiß. In der bitteren Zeit stattete der Nachwuchscoach seinem Schützling dann aber auch noch einen Besuch in Stuttgart ab. Der VfB war involviert, und Hrubesch sagt: „Die Jungs wissen, dass sie sich auf mich verlassen können.“ Kevin Volland, der Kapitän des deutschen U-21-Teams, lobt: „Er spricht viel mit uns.“ Zum Beispiel über Ziele.

„Wollen wir bis ins Finale, oder nicht?“

Denn eine von Hrubeschs Maximen lautet: „Man muss sich Ziele setzen.“ Also habe er seine Mannschaft gefragt: „Wollen wir bis ins Finale, oder nicht?“ Die Antwort hat der Trainer dann gleich selbst gegeben. Einerseits mit Blick auf sein Team, wenn er sagt: „Die Mannschaft hat die Qualität dazu.“ Andererseits kann der 64-Jährige gar nicht anders, als nach dem Höchsten zu streben. „Ich bin nicht der Typ, der irgendwo hinfährt und nur teilnimmt“, sagt Hrubesch, der vor der ersten Partie an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) gegen Serbien ergänzt: „Wir sind zu einer Gemeinschaft gewachsen, und jetzt gehen wir diesen Weg weiter.“

Enden soll er, wie gesagt, am 30. Juni im Finale von Prag – oder sogar erst im Sommer 2016. Denn schafft das deutsche Team bei der EM den Sprung ins Halbfinale, ist auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro sicher. „Das gab es lange nicht mehr“, sinniert Hrubesch und betont: „Auch dieses Ziel sollte man sich setzen.“

Im Trainingslager in Leogang schwärmten die Beach­volley-Goldmedaillengewinner Julius Brink und Jonas Reckermann vom olympischen Flair, weshalb Volland meint: „Wenn man das aus den Erzählungen so hört, ist es ein überragendes Ereignis.“ ­Zunächst allerdings mahnte Hrubesch auch zur Vorsicht.

Generationenvergleiche nicht angebracht

Serbien, Dänemark und Tschechien heißen die Gegner in der Vorrunde, „wir haben eine schwere Gruppe, es wird kein leichtes Turnier“, sagt Hrubesch, der das Kunststück aber schon einmal vollbracht hat: 2009 holte er ebenfalls den EM-Titel mit der U 21. Damals standen heutige Weltmeister wie Sami Khedira, Jérôme Boateng oder Mesut Özil im Kader, Vergleiche mit der heutigen Generation will Hrubesch aber lieber nicht anstellen: „Es sind eigenständige Typen, die ganz anders zusammengewachsen sind.“ Verheißungsvoll liest sich die Kaderliste dennoch.

Im Tor hat Hrubesch die Wahl zwischen einem Champions-League-Sieger (Marc-André ter Stegen) und einem Champions-League-Teilnehmer (Bernd Leno), in der Abwehr ist ein Weltmeister (Matthias Ginter) mit von der Partie, und im Mittelfeld stehen fast ausschließlich Stammspieler ihrer jeweiligen Clubs zur Verfügung. Unter anderem Emre Can vom FC Liverpool (Hrubesch: „Er hat eine unglaubliche Präsenz“), Johannes Geis vom FSV Mainz 05 (den Schalke verpflichten will) und Bald-Bayern-Profi Joshua Kimmich von RB Leipzig. Vorne sollen es vor allem Serge Gnabry (FC Arsenal) und Kevin Volland (1899 Hoffenheim) richten. „Alle wollen die EM gewinnen“, sagt ter Stegen.

Der Torhüter, der vor der Saison von Borussia Mönchengladbach zum FC Barcelona gewechselt ist, steht mit seiner Geschichte quasi Pate für das Motto des deutschen Teams: „Lebe deinen Kindheitstraum.“ Die jeweiligen Trainer der Heimatvereine haben die Talente in einem Brief noch einmal bestärkt, denn einen vorsichtigen Turnierbeginn wird es nicht geben. „Schon das erste Spiel“, sagt Kevin Volland, „ist ein Endspiel.“ Es soll nicht das letzte bleiben.

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